Geschichte: Der Fluch des Namens

Artikel vom 01.09.2006

Wie ist das möglich? Ein kleiner Käfer könnte demnächst ausgerottet sein, aber in naturkundlichen Sammlungen weigert man sich, ihn in die Bestände aufzunehmen. Gleichzeitig werden auf Insektenbörsen Höchstpreise für das Krabbeltier gezahlt. Die Erklärung liegt im Namen der Art: Anophthalmus hitleri, "Augenloser Hitler". Und weil der Hitlerkäfer unter Neonazis hoch gehandelt wird, gehen Wissenschaftler auf Distanz. Der Käfer wurde 1933 in Höhlen des damaligen Jugoslawien entdeckt. Der Experte Oscar Scheibel aus Zagreb sollte prüfen, ob es eine neue Art war. Vier Jahre später war er sich dessen sicher, und als glühender Anhänger des deutschen "Führers" benannte er das Tier nach ihm. Aus Berlin erhielt er dafür sogar ein Dankschreiben.

Anophthalmus hitleri gehört zu den Laufkäfern; er frisst kleines Höhlengetier, das ihm vor die kräftigen Kieferzangen kommt. Wie alle nur in Slowenien heimischen Höhlenkäfer ist die Art gesetzlich geschützt. Wer ihn ohne Genehmigung aufsammelt, macht sich strafbar. Bei der Namensgebung neuer Arten sind Insektenforscher bis heute wenig zimperlich. Erst kürzlich benannten sie einen Schwammkugelkäfer, der Schleimpilze frisst, nach dem Präsidenten der USA: Agathidium bushi.

Extras

Buch-Tipp: Enzyklopädie der Tiere
Von der Evolutionsgeschichte unserer Fauna bis zu den kuriosesten Spielarten der Natur: In unserer Enzyklopädie der Tiere werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufbereitet. mehr...

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus