Kultur: Der "Grüne" ist wieder da

Artikel vom 01.08.2008
Absinth im Glas

Bild: Mark Thiessen Vergrößern

Klassisch: Lassen Sie Wasser über einen Zuckerwürfel ins Glas tropfen. Feurig: Zünden Sie den absinthgetränkten Zucker über dem Glas an.

Er hat eine unrühmliche Vergangenheit: Der Schriftsteller Ernest Hemingway trank Absinth und wurde mit dem Messer ausfällig; vom Maler Toulouse-Lautrec munkelte man, er habe Absinth aus einem hohlen Spazierstock getrunken, wenn er Freudenhäuser besuchte. Der Likör - "grüne Fee" genannt - war vor allem im Paris des 19. Jahrhunderts das Kultgetränk in Künstlerkreisen. Weil er "billig und verbreitet war", sagt der Absinth-Historiker und Likörproduzent T. A. Breaux. Im Jahr 1905 ermordete ein Schweizer nach einem Absinthexzess seine ganze Familie, und bald darauf war das Getränk als giftig verschrien und weltweit verpönt. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Wissenschaft Entwarnung gab: Die als halluzinogen verdächtigte Substanz Thujon aus dem Beifuß - einer Hauptzutat des Likörs - ist in den verwendeten Mengen harmlos. Jetzt ist Absinth wieder populär, und etwaige Ausraster nach dem Genuss sind wohl doch nur einem Übermaß an Alkohol zuzuschreiben.

Der wahre Geist

  • Der Originale: Wer hat ihn erfunden? Die Schweizer, und zwar im 18. Jahrhundert. Anfangs galt Absinth als Medizin.
  • Geschmack: Destilliert aus Beifuß, Anis und Kräutern schmeckt er vor allem nach Lakritz.
  • Aussehen: Die klare grüne Flüssigkeit wird bei Zugabe von Wasser trübweiß - Erkennungszeichen für echten Absinth.
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