Als Erstes fallen die protzigen Autos auf den Straßen Saudi-Arabiens auf - ein wohlfeiler Luxus bei Benzinpreisen von zwölf Cent pro Liter. Auf den zweiten Blick sieht man, dass hinter dem Lenkrad kaum Araber sitzen, sondern sehr oft "Gastarbeiter" aus dem Mittleren Osten. Den Frauen hingegen wird das Fahren verwehrt, egal ob sie Besorgungen zu machen haben oder die Töchter zur Schule bringen wollen. Dabei findet man weder in den Gesetzen des Landes noch in den muslimischen Traditionen Fahrverbote für Frauen. Draußen in der Wüste, wo die Polizei nicht kontrolliert, ist es für die weibliche Bevölkerung üblich, selber zu fahren. Doch in den Städten werden Frauen vom Volant weg verhaftet. Als in den neunziger Jahren einige dagegen protestierten, wurden ihre Pässe eingezogen. Danach war es lange still. Erst seit kurzem formiert sich erneut eine Bewegung, die eine Änderung der gängigen Praxis fordert. Eines ihrer Argumente: Es würde dem Land große wirtschaftliche Vorteile bringen, auch der anderen Hälfte der Bevölkerung das Fahren zu gestatten. Und es würde wohl dazu beitragen, die Zahl der Toten im - männlich dominierten - Straßenverkehr deutlich zu verringern.
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