Im Anfang war eine Collage. In Schwarz und Weiß und Blau hängt sie in ihrem Büro: Bäume, Kinder aus Afrika, eine Berliner U-Bahn, Graffiti, ein Laufsteg, Supermodel Kate Moss. Was ihr Bruder aufgeklebt hat? Was sie? «Keine Ahnung», sagt Felicia Moss-Kraus. Das Bild ist einfach gewachsen, damals vor fünf Jahren, als sich Felicia und Melchior fragten: «Wer wollen wir sein?» Die Collage beantwortet die Frage besser, als Felicia es könnte.
Ja, sie sind Stadtkinder. Sie lieben Berlin. Sie lieben aber auch die Natur. Sie wollen nachhaltig leben. Ihr Geld verdienen sie mit lässiger Mode, wie sie ihre Namensschwester Kate Moss tragen könnte. Felicia und Melchior Moss sind die Chefs eines Modelabels, wie es wenige gibt in Deutschland. Sie nähen Öko-Klamotten, in denen man nicht aussieht wie ein gemustertes Schaf oder ein Sack mit Ohren. Kleider für Leute, die sich gut anziehen, dazu auch mal Sakko, Sonnenbrille oder Ballerinas tragen. Mal klassisch, mal verdammt jung, wie Felicia, die Chefin, mit ihren 28 Jahren.
Keine Schminke, die Haare herrlich verschnitten, so sitzt sie in ihrem Atelier. Sie trägt eine dieser Hosen, wie sie Berliner Mädels in ihrem Alter eben tragen: tiefer Sitz, am Hintern lässig, das Bein Karotte, unten umgeschlagen. Drüber einen grauen Cardigan, die Knöpfe laufen seitlich in die Tasche hinein. Den Kragen – mehr ein Schal – kann man zurückwerfen. «Ich spiele eben gern», sagt Felicia. «Mode sollte immer auch die Persönlichkeit dessen unterstreichen, der sie trägt.»
Dabei hatte sie sich selber auch nicht leicht getan, ihre Persönlichkeit zu finden. Sie studierte Soziologie und Ethnologie, aber sie ist keine, die lange stillsitzen und sich den Kopf zerbrechen kann. Mit den Händen wollte sie arbeiten, mit Menschen zu tun haben. Da sie schon als Teenagerin genäht und gestrickt hatte, wechselte sie auf die Modeschule. Es gefiel ihr, sie machte den Abschluss, aber Designerin wollte sie deswegen noch lange nicht werden. Denn als die Schule geschafft war, geriet die verhinderte Soziologin ins Nachdenken.
Was war das eigentlich für eine Branche, in die sie da hineingeraten war? In der die großen Firmen Kleider zum Wegwerfen herstellen lassen, T-Shirts, die man dreimal trägt, um dann am folgenden langweiligen Samstag ein neues zu kaufen. In der unterbezahlte Näherinnen in Containern und auf Frachtschiffen schuften? Für die aus Flugzeugen Gift über Baumwollfelder gesprüht wird, während unten Kinder spielen? «Ich wollte nicht Teil dieser Kette sein, wollte das nicht mit meinen Ideen unterstützen.» Sie kann ja vieles, nur nicht verkaufen, weder sich noch ihre Klamotten. Also arbeitete sie nicht in ihrem Beruf. Sie jobbte vor sich hin.
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