Psychologie: Sanfte Taktik

Artikel vom 01.06.2009
Festnahme

Bild: iStockphoto.com / Graham Bedingfield Vergrößern

Als Israel im vorigen Winter den Gazastreifen bombardierte, flammten überall in Europa Proteste auf. Molotowcocktails flogen, Wolken von Tränengas wehten durch die Straßen. Nur nicht in Schweden. Dort kam ein neues Verhalten bei Gewaltdemonstrationen zum Einsatz. Anstatt zu versuchen, die Menge als Ganzes zu kontrollieren, konzentrierte man sich auf Einzelpersonen, die gegen Gesetze verstießen. Und man mahnte die Organisatoren der Proteste, selber mäßigend aktiv zu werden. Mit Erfolg: Die Demonstranten folgten dem Friedensappell ihrer Anführer.
Schwedens Polizisten waren von Clifford Stott geschult worden. Der Sozialpsychologe aus Liverpool hat den Umgang mit Hooligans - gewalttätigen Fußballfans - analysiert. Seine Erkenntnis: Polizisten, die sich unter die Menge mischen, werden vom Mob kaum wahrgenommen. So können sie einzelne Gewalttäter beinahe unbemerkt aus dem Verkehr ziehen. Englands Polizei probierte das bereits bei Auswärtsspielen ihres Fußball-Nationalteams aus - und setzte auch am 27. Mai 2009 in Rom darauf, wo man beim Finale der Champions League, mit britischer Beteiligung, Krawalle befürchtete.

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