Technik: Fast wie Fielmann

Artikel vom 01.07.2009
Mann mit Brille

Bild: iStockphoto.com / Nilesh Bhange Vergrößern

Mehr als eine Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern würden eine Brille benötigen, doch in manchen Regionen kommt auf eine Million Einwohner gerade mal ein Optiker. Ende der neunziger Jahre ersann der Physikprofessor Joshua Silver an der Universität Oxford eine Lösung für dieses Problem: ein Gestell mit Brillengläsern, deren Schärfe der Träger selber einstellen kann. Das Prinzip ist simpel: Zwischen zwei transparenten Kunststoffscheiben wird so lange Silikonöl gefüllt, bis die entstehende Linse die Umgebung scharf zeigt. Mit umfangreichen Tests bewies der Erfinder, dass diese Brillen - Preis: etwa 15 Euro - besser sind als viele Fabrikgläser.

Heute ist Silver Vorsitzender einer gemeinnützigen Organisation mit dem Ziel, die Menschen in Entwicklungsländern mit Brillen zu versorgen. Eine Milliarde sollen es bis 2020 sein, bisher wurden rund 30000 verteilt, vor allem in Afrika und in Osteuropa. Silver erinnert sich noch an den ersten Empfänger, einen Schneider in Ghana: Dessen Kurzsichtigkeit hatte es ihm fast unmöglich gemacht, einen Faden in seiner Nähmaschine einzuspannen. Er setzte die Brille auf, pumpte Silikon zwischen die Gläser, fädelte ein und nähte los. "Diesen Moment werde ich nie vergessen", sagt Silver.

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