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Können wir die Erderwärmung durch künstliche Bäume mit spezieller Filtertechnik stoppen?
Wenn wir mit dem Auto zur Arbeit fahren oder – schlimmer – mit einem Flugzeug unterwegs sind, tragen wir dazu bei, dass die Luft zusätzlich mit Kohlendioxid belastet wird. CO2 reichert sich in der Atmosphäre an und führt dazu, dass es auf der Erde wärmer wird. Aber muss das zwangsläufig so sein? Oder gibt es Möglichkeiten, das Gas aus der Luft zu entfernen? Bäume können das. Aber selbst wenn wir die gesamte Erde mit ihnen bepflanzten, würde das Problem nicht gelöst: Wenn Bäume verrotten oder verbrannt werden, setzen sie den Kohlenstoff wieder frei. Der Physiker Klaus Lackner von der New Yorker Columbia-Universität hat eine – wie er sagt – bessere Idee: Künstliche „Bäume“ könnten das CO2 aus der Luft filtern, und zwar tausendmal schneller als echte Pflanzen.
Noch gibt es sie nicht, und sie werden ziemlich sicher auch nicht so aussehen wie unsere Bäume. Eher wie Karussels. Im Labor experimentieren Lackner und sein Kollege Allen Wright mit weißlich beigefarbenen Plastikstücken, künstlichen Blättern gleich. Sie bestehen aus einem ähnlichen Material, das man verwendet, um Wasser zu entkalken. Lackner und Wright imprägnieren diese „Blätter“ mit Natriumkarbonat – damit filtern sie Kohlendioxid aus der Luft. Der zusätzliche Kohlenstoff verwandelt das Natriumkarbonat in Natriumbikarbonat, bekannt als Backpulver. In U-Booten und Raumfahrzeugen werden bereits Geräte eingesetzt, die Atemluft durch einfache chemische Verfahren recyceln. Solche Anlagen in großem Stil und wirtschaftlich sinnvoll zu bauen ist jedoch eine ganz andere Herausforderung. Lackner sieht bei seiner Methode zwei Vorteile: Sie funktioniert schnell, und vor allem gibt sie das Kohlendioxid leicht wieder ab. Das ist wichtig, denn das CO2 muss vom Filter wieder getrennt und gelagert werden können. Dafür ist üblicherweise viel Energie erforderlich. Lackner und Wright hingegen wollen das CO2 in einer speziellen Vakuumkammer einfach mit Wasserdampf abwaschen.
Aber wohin mit dem Gas? Es müsste wohl unterirdisch gelagert werden – ähnlich, wie dies bei Kohlekraftwerken erforscht wird. Die künstlichen „Bäume“ ließen sich überall aufstellen, etwa oberhalb einer Lagerstätte. Man könnte aber auch Wasserstoff zum CO2 geben und auf diese Weise flüssigen Kohlenwasserstoff herstellen. Verwendete man dafür erneuerbare Energie, würden Motoren, die mit diesem Brennstoff funktionieren, keinen weiteren Kohlenstoff ausstoßen. Folgt man Lackners Argumenten, dürften wir also ohne schlechtes Gewissen fliegen. Könnten unsere Autos behalten und müssten nicht einmal unseren Lebensstil ändern, um die Luft weniger zu verpesten. Lackner hält seine Erfindung für zukunftsweisend: «Wir dachten, dass unsere Umweltprobleme nicht zu lösen wären. Und nun kennen wir einen Ausweg.» Und wenn der Anstieg des CO2 irgendwann gestoppt sei, dann wären wir technisch vielleicht so weit, seine Konzentration in der Atmosphäre wieder zu verringern.
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