Unter dem Mikroskop: Kleine Wunder der Natur

Der jährlich stattfindende Small World-Fotowettbewerb zeichnet Aufnahmen aus einer magischen Welt aus, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann.

Veröffentlicht am 12. Okt. 2021, 10:57 MESZ
Nikon Small World 2021

Die verschiedenen Entwicklungsstadien eines Clownfischs: vom kleinen, orangefarbenen Zellball zum winzigen Fisch. Daniel Knop hat den Prozess, der von der Befruchtung des Eies bis zum Schlüpfen etwa eine Woche dauert, fotografisch begleitet.

Bild Daniel Knop

Die Welt da draußen ist ein grandioses Zusammenspiel aus Farben, Formen und Texturen. Gesprenkelte, grüne Rankpflanzen, dazwischen glänzende, rote Früchte. Der Wind weht gezackte, gelbe Blätter von den Zweigen der Bäume. Doch eingebettet in diese Pracht, die für das menschliche Auge offensichtlich ist, liegt ein nicht minder faszinierendes Wunderland: die Welt des Winzigen.

Stachelige Pollenkörnchen, die goldenen Schuppen eines Schmetterlingsflügels: all diese kleinen Details sind für uns unsichtbar. Um auf die Schönheit des Kleinen aufmerksam zu machen, veranstaltet Nikon einmal im Jahr den Small World Mikrofotografie-Wettbewerb, 2021 zum 47. Mal. Menschen aus 88 Ländern haben insgesamt 1.900 Beiträge eingereicht.

Galerie: Unter dem Mikroskop: Die versteckten Wunder der Pflanzen

Der Wettbewerb würdigt auch die sich schnell entwickelnde Technologie auf dem Gebiet der Mikrofotografie. Den Anfang machte sie in den Niederlanden im Jahr 1590, als die Brillenschleifer Hans und Zacharias Janssen – Vater und Sohn – das erste Mikroskop bauten. Ihre Erfindung stieß die Tür zu einer völlig neuen Welt auf.

Die Bilder des diesjährigen Wettbewerbs zeigen außergewöhnliche Details überraschend alltäglicher Dinge: von schillernd leuchtenden Sandkörnern bis hin zu den federartigen Fühlern einer Mücke. Alle Siegerbeiträge des Wettbewerbs werden auf der Nikon-Website präsentiert, an dieser Stelle zeigt National Geographic eine Auswahl von Bildern, die bei dem diesjährigen Wettbewerb besonders beeindruckt haben. Eine wundervolle Hommage an die kleinen Wunder der Natur.

Auf den ersten Blick scheint diese Stechmücke mitten im Flug erstarrt zu sein. Tatsächlich hatte das Insekt einfach nur das Pech: Vor ungefähr 40 Millionen Jahren wurde es von Baumharz umschlossen. Der winzige Schatz wurde an der Ostsee gefunden – eine Region, die für ihre großen Bernsteinvorkommen bekannt ist.

Bild Levon Biss

Dylan Jones von der University of Nottingham wandte für diese Aufnahme einer aufgeschnittenen Wurzelkrone der Perlhirse eine neue, revolutionäre Methode namens Laserablation an, bei der mithilfe von gepulster Laserstrahlung die Oberfläche der Wurzel zum Verdampfen gebracht wurde. Dies ermöglichte eine saubere Ansicht der fünffach vergrößerten inneren Strukturen der Pflanze.

Bild Dylan Jones

Um das Zwanzigfache vergrößert muten die Maserungen und Schuppen auf dem Flügel des Schmetterlings Morpho didius wie Gold- oder Bronzeskulpturen an. Die feinen Strukturen brechen und lenken einfallendes Licht ab, sodass die Flügel des Schmetterlings für das menschliche Auge metallisch blau aussehen. Dieses Bild des französischen Fotografen Sébastien Malo belegte beim 47. Small World-Wettbewerb den zehnten Platz.

Bild Sébastien Malo

Diese Aufnahme des Fotografen Erick Francisco Mesén zeigt die federartigen Fühler auf einer Mücke. Der Kopfschmuck der männlichen Tiere unterscheidet sich von dem der Weibchen, die Funktion der buschigen Antennen ist bisher allerdings unbekannt.

Bild Dr. Erick Francisco Mesén

Leuchtend gelbe Pollenkörner liegen auf dem Staubbeutel einer Hibiskusblüte. Die Aufnahme des Fotografen Guillermo López López zeigt den Staubbeutel, auch Anthere genannt, in zehnfacher Vergrößerung. Er ist der Teil des Staubblattes (das männliche Fortpflanzungsorgan der Pflanze), der die Pollen produziert und verteilt.

Bild Guillermo López López

Der Fotograf Douglas Moore von der University of Wisconsin hat mit seiner 63-fach vergrößerten Aufnahme eines Achats ein abstraktes Kunstwerk geschaffen. Das leuchtende Mineral bildet sich durch die Kristallisation in den Hohlräumen meist vulkanischen Gesteins. Durch Unterschiede in Größe, Struktur und Zusammensetzung der Kristalle entstehen die Schichten, aus denen sich das Mineral aufbaut.

Bild Douglas Moore

Was verbergen die geschlossenen Blütenblätter einer Knospe? Diese Frage stellte sich José Almodóvar, Biologe an der Staatlichen Universität in San Juan, Puerto Rico. Für seine Aufnahme entfernte er die Blütenblätter von Clerodendrum paniculatum, der Pagodenblume, und legte so den schmächtigen, magentafarbenen Stempel und die noch fest eingerollten Staubblätter der Knospe frei.

Bild Jose R. Almodovar

Dieser durchsichtige Salinenkrebs ist gerade einmal vier Tage alt und leuchtet geradezu vor dem schwarzen Hintergrund dieser zehnfach vergrößerten Aufnahme des Fotografen Waldo Nell. Die Eier und geschlüpften Nauplien des Krebstiers lassen sich gut lagern, weshalb sie als Futtermittel für die Aufzucht von Jungfischen in der Aquaristik eingesetzt werden. Bekannt ist das Tier auch unter dem Namen Urzeitkrebs oder Seeäffchen.

Bild Waldo Nell

Er sieht aus wie ein Monster aus einem Albtraum, doch Angst muss man vor Sternochetus mangiferae nicht haben. Das allgemein als Mangorüsselkäfer bekannte Insekt hat nämlich, wie der Name verrät, eine völlig harmlose Vorliebe: Mangos, genauer gesagt deren Kerne. In diese graben sich die Larven des Käfers ein und fressen sich so lange satt, bis sie ausgewachsen sind. Eines dieser erwachsenen Exemplare hat Antoine Franck vom französischen Center for International Research and Cooperation im Bild festgehalten.

Bild Antoine Franck

Bei diesen glühenden Steinen handelt es sich um die zehnfach vergrößerte Aufnahme von Sand aus der Namib-Wüste an der Südwestküste Afrikas. Ein hoher Eisengehalt verleiht dem Sand die prächtige Farbe, die den Fotografen Xinpei Zhang zu diesem Bild inspirierte.

Bild Xinpei Zhang

Der Anblick dieses 20-fach vergrößerten Reiskorns hat eine erstaunlich beruhigende Wirkung. Das Licht hebt in dieser Aufnahme des Fotografen Roni Hendrawan jeden Riss und Makel an der stärkehaltigen Oberfläche besonders hervor.

Bild Roni Hendrawan

Dem Insektenfotografen Thorben Danke ist diese Aufnahme einer schlafenden Goldwespe gelungen. Doch so friedlich, wie es auf dem Bild erscheint, ist das Insekt nicht. Die Goldwespe legt ihre Eier in die Nester anderer Insekten, wo die geschlüpften Larven den Nachwuchs des eigentlichen Nestbesitzers auffressen oder ihn aushungern, indem sie alle Futtervorräte vertilgen.

Bild Thorben Danke

 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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