Geschichte und Kultur

„Zeitkapsel“ in Jesusstatue gefunden – An einer ziemlich ungewöhnlichen Stelle

Bei Arbeiten an einer Jesusstatue aus dem 18. Jahrhundert fanden die Restauratoren an einer unerwarteten Stelle zwei 240 Jahre alte Briefe. Mittwoch, 6 Dezember

Von Sarah Gibbens

 

Bei der Restaurierung einer Statue aus dem 18. Jahrhundert fanden spanische Historiker etwas, das man als eine Art Zeitkapsel betrachten könnte. Das Besondere daran ist der Fundort: im Hintern der Statue.

Die Statue stellt ein Abbild von Jesus Christus bei der Kreuzigung dar und ist in der Kirche Santa Águeda in Nordspanien zu finden. Auf der jahrhundertealten Statue zeigten sich erste Risse und sie drohte, sich von ihrem Kreuz zu lösen, erklärt Gemma Ramírez.

Ramírez ist Restauratorin und gehört zum Team von Da Vinci Restauro aus Madrid, das daran arbeitete, die Statue in gutem Zustand zu erhalten. Als sie die Figur auf einen Arbeitstisch hoben, sahen sie laut Ramírez, dass sich etwas in ihrem Inneren befand.

Sie entfernten eine Sektion aus dem Teil der Statue, der eine Stoffbahn darstellt. Darunter, in der Höhlung des Gesäßes, entdeckten Ramírez und ihr Kollege ein Schriftstück, das das Leben in Spanien im späten 18. Jahrhundert detailliert beschreibt.

Zwei handgeschriebene, vergilbte Briefe. Sie sind auf das Jahr 1777 datiert und unterzeichnet von Joaquín Mínguez, einem Kaplan der Kathedrale von El Burgo de Osma.

In seinen Briefen beschreibt Mínguez das wirtschaftliche Alltagsleben und die kulturellen Aktivitäten der Region. Zunächst vermerkt der Kaplan, dass die Statue von einem Mann namens Manuel Bal erschaffen worden ist, der auch weitere hölzerne Abbilder Jesu für die Kirchen der Umgebung gefertigt hat. Dann geht er auf die ertragreiche Ernte verschiedener Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Hafer und Gerste ein sowie auf die Weinlager.

Mínguez erwähnt außerdem, dass Krankheiten wie Typhus das Dorf in dieser Zeit heimsuchten, fügt aber noch hinzu, dass Karten- und Ballspiele zur Unterhaltung dienten.

Abgesehen vom Dorfleben erläutert Mínguez auch das politische Klima in Spanien. Er schreibt, dass König Karl III. den Thron innehat und dass sich der spanische Königshof in Madrid befindet. Der Brief beinhaltet sogar eine Erwähnung der berüchtigten Spanischen Inquisition, die von 1478 bis 1834 Bestand hatte.

Da die Themen von Mínguez‘ Briefen breit gefächert und allgemein gehalten sind, beabsichtigte er wahrscheinlich, eine Art Zeitkapsel für spätere Generationen zu erschaffen, erklärte der Historiker Efren Arroyo der spanischen Zeitung El Mundo. Arroyo fügte hinzu, dass es ungewöhnlich ist, solche Artefakte in Kirchenstatuen zu finden.

Es ist einer der überraschendsten Funde der Restauratoren. Das Team aus Madrid hat bereits am Erhalt alter Gemälde, Statuen und antiker Möbelstücke gearbeitet.

Die wiedergefundenen Briefe wurden zum Erzbischof von Burgos geschickt, wo sie im Archiv verwahrt werden. Eine Kopie von ihnen wurde wieder in das Hinterteil der Statue eingesetzt, um Mínguez‘ Absicht zu erhalten.

Dieser Artikel wurde mit zusätzlichen Informationen von Gemma Ramírez aktualisiert.

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