Geschichte und Kultur

Horrende Todeszahlen bei Pferderennen in den USA

Allein im Jahr 2018 starben fast 500 Rennpferde, zumeist infolge von Beinverletzungen. Thursday, May 23

Von Rachel Fobar
Rennpferde wie die hier abgebildeten, die 2017 beim Rennen Preakness Stakes in Baltimore (Maryland, USA) abgelichtet wurden, erliegen oft Beinverletzungen.

Jeden Frühling treten in den USA die schnellsten Vollblüter des Landes in der Triple Crown gegeneinander an, einer Reihe von Pferderennen, die auf eine hundertjährige Tradition zurückblickt. Gut gelaunte Menschenmassen, in denen es vor großen Hüten nur so wimmelt, finden sich in den Rängen ein, um den eleganten Tieren dabei zuzusehen, wie sie die Bahn entlangpreschen.

Aber trotz der Beliebtheit, der sich dieser Pferdesport nach wie vor erfreut, ist er für Mensch und Tier alles andere als ungefährlich. Allein in den USA starben 2018 laut der Verletzungsdatenbank des Jockey Clubs 493 Rennpferde – das macht rein rechnerisch durchschnittlich 1,3 tote Pferde pro Tag. 

Die meisten Todesfälle gehen auf Beinverletzungen zurück, gefolgt von Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungstraktes und schließlich Multiorganversagen.

Auch die meisten der 23 jüngsten Todesfälle von Pferden auf der kalifornischen Rennbahn Santa Anita Park lassen sich auf Beinverletzungen zurückführen.

Laut dem tierärztlichen Direktor des California Horse Racing Board, Rick Arthur, könnten die Todesfälle darauf zurückzuführen sein, dass der Wettbewerbsfaktor im Sport zunimmt.

Die Pferde bekommen nicht mehr die nötigen Ruhepausen, insbesondere an Orten wie Kalifornien, wo das Wetter eine ganzjährige Rennsaison ermöglicht.

„Es ist schwierig, einen Sportler das ganze Jahr über in Topform zu halten.“

Die beispiellose Häufung von Todesfällen in Santa Anita hat die Sicherheit im Rennsport wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.

Erst im März 2019 wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, der die nationalen Dopingtests für Rennpferde vereinheitlichen sollte. Aktuell unterliegt die Pferdesportindustrie den Bestimmungen der jeweiligen US-Bundesstaaten.

Der Jockey Club, der sich für die Verbesserung der Pferdezucht und des Pferderennsports einsetzt, unterstützte den Gesetzesentwurf.

„Es wird Zeit, dass wir zum Rest der Welt aufschließen und die bestmöglichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit unserer Sportpferde treffen“, erklärte die Organisation in einer Mitteilung.

Tödliche Verletzungen

Während sich ein gebrochenes Bein bei Menschen leicht behandeln lässt, ist es für Pferde oft ein Todesurteil.

Das liegt auch daran, dass Pferde im Gegensatz zu Menschen so wenig weiches Gewebe im Bein haben, weshalb der gebrochene Knochen oft durch die Haut bricht oder die Blutversorgung abdrückt. Dadurch steigt die Gefahr einer Infektion.

In schweren Fällen splittert der Knochen sogar, sodass er sich kaum noch zusammensetzen lässt.

Aber selbst, wenn man den Bruch wieder richten und das Bein schienen kann, würde das Pferd das betroffene Bein wochenlang nicht belasten können. Wenn die Tiere ihr Gewicht aber nicht gleichmäßig auf allen vier Beinen verteilen können, droht eine Hufrehe – eine potenziell tödliche Entzündung der Huflederhaut.

Wenn ein Pferd nicht aus eigener Kraft auf seinen vier Beinen stehen kann, wird es im Allgemeinen nicht überleben und deshalb eingeschläfert, erzählt Arthur.

(Die Zahnpflege für Pferde veränderte den Lauf unserer Geschichte https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/07/zahnpflege-fuer-pferde-veraenderte-den-lauf-unserer-geschichte )

Auch die Jockeys verletzen sich oft, wenn Pferde stürzen. Eine Analyse von kalifornischen Renndaten aus fünf Jahren zeigte 2013, dass es bei 360 dokumentierten Stürzen zu 184 Verletzungen bei Jockeys kam.

Die meisten Stürze ereigneten sich während eines Rennens aufgrund einer „schweren Verletzung oder des plötzlichen Todes des Pferds“, wie es in der Studie heißt.

Doping auch im Pferdesport

Die Trainer von Rennpferden wurden bereits beschuldigt, die ohnehin schwierige Situation noch zu verschlimmern, indem sie den Tieren leistungssteigernde Mittel oder Schmerzmittel verabreichen, wie Tierrechtler sagen.

Mit Hilfe solcher Substanzen können die Pferde noch schneller rennen und werden durch Schmerzreaktionen des Körpers nicht so stark eingeschränkt. Das Mittel Furosemid, das auch unter dem Markennamen Lasix vertrieben wird, ist laut einem Bericht des Jockey Club aus dem März beispielsweise „ein leistungssteigerndes Mittel, das als therapeutischer Wirkstoff getarnt ist“.

Es wird zwar bei Lungenblutungen verschrieben, regt aber den Harnabgang an, wodurch die Pferde im Endeffekt an Gewicht verlieren. Leichtere Pferde rennen schneller – und es wurde bereits nachgewiesen, dass Pferde, denen Lasix verabreicht wurde, drei bis fünf Pferdelängen schneller sind. Die Legalität des Mittels unterscheidet sich von Bundesstaat zu Bundesstaat.

Manche Tierrechtsaktivisten sind der Meinung, dass derartige Mittel generell verboten werden sollte, während andere Vertreter des Pferderennsports auf stärkere Selbstregulierung setzen.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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