Heliskiing in grandiosen Bergketten

Dieser adrenalingarantierende Sport ist nicht nur für Profis.Dienstag, 6. März 2018

Von Brian Handwerk
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Einmal vor einer weiten Fläche mit Pulverschnee stehen oder einem großen Berghang und wissen, dass man das alles für sich hat? Das ist der Stoff, aus dem die Träume von Skifahrern sind. Es ist aber auch die Realität von Heliskiing. Die Freiheit des Fliegens verspricht einen Ausbruch aus der begrenzten Masse und die Chance, auf grandiosen Pisten zu fahren, die seit dem letzten Schneefall niemand betreten hat – oder vielleicht sogar noch nie.

Man fühlt sich vielleicht wie der Hauptdarsteller in einem Ski-Film, aber man muss nicht fahren wie ein Profi, um einen Hubschrauber-Trip zu machen. Ein gutes Mittelmaß an Fahrfähigkeit bietet viele Möglichkeiten und wenig Grund, um Leib und Leben zu fürchten. Heliskiing ist nicht annähernd so gefährlich, wie es aussieht und Reiseanbieter liefern Sicherheitsanweisungen mit. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Oberschenkelmuskeln gut in Form sind, da man bei einem Heliskiing-Ausflug schon mal 6.000 Höhenmeter am Tag hinter sich bringen kann.

Es gibt jedoch auch echte Risiken in den Bergen zu beachten und viele davon haben mit dem Wetter und der Schneedecke zu tun. Hubschrauber können nicht fliegen, wenn das Wetter nicht mitspielt und die Ski-Führer werden keine Abfahrten auf Pisten machen, die abgehen könnten. Tage an denen nicht geflogen wird, gibt es mehr als genug, man sollte also eine Reiseversicherung abschließen, wenn man einen Trip in die Puderparadiese plant.

Die Bugaboos in British Columbia

Skifahrer auf dem Vowel-Gletscher im Skigebiet der Bungaboos in British Columbia.

Heliskiing kam erstmals in den Bungaboos in British Columbia auf. Hier machte Bergsteiger und Ski-Pionier Hans Gmoser den Sport bekannt. Die von ihm gegründete Firma Canadian Mountain Holidays (CMH) ist wohl immer noch die beste Anlaufstelle für Frischlinge, um sich zum ersten Mal in ein Heliskiing-Abenteuer zu stürzen.

CMH bietet ein Dutzend luxuriöse, all-inclusive Lodges, die auf über 1,2 Millionen Hektar Bergspielplatz verteilt sind, was einer Fläche von einem Drittel der Schweiz entspricht. Sechs dieser Lodges bieten einwöchige Einführungskurse für Skifahrer auf mittlerer und fortgeschrittener Erfahrungsstufe. Für Profis gibt es von Dezember bis April eine grenzenlose Auswahl von Hängen, Senken, steilen Posten, Bäumen und weiteren Naturabenteuern – sowie weiterführende Hilfestellungen, um sie zu erleben.

Die offenen Wälder von British Columbia versprechen mehr als das beste Tree-Skiing der Welt. Sie bieten auch einen gewissen Schutz vor Wetterwechseln und erlauben Skifahrern oft Touren, obwohl die Sicht oberhalb der Baumgrenze schlecht ist.

Die südlichen Alpen in Seuseeland

Heliskiing in Neuseeland ist oft ein bisschen anders und das nicht nur, weil man hier Ski fährt, wenn die Sportler in der nördlichen Hemisphäre zwischen Juni und September auf ihren Mountainbikes unterwegs sind. Anders als die mitten im Nirgendwo gelegenen all-inclusive Lodges in Nordamerika bietet Neuseeland normalerweise Abenteuer direkt aus Zentren wie Queenstown, Methven, Wanaka, und Mount Cook an.

Skifahrer können übernachten wo sie wollen, egal ob in Hütten oder Luxushotels und Tagesausflüge abhängig vom Wetter buchen. Die zahlreichen Anbieter von Heliskiing in dieser Region bringen Kunden vom Hotel zum Hubschrauberlandeplatz. Die Ausflüge umfassen eine an die Fähigkeiten angepasste Anzahl an Abfahrten und für gewöhnlich ein unvergessliches Picknick zum Mittag auf einem Berggipfel.

Die südlichen Alpen reichen nicht an die höchsten Bergketten der Welt heran, aber sie müssen sich in Sachen alpiner Landschaft absolut nicht verstecken. Nach dem Prinzip „ein Tag nach dem anderen“ kann man hier seine Hubschraubererfahrungen sammeln und wesentlich leichter und günstiger Lernfortschritte erzielen. Es sei denn natürlich, man legt noch etwas drauf, was nicht unwahrscheinlich ist.

Die Troll-Halbinsel von Island

Ein Hubschrauber fliegt weg, nachdem er Heliskifahrer auf der Troll-Halbinsel in Island abgesetzt hat.

Die Berge der Troll-Halbinsel von Island könnten möglicherweise Wesen aus isländischen Legenden beheimaten. Was sie auf jeden Fall bieten, ist ein Spielplatz von selten oder nie genutzten Schluchten, Hängen und weiten Gletschern. Diese Gipfel sind zwar nur 1500 Meter hoch, aber sie offerieren lange Abfahrten, da die Skifahrer auf direktem Weg bis zur Küste des Nordpolarmeers geführt werden. Die ortsansässigen Führer von Arctic Heliskiing können Besucher bei Skitouren beraten und ihnen die faszinierende Kultur des Landes näherbringen.

Diese Küstengebirge sind im Februar mit Pulverschnee gesegnet und im Winter besteht das Nachtleben aus langen Bädern in heißen Vulkanquellen, während man die Polarlichter beobachtet. Diese kann man üblicherweise von Februar bis Mitte April beobachten.

Von April bis Juni erlebt man in Island extra lange Tage. Tatsächlich kann man gegen Ende der Saison bis Mitternacht Skifahren und beobachten, wie die glühende, arktische Sonne im Horizont des Ozeans versinkt. Sie geht nicht unter, sondern macht nur eine kurze Pause, bis sie zum nächsten Ski-Tag wieder aufgeht – sofern es die Skifahrer-Beine noch mitmachen.

Valdez und Haines in Alaska

Ein Skitourengeher rast über den Kamm der Resurrection Peninsula in Alaska.

Auch wenn man das erste Mal in Alaska ist, erkennt man vielleicht die einschüchternden Silhouetten der Bergkämme bei Haines. Das liegt daran, dass man hier den Spuren der Profisportler folgt. Auf diesen Gipfeln beweisen sich die Weltbesten vor der Kamera: von Fernsehlegenden wie Teton Gravity Research oder Matchstick Productions. Die atemberaubende Landschaft ist in der Saint Elias Range mit einer dauerhaften Schneedecke gesegnet, die gierig die Feuchtigkeit vom nahegelegenen Ozean aufsaugt.

Haines ist nichts für Neulinge, aber wenn man bereit ist, sich auf diese Pisten einzulassen, können einem die ausgezeichneten Ski-Führer der Gegend zeigen, wie man sie bezwingt – und zwar so sicher wie möglich. Wenn man zum Profi geworden ist, kann man sich sogar zum Führer ausbilden lassen.

Alaskas zweite Hubschrauber-Zentren um Valdez sind trotz einer ganzen Reihe von Heliskiing-Anbietern alles andere als überlaufen. Nur eine alteingesessene Firma, Dean Cummings' H20 Guides bedient einen Teil der Chugach Mountains, der in etwa der Größe von Thüringen entspricht. Alaskas Abfahrten sind ebenfalls übergroß; sie umfassen gerne zwischen 1.000 und 1.500 Höhenmetern gespickt mit Bergwänden, Steilhängen, Gletschern und Bäumen – alles bedeckt von 1.800 oder mehr Zentimetern Schneefall pro Jahr. Wenn man einmal gelernt hat, auf diesem Terrain zu fahren, kann der Hügel hinterm Haus in Zukunft nur noch schwer mithalten.

Weil die Winter im Norden so kalt und dunkel sind, finden die meisten Heliskiing-Touren im März und April statt. Und weil es Alaska ist, gibt es auch öfter einmal Entspannungstage – aber wo sonst kann man diese damit verbringen, zu lernen wie man einen Hundeschlitten lenkt?

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