Planet or Plastic?

Mikroplastik in 90 Prozent des weltweiten Tafelsalzes vorhanden

Im Rahmen einer Studie wurde Salz aus allen Teilen der Welt untersucht. Montag, 22 Oktober

Von Laura Parker

Vor einigen Jahren hatte man in Meersalz Mikroplastik entdeckt. Dabei blieb allerdings unklar, wie verbreitet die kleinen Plastikteilchen im meistgenutzten Gewürz der Welt sind. Im Rahmen einer neuen Studie wurde nun Salz diverser Marken aus der ganzen Welt untersucht. Das Ergebnis: In 90 Prozent aller Proben war Mikroplastik vorhanden. 

In 36 der 39 getesteten Marken konnte man die Kunststoffteile nachweisen, wie die Forscher der südkoreanischen Incheon National University und Greenpeace East Asia berichteten. Die aktuelle Arbeit nutzte vorherige Studien über Salz, um die geografische Verbreitung von Mikroplastik in Tafelsalz zu untersuchen. Außerdem wollten die Forscher ergründen, wie diese Verbreitung mit der Umweltverschmutzung durch Plastik korreliert.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der menschliche Verzehr von Mikroplastik durch Produkte aus dem Meer stark mit der Plastikverschmutzung in der jeweiligen Region zusammenhängt“, sagte Seung-Kyo Kim. Der Professor für Meereswissenschaften arbeitet an der Incheon National University in Südkorea.  

Insgesamt wurden Tafelsalzproben aus 21 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien analysiert. Die drei Proben, die kein Mikroplastik enthielten, stammten aus Taiwan (raffiniertes Meersalz), China (raffiniertes Steinsalz) und Frankreich (unraffiniertes Meersalz, das durch die Verdunstung von Meerwasser durch Sonneneinstrahlung zurückbleibt). Die entsprechende Studie erschien in „Environmental Science & Technology“. 

Die Mikroplastikdichte im Salz variierte zwischen den verschiedenen Marken signifikant, war in den asiatischen Salzmarken aber besonders hoch. Die größte Menge an Mikroplastik wiesen die Forscher in Salz nach, das in Indonesien verkauft wurde. Asien ist ein Hotspot der Plastikverschmutzung, und Indonesien – mit fast 55.000 Kilometern Küstenlinie – leidet einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge an der zweitschlimmsten Plastikverschmutzung der Welt. 

Ein weiterer Indikator für die geografische Intensität der Plastikverschmutzung ist die Quelle des Salzes: Die Mikroplastikdichte war jeweils im Meersalz am höchsten, gefolgt von Salz aus Seen und schließlich von Steinsalz. 

Die aktuelle Studie ist bereits die fünfte, die in den letzten Jahren zum Thema Tafelsalz verfasst wurde. Frühere Studien wurden von Forschern in Spanien, China und den USA sowie von einer Gruppe aus Frankreich, Großbritannien und Malaysia durchgeführt. 

Sherri Mason, eine Professorin der State University of New York in Fredonia, arbeitete mit Forschern der University of Minnesota an einer anderen Salzstudie. In einem Interview sagte sie, dass die aktuellen Ergebnisse „ein weiterer Teil des Puzzles“ seien, um die Auswirkungen von Mikroplastik zu beurteilen. 

„Die Tatsache, dass sie in Asien höhere Konzentrationen gefunden haben, ist interessant. Das ist zwar nicht überraschend, aber man braucht dafür trotzdem Daten“, sagt sie. „Frühere Studien hatten Spuren von Mikroplastik in Salz gefunden, das in diesen Ländern verkauft wurden. Aber wir wussten insgesamt nicht viel darüber.“ 

Die neue Studie zeigt ihr zufolge, „dass Mikroplastik allgegenwärtig ist. Man kann nicht mehr sagen, wenn man Salz in England kauft, ist man auf der sicheren Seite.“ 

Wie schädlich ist das Mikroplastik? 

Den Schätzungen der neuen Studie zufolge nimmt ein durchschnittlicher Erwachsener allein über Salz etwa 2.000 Mikroplastikteilchen pro Jahr auf. Was das nun bedeutet, ist unklar. 

Eine andere aktuelle Studie der britischen University of York wollte die Risiken von Mikroplastik für die Umwelt beurteilen, kam jedoch zu dem Schluss, dass aktuell zu wenig über diese Kunststoffteilchen bekannt ist, um auf eventuelle Gefahren zu schließen. 

Für diese Arbeit wurden 320 bereits publizierten Studien verglichen. Dabei zeigten sich „große Wissenslücken“ im wissenschaftlichen Verständnis für die Auswirkungen von Mikroplastik. Für die Studien wurden unterschiedliche Arten von Mikroplastik untersucht, darunter auch Mikroperlen, Fragmente und Fasern. Das sorgte für „Diskrepanzen“ in den Daten, die Vergleiche ungefähr so nützlich „wie einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen“ machen, sagte Alistair Boxall in einer Mitteilung. Der Geografieprofessor der University of York ist der Co-Autor der Vergleichsstudie. 

„Basierend auf unserer Analyse gibt es derzeit nur in begrenztem Maß Beweise dafür, dass Mikroplastik signifikante negative Auswirkungen haben kann“, sagte er. „Es bedarf dringend mehr ganzheitlicher und qualitativ hochwertigerer Monitoring-Studien sowie mehr Studien, die die tatsächlichen Auswirkungen der in der Umwelt vorhandenen Partikelgrößen und Materialarten untersuchen.“ 

Die umfassende Vergleichsstudie wurde von der Industrie-Handelsgruppe Personal Care Products Council finanziert und im Fachmagazin „Environmental Toxicology and Chemistry“ veröffentlicht. 

Boxall fügte noch hinzu, dass der Fokus auf Mikroplastik von noch größeren Umweltverschmutzungsproblemen ablenken könnte, beispielsweise von den zahlreichen kleinen Partikeln, die durch Reifenabrieb in die Umwelt gelangen. 

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

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