Reise und Abenteuer

Die Weiten von Boliviens Salzpfanne gehören zu den schönsten Anblicken der Erde

Die Salar de Uyuni in Bolivien kann eine einzigartige Erfahrung sein – oder ein logistischer Alptraum. Mit unseren Tipps wird die Reiseplanung zum Kinderspiel. Donnerstag, 9 November

Von Elizabeth Unger

Die Salar de Uyuni in Bolivien gilt als eine der extremsten und bemerkenswertesten Landschaften in ganz Südamerika, wenn nicht gar auf der ganzen Erde. Sie erstreckt sich über etwa 10.500 km² auf der Altiplano und ist die größte Salzpfanne der Welt. Sie ist das Überbleibsel eines prähistorischen Sees, der vor langer Zeit verdunstete. Eine dicke Salzkruste erstreckt sich bis zum Horizont und wird von polygonalen Mustern aus Salzrückständen überzogen, die sich einige Zentimeter über dem Boden erheben.

Wenn die nahegelegenen Seen zur Regenzeit über ihre Ufer treten, wird die Salzpfanne von einer dünnen Wasserschicht überschwemmt. Die so entstehende, spiegelnde Oberfläche erzeugt überwältigende Reflexionen des Himmels über ihr. Diese wunderschöne Landschaft, die wie eine andere Welt anmutet, ist auch eine lukrative Quelle für die Gewinnung von Salz und Lithium – jenes Element, mit dessen Hilfe Laptops, Smartphones und elektrische Autos mit Energie versorgt werden. Neben den einheimischen Arbeitern, die diese Mineralien abbauen, beheimatet die Landschaft auch das erste Salzhotel der Welt und zieht das ganze Jahr über Touristen an. Die raue Schönheit und Abgeschiedenheit der Salar de Uyuni kann eine unglaubliche Erfahrung sein – oder ein logistischer Alptraum. Darum haben wir einen kleinen Reiseführer zusammengestellt, um die salzige Landschaft zu navigieren.

ANREISE

Da sich die Salar de Uyuni zwar in Bolivien, aber auch nahe der Grenze zu Chile und Argentinien befindet, hängen Logistik und Länge der Anreise sehr vom Ausgangspunkt ab. Touren in die weiße Wüste starten hauptsächlich von drei Orten aus:

Uyuni, Bolivien: Der beliebteste Ausgangspunkt für Touren zu der Salzpfanne ist Uyuni – eine kleine, staubige Stadt, an deren Hauptplatz Plaza Arce sich zahlreise Reisebüros aneinanderdrängen. Reisende können ihre Touren im Voraus online buchen, über Reisebüros in La Paz oder einfach direkt nach ihrer Ankunft in Uyuni. Da das Städtchen so nahe an der Salzpfanne liegt, können Touristen dort problemlos Tagestouren buchen. Über die Airlines Amaszonas und BoA kann man Flüge von La Paz nach Uyuni buchen, die etwa eine Stunde dauern. Der Preis für Hin- und Rückflug liegt bei circa 118 Euro. Eine Alternative bieten die Busse, die von La Paz aus über Nacht fahren. Tickets für eine solche Reise mit Trans Omar und Todo Tourismo kosten zwischen 27 und 37 Euro pro Fahrt, die 10 bis 12 Stunden dauert.

San Pedro de Atacama, Chile: Reiseagenturen fahren Touristen bis zur Grenze, wo dann ein bolivianischer Reiseveranstalter übernimmt. Aufgrund der Entfernung handelt es sich um eine Drei-Tages-Tour.

Tupiza, Bolivien: Tupiza ist der beste Ausgangspunkt für Reisende, die von Argentinien aus kommen. Die Reiseveranstalter empfehlen Vier-Tages-Touren von Tupiza aus, wobei die Salar de Uyuni am letzten Tag besucht wird.

REISEZEIT

Die Salar de Uyuni hat zwei Jahreszeiten. In der Regenzeit (Dezember bis April) können Besucher den atemberaubenden Spiegeleffekt der überschwemmten Salzpfanne bestaunen. Besonders starke Regenfällen im Dezember und Januar können mitunter allerdings auch zum Ausfall von Touren führen. Während der Trockenzeit (Mai bis November) sind die Temperaturen kühler, der Boden ist härter und Reisende können über die strahlend weiße Landschaft bis zu Orten fahren, die man während der Regenzeit nicht aufsuchen kann. Die Hauptsaison der Reiseveranstalter geht von Juni bis August, was sich auch in den Preisen widerspiegeln kann.

DIE WAHL DER RICHTIGEN TOUR

Auch wenn die Salzpfanne zu den beliebtesten touristischen Zielen in Bolivien gehört, bildet sie nur einen kleinen Teil der Altiplano-Region. Viele Besucher gönnen sich eine Tour von drei oder mehr Tagen, um die Wüsten, Vulkane, Geysire, heißen Quellen und die Höhenseen im Süden zu bestaunen. Diese Ziele sind in den Touren von San Pedro de Atacama und Tupiza bereits inbegriffen.

Reisende können zwischen einer Gruppentour (preiswerter und standardisiert) oder einer privaten Tour (teurer und auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten) wählen. Die Gruppentouren werden üblicherweise von einem Spanisch sprechenden Reiseführer geleitet, der auch als Fahrer und Koch fungiert. Sie folgen einer festen Reiseroute und werden individuelle Wünsche wohl kaum berücksichtigen können. Private Touren können sich hingegen an Kundenwünschen orientieren, was Reisenden mehr Kontrolle über die Route gibt. So können sie auch jenseits der üblichen Touristenpfade Abstecher zu Vulkanen und Höhlen machen. Die privaten Touren bieten außerdem einen Englisch sprechenden Reiseführer, einen Koch und ein bequemeres Fahrzeug.

Am besten sieht man sich Online-Reviews und Reiseführer an, bevor man sich für einen seriösen Anbieter entscheidet. Firmen mit besonders niedrigen Preisen sollte man meiden – sie bieten womöglich keinen anerkannten Führer oder kein funktionierendes Fahrzeug, was Touristen in Gefahr bringen kann. Reisende sollten ihre Agentur auch fragen, ob sie ein Notfunkgerät und einen Erste-Hilfe-Kasten auf ihre Touren mitnehmen.

DIE BESTEN FOTOS

Eines der Highlights der Salar de Uyuni ist der endlose Horizont, der es Fotografen erlaubt, mit Perspektive und Tiefenschärfe zu spielen. So kann man zum Beispiel Kämpfe mit Spielzeugsauriern inszenieren, seine Freunde in Töpfen und Pfannen kochen oder aus scheinbar riesigen Erdnussbuttergläsern klettern. Der Schlüssel zu großartigen Bildern ist es, die Kamera nah am Boden und an der Requisite zu halten, die man benutzen möchte. Das erzeugt den Anschein, dass die Requisite größer als die Menschen ist, die weiter im Hintergrund stehen. Die Personen, die mit aufs Bild sollen, sollten aber nicht zu weit nach hinten gehen. Je größer die Distanz zwischen der Requisite und den Menschen, desto schwieriger ist es, alles im Fokus zu behalten. Wenn die Kamera es zulässt, sollte man die Blendenöffnung so klein wie möglich stellen.

ZU BEACHTEN

Auf einer Höhe von etwa 3.600 m über dem Meeresspiegel könnten Reisende an der Höhenkrankheit leiden, wenn sie sich nicht ausreichend akklimatisiert haben. Symptome können unter anderem Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sein. Am besten spricht man vor der Reise mit seinem Arzt über Möglichkeiten zur Behandlung und Vermeidung von Höhenkrankheit.

Für die Einreise nach Bolivien benötigt man ein Touristenvisum und eine Bescheinigung über eine Impfung gegen Gelbfieber.

Liz Unger ist ein National Geographic Young Explorer, eine Fotojournalistin und eine Filmemacherin aus New York. Man kann ihr auf Twitter und Instagram folgen und sich mehr von ihrer Arbeit auf ihrer Webseite ansehen.

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