Der Great Bear Rainforest

Kanadas riesiger Regenwald ist ein Paradies für Wildnisurlauber und AbenteurerDonnerstag, 9. November 2017

Der Kermodebär oder Geisterbär lebt fast ausschließlich im Great Bear Rainforest.
Der Kermodebär oder Geisterbär lebt fast ausschließlich im Great Bear Rainforest.
bild Paul Nicklen, National Geographic

Robert F. Kennedy Jr. bezeichnet den Great Bear Rainforest als „die größte Ausdehnung von gemäßigtem Küstenregenwald des Planeten“. Auf über 400 Kilometern Länge erstreckt sich die 85.000 Quadratkilometer umfassende Wildnis entlang der Küste von British Columbia. Manche bezeichnen das Gebiet auch als den Amazonas des Nordens. Die weite, durchnässte Landschaft wird von 1.000 Jahre alten Zedern, dunklen Gewässern und von Gletschern geschliffenen Fjorden geprägt. Wasserfälle entspringen hier und da moosbewachsenen Felswänden. Die abgelegene Weite beheimatet nicht nur Gemeinschaften der First Nations, sondern auch eine artenreiche Tierwelt: Wölfe, Grizzlybären, Maultierhirsche, Pumas, Schneeziegen, Orcas, Lachse, Seelöwen, Otter und Buckelwale bevölkern das Gebiet. Der berühmteste Einwohner ist aber vermutlich der seltene, cremefarbene Kermodebär oder Geisterbär, der den Tsimshian als heilig gilt. (Um einen solchen Bären zu sehen, ist viel Geduld nötig, noch viel mehr Glück sowie die Fährtenlese-Fähigkeit eines lokalen Führers.)

Reisezeit: Von Ende August bis Mitte Oktober zieht die Lachswanderung zahlreiche Tiere an die Flüsse. Dann ist die beste Zeit, um Grizzlys und Kermodebären zu beobachten. Forellen können das ganze Jahr über geangelt werden und verschiedene Arten der Pazifischen Lachse schwimmen von April bis Oktober durch die Flüsse.

Unterkunft: Die 1929 erbaute Tweedsmuir Lodge war ursprünglich als Jagdhütte angelegt. Mittlerweile gehören elf Hütten (die meisten sind auf eine zentrale Rasenfläche ausgerichtet) auf insgesamt etwa 25 Hektar dazu, die das Wildnisgebiet des Tweedsmuir Provincial Park bilden. Von Ende August bis Mitte September können Gäste auf dem angrenzenden Fluss Atnarko geführte Bootstouren mitmachen, bei denen Grizzlys beobachtet werden. Die King Pacific Lodge ist ein luxuriöses, schwimmendes Resort mit 17 Zimmern. Sie ankert im Barnard Harbour an der Küste des Prince Royal Island. Die Lodge ist von Juni bis September geöffnet und nur per Wasserflugzeug erreichbar. Im Preis sind der Transport, Gourmetmahlzeiten und geführte Touren enthalten. Die Spirit Bear Lodge in Klemtu wird von der lokalen First-Nation-Gemeinschaft der Kitasoo/Xai‘xais betrieben und befindet sich auch in deren Besitz. Die Lodge wurde im traditionellen Langhausstil der First Nations der Westküste erbaut. Sichert euch einen Platz für eine drei- bis siebentägigen Spirit Bear Lodge Tour, auf der ihr Bären beobachten und mehr über das kulturelle Erbe der Ureinwohner erfahren könnt.

Reisemöglichkeiten: Da viele Gegenden nur per Wasserflugzeug erreichbar sind, ist es am bequemsten, eine All-Inclusive-Tour zu buchen, in der Transport, Mahlzeiten und Unterkunft bereits enthalten sind. Pacific Coast Airlines bietet Direktflüge von Vancouver zu den Gemeinden Bella Bella, Bella Coola und Klemtu im Great Bear Rainforest an. Das Fährunternehmen BC Ferries bietet über seinen Service Discovery Coast Connector den ganzen Sommer über einen Fährservice zu vielen lokalen Gemeinden an. Eine andere Reisemöglichkeit zu Wasser sind die geführten Segelbootexkursionen von Maple Leaf Tours. Von Ende August bis Anfang September bietet der kanadische Paddleboarder Norm Hann in kleinen Gruppen Standup-Paddleboard-Expeditionen an.

Kulinarische Empfehlungen: Sportfischer können ihren Fang zur Zubereitung auf Dolly‘s Fish Market (einem Depot für St. Jean's Cannery & Smokehouse) in Prince Rupert abgeben. Im Anschluss gibt es Fish ‘n‘ Chips – in dünnem Teigmantel frittierter Heilbutt oder dampfend heiß servierter Lengdorsch mit hausgemachten Pommes frites und Caesar Salad. Dolly‘s ist ein richtiger Handelsplatz – der Restaurantbereich ist daher einfach gehalten, kompakt und im Sommer für gewöhnlich sehr voll. Am besten gönnt ihr euch ein kleines Frühstück und macht euch dann vor 11 Uhr für ein frühes Mittagessen auf zum Marktplatz. Ein Lokalfavorit, das Bella Coola Valley Restaurant, gehört zu einer Burgerkette in Bella Coola. Die eklektische Speisekarte bietet von Frühstück (Eierkuchen) bis Abendessen (Chow mein) alles Mögliche an. Am besten bleibt ihr aber bei den dicken, saftigen und großartig belegten Burgern. Kalen Morrow ist ein häufiger Gast und empfiehlt das Restaurant im Crest Hotel in Prince Rupert. Dort gibt es Heilbuttsteak und einen Panoramablick auf den Hafen . Ein weiterer Geheimtipp ist die neue Wheelhouse Brewing Company. Eine Empfehlung wert ist das Juniper Ale, sofern es gerade verfügbar ist.

Buchtipp: In „The Great Bear Rainforest: Canada‘s Forgotten Coast“ zeichnen über 150 Fotografien, Logbucheinträge und Karten der Naturschützer Ian und Karen McAllister deren Segelodyssee an der Westküste Kanadas nach.

Kaufempfehlungen: In der Petroglyph Gallery in Bella Coola können Masken, Paddel und Schmuck erworben werden, die von den Mitgliedern der Nuxalk Nation hergestellt wurden. Im Museum of Northern British Columbia in Prince Rupert können hingegen Körbe und Hüte erstanden werden, die von Künstlern der Tsimshian, Nisga‘a und Haida aus roten und gelben Zedern- und Fichtenwurzeln hergestellt wurden.

Hilfreiche Links: Great Bear Nature Tours, National Geographic-Karte

Schon gewusst? Ein großer Teil des Great Bear Rainforest – etwa 20.200 Quadratkilometer – wurde 2006 zur abholzungsfreien Zone erklärt.

 

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