Reise und Abenteuer

Road Trip: British Columbia, Kanada

Diese Tour hat ein bisschen von allem: erstklassige Museen, Fährfahrten über Meerengen und spektakuläre Landschaften.Thursday, November 9, 2017

Von Jeremy Schmidt

Von den Küstenstädten im Westen Kanadas bis zu den Gletschern der Coast Mountains bietet diese Tour jede Menge Abwechslung. Erstklassige Museen, Überquerungen von Meerengen und spektakuläre Landschaften überzeugen in Kombination mit Geschichte und den starken, eigenständigen Kulturen des Fernen Ostens, aller Teile Nordamerikas, Großbritanniens und der Stämme der Nordwestküste.

Überblick

Die Fünf- bis Sieben-Tages-Tour nimmt ihren Anfang in Vancouver. Von dort aus geht es per Fähre nach Victoria, dann die Küste von Vancouver Island entlang und zurück zum Festland für einen Aufenthalt an den Gletschern von Whistler. Im Anschluss kämpft ihr euch durch die raue Landschaft landeinwärts entlang einer Goldrausch-Route nach Kamloops, mitten ins Herz einer Landschaft, die für ihre großen Vieh-Ranches bekannt ist. Nach einem Abstecher an den gewaltigen Fraser Canyon geht es schließlich flussabwärts wieder zurück nach Vancouver.

Start in Vancouver

Vancouver ist eine Küstenstadt, die mit einer dramatischen Landschaft gesegnet ist. An der Küste schlagen die Wellen des Meeres auf, während ganz in der Nähe landeinwärts schneebedeckte Berge gen Himmel ragen. Zu den beliebten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören die Blumengärten im Queen Elizabeth Park, der Botanische Garten VanDunsen, das Vancouver Maritime Museum und das Museum of Anthropology mit seiner Sammlung von Kunst der First-Nation-Völker der Nordwestküste. Als das krönende Prachtstück der Stadt kann gut und gerne die grüne Halbinsel des Stanley Parks mit den gewundenen Straßen, den hohen Zedern und den zahlreichen Fußwegen bezeichnet werden. Im Park und im Vancouver Aquarium können problemlos mehrere Stunden verbracht werden.

Capilano Canyon

Auf dem Highway 99 geht es über die Lions Gate Bridge in den Norden Vancouvers und zum Capilano Canyon. Dort bringt einen der Grouse Mountain Skyride 914 Meter in die Höhe, damit der Ausblick auf die Stadt und den Meeresarm genossen werden kann. Wer lieber näher am Meeresspiegel bleiben möchte, folgt dem Marine Drive nach Westen zum Lighthouse Park. Der 1881 etablierte Park hat noch einen Restbestand an Primärwald aus Douglasien. Ein Wanderweg führt durch die uralten Zedern und Tannen, deren lange Schatten an Kathedralen erinnern, und bringt einen schließlich zu einem Leuchtturm an einer steinigen Küste.

Mit der Fähre nach Victoria

Dem Highway 99 folgt ihr im Anschluss nach Süden bis zum Tsawwassen-Fährhafen und bucht von dort aus eine Überfahrt nach Victoria. Wenn ihr die Straße von Georgia auf der seicht wogenden Fähre überquert, realisiert ihr auch, dass Vancouver trotz all des Wassers keine wirkliche Küstenstadt ist. Es wird von diversen kleinen Inseln geschützt, und natürlich auch von einer großen, nämlich Vancouver Island selbst. Nach einer Stunde Fahrt kommen einige schneebedeckte Gipfel in Sichtweite: die Olympic Mountains in Washington State. Die weiße Bergkuppe ganz im Osten ist Mount Baker, der sich ebenfalls in Washington befindet. Die Fähre legt dann an der Swartz Bay an. Von dort aus gelangt ihr über den Highway 17 nach Victoria am südöstlichen Zipfel von Vancouver Island.

Victoria

Das Herzstück der Stadt bildet der innere Hafen – ein herrlicher Ort, um den Nachmittag inmitten von Seemöwen, Künstlern und Musikern zu verbringen. Im Empress Hotel könnt ihr euch bei einer Tasse Tee entspannen und danach das Royal British Columbia Museum und das Maritime Museum of British Columbia erkunden. Auch für einen Ausflug aus der Stadt heraus solltet ihr euch etwas Zeit nehmen: Die Butchart Gardens haben prächtige Blumenbeete zu bieten.

Nanaimo

Von Victoria aus folgt ihr der Trans-Canada 1, die nach Norden zum Fährhafen in Nanaimo führt. Auf dem Weg dahin könnt ihr auch eine Zugfahrt machen und am B.C. Forest Discovery Center etwas über die Industrie erfahren, die noch immer als die größte der Provinz gilt. Im Newcastle Island Provincial Marine Park (per Passagierfähre) könnt ihr die Felsen und Buchten erkunden oder The Bastion besuchen, einen hölzernen Gewehrturm, der 1853 zum Schutz des Hafens gebaut wurde. Im Nanaimo District Museum könnt ihr etwas über die Kohlebergwerke lernen.

Weiter geht es zum Fähranleger für einen Gletscherexkurs, der euch am Ende wieder ans Festland bringt. An der Horseshoe Bay verlasst ihr die Fähre und folgt der Küstenstraße Richtung Norden, die am spektakulären Horseshoe Sound entlangverläuft – einem der bekanntesten Fjorde British Columbias. Die Gletscher, die diesen schmalen Kanal gegraben haben, glätteten auch das Gestein zu seinen beiden Seiten und legten in der Nähe von Britannia wertvolles Erz frei. Die hiesige Kupfermiene gab einst 60.000 Menschen Arbeit und produzierte über 50 Millionen Tonnen Beton. Mittlerweile befindet sich dort das B.C. Museum of Mining.

Shannon Falls Provincial Park

Fünf Kilometer weiter, am Shannon Falls Provincial Park, kann der kurze Weg zum dritthöchsten Wasserfall von British Columbia beschritten werden, der sich 335 Meter tief ergießt. Der Aussichtspunkt befindet sich zwischen hochgewachsenen Zedern und Tannen, die gewaltig scheinen, wenn da nicht die Baumstümpfe in der Gegend von noch größeren Riesen zeugen würden, die einst hier standen.

Whistler

Hinter Squamish tauchen plötzlich Kletterer wie kleine Spinnen auf dem Granitmonolithen namens Stawamus Chief auf. Von hier aus verläuft die Straße lange aufwärts zum Skiresort Whistler auf dem gleichnamigen Berg. Auch im Sommer seid ihr hier mit Restaurants, Golfplätzen, Kajakfahrten, Wanderungen und mehr bestens unterhalten. Der Sessellift zum Gipfel des Blackcomb Mountain trägt einen durch Wälder und Wiesen und schließlich auf einen Felsvorsprung, der 1,6 Kilometer über dem Tal aufragt. Zu seinen Füßen liegt der Horstman-Gletscher, auf dem es selbst an den wärmsten Tagen von Skifahrern wimmelt. In der Ferne erstrecken sich die Wildnis und die gletscherbesetzten Berggipfel des Garibaldi Provincial Park. Die verfügbaren Wanderwege führen sowohl in diese Richtung als auch den Berg hinunter.

Pemberton

Beim Verlassen von Whistler fällt der Highway inmitten malerischer Landschaft nach Pemberton hin ab. Ihr folgt der Route am Nairn Falls Provincial Park dorthin, wo das Gletscherwasser des Green River durch einen schmalen Canyon rauscht. Die Straße verweilt ein wenig in der relativen Offenheit des Pemberton Valley, bevor sie zum Duffey Pass hin steil ansteigt. Am Joffre Lakes Provincial Park kann eine Pause eingelegt werden, um fünf Minuten lang durch den kühlen Wald zu streifen und schließlich am Lower Joffre Lake anzukommen. Wenn ihr dem steilen Pfad weiter hinabfolgt, werdet ihr mit einem überwältigenden Ausblick auf den Matier-Gletscher und die umliegenden Gipfel belohnt. Dann geht es weiter und weiter hinab, die Straße entlang in das Flusstal des Fraser River.

Lillooet

Lillooet, das auf den flachen Uferseiten über dem Fluss errichtet wurde, war in den 1860ern die größte Stadt nördlich von San Francisco und westlich von Chicago. Fast 16.000 Goldgräber waren dort auf der Suche nach ihrem Glück. Für eine kurze Zeitspanne war Lillooet der Startpunkt der ursprünglichen Cariboo-Wagenstraße. Heute erinnert nur noch ein Steinhaufen auf der Main Street daran. Im Lillooet Museum und Besucherzentrum könnt ihr euch danach erkundigen, welche Wahrzeichen des Goldrauschs in der Nähe besucht werden können. Dazu zählen beispielsweise der „Galgenbaum“ auf dem Hügel über der Stadt und die „Chinesischen Steinhaufen“, die dort von chinesischen Minenarbeitern angehäuft wurden, damit sie kein zweites Mal aufbereitet wurden.

Thompson River Valley

Der Highway 99 überquert den gewaltigen Fluss Fraser und führt dann über grasbewachsene Hügel in das Thompson River Valley. Hier erstreckt sich der trockene Gürtel Kanadas, das ausgedörrte Inland, wo die sommerlichen Temperaturen auf über 38 °C ansteigen. Etwa elf Kilometer nördlich des Cache Creek befindet sich die Historic Hat Creek Ranch, die mit ihrer Lage an der Cariboo-Wagenstraße einst als Rasthaus und Versorgungspunkt diente. Steigt auf die restaurierte Postkutsche und lasst euch über das Gelände kutschieren, zu dem auch ein traditionelles Winterquartier der Shuswap-Ureinwohner und die originale Holzhütte gehören, die schließlich zu einem zweistöckigen, maroden Hotel ausgebaut wurde.

Kamloops

Weiter geht es nach Osten durch braune Hügel, Gelbkiefern und gelegentliche Kakteen bis nach Kamloops. Im Kamloops Museum und Archiv beschreiben die Exponate die ersten Tage der Stadt als Posten der Hudons‘ Bay Company und verfolgen die Stadtentwicklung durch den Goldrausch bis in die jüngere Vergangenheit hinein. Wer sich für die Kultur der First Nations interessiert, sollte im Nordosten der Stadt dem Secwepemc Museum und Native Heritage Park einen Besuch abstatten. Nachdem ihr euch drinnen die Artefakte angesehen habt, könnt ihr draußen die archäologische Stätte und das rekonstruierte Dorf erkunden. Wem der Sinn nach Hochland steht, der begibt sich am besten zu den Skilifts und den Bergwiesen voller Blumen am Sun Peaks Resort.

Grasimperium

Wird Kamloops über den Highway 5A verlassen, führt dieser einen über die sanften Hügel des Grasimperiums oder des Empire of Grass, wie die frühen Siedler das Gebiet nannten. Hier entstanden seit Beginn der 1870er große Viehbetriebe. Schaut auf einen Drink oder eine Mahlzeit im Quilchena Hotel von 1908 vorbei und erkundigt euch nach den Einschusslöchern in der Bar.

Coquihalla Canyon

Bei Merritt läuft der Highway 5A mit dem Coquihalla Highway zusammen. Die kürzeste Route von Vancouver ins Landesinnere ist der Coquihalla Canyon. 1914 wurde unter großen Mühen und hohen Kosten ein Tunnel für die Kettle-Valley-Eisenbahn durch den Canyon getrieben. Im Coquihalla Canyon Provincial Park kann heutzutage auf einem Weg über das nicht mehr genutzte Gleisbett entlanggelaufen werden, der einen durch vier Tunnel über dem Fluss führt. Wenn ihr Zeit habt, solltet ihr den Canyon hinauffahren – dort oben bietet eine Fußgängerbrücke direkt über den rauschenden Stromschnellen einen abenteuerlichen Ausblick. Etwas weiter flussabwärts könnt ihr ein Picknick im Alexandra Bridge Provincial Park genießen.

Harrison Hot Springs

Von dort aus geht es dann das Flusstal des Fraser zurück nach Vancouver. Bleibt ihr nordwestlich des Flusses, bringt einen der Highway 7 zur Hot Springs Road und zum Harrison Hot Springs Resort und Spa. Das Resort direkt an einem See hält Indoor- und Outdoor-Mineralquellen bereit, in deren dampfendem Wasser es sich an kalten Tagen perfekt entspannen lässt. Im Sommer sind die Waldseen des benachbarten Sasquatch Provincial Park eine kühle Alternative.

Langley

Nach der Überquerung des Fraser geht es auf der Trans-Canada 1 nach Langley und zur Fort Langley National Historic Site. Der ehemalige Umschlagpunkt für die Hudson‘s Bay Company ist nun ein Geschichtsmuseum zum Selbsterleben, welches die Bedingungen der 1850er nachgestellt hat.

New Westminster

Als letzten Halt vor Vancouver solltet ihr New Westminster in Betracht ziehen, die ehemalige Hauptstadt der Kronkolonie British Columbia. Am Hafen könnt ihr die S.S. Samson V erkunden, die zu einem Museum umgebaut wurde. Die S.S. Samson V ist der letzte verbliebene hölzerne Heckraddampfer Kanadas, der von 1937 bis 1980 zur Schiffbarkeit der Wasserwege beitrug, indem er unter anderem Hindernisse aus dem Wasser zog. Als das Schiff außer Dienst gestellt wurde, war es noch voll betriebsfähig.

Reisezeit:

Die ideale Zeit für diese 885 Kilometer lange Route ist von Mai bis September.

Reiseinformationen über British Columbia und die Sehenswürdigkeiten erhaltet ihr im Vancouver Besucherzentrum (200 Burrard St.).) sowie im Victoria Besucherzentrum (812 Wharf St.).).

 

Text von Jeremy Schmidt.

 

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