Reise und Abenteuer

Ontario begeistert mit Erlebnissen in Stadt und Natur

Weil’s doppelt schöner ist Donnerstag, 9 November

Von Birgit-Cathrin Duval

Kanada macht es einem wirklich nicht leicht. Das zweitgrößte Land der Erde lockt mit atemberaubender Natur und faszinierenden Metropolen. Für was soll man sich da entscheiden? Klare Sache, für beides! Zum Auftakt ein aufregender Städtetrip in die Megacity Toronto, anschließend führt ein abenteuerlicher Flug mit dem Wasserflugzeug in die abgeschiedene Natur des Wabakimi Provinzparks. Eine Reise nach Ontario verbindet das Beste aus beiden Welten.

Nach Toronto ist es ein Katzensprung. Von Frankfurt aus dauert der Flug gerade mal acht Stunden bis der Flieger in Kanadas größter und aufregendster Stadt landet. Der beste Tipp gegen Jetlag? Frühmorgens um 7 Uhr in den Rooftop-Pool des Thompson Hotels springen. Beim Kraulen in die Sonne blinzeln und dabei zuschauen, wie sie mit ihren Strahlen die futuristische Skyline Torontos mit ihrem Wahrzeichen, dem CN Tower, in schier außerirdisches Licht taucht. Jetzt fehlt nur noch – genau, der Kaffee! Den gibt’s bei Jimmys in King West. Die Bude ist rappelvoll, doch das Schlangestehen lohnt! Gut gelaunte Barista zaubern wunderbaren Espresso, Cold Brew und Cappucino.

Toronto ist wie ein Mosaik: roh, bunt, kantig und einzigartig

Um Toronto auf einen Blick einzufangen braucht es genau 58 Sekunden. Wie eine Rakete saust der Expresslift zur Aussichtsplattform des CN Tower. Aus der Vogelperspektive in 346 Metern Höhe auf 2,8 Millionen Einwohner gucken, die aus 150 Nationen stammen und in 140 Stadtbezirken leben, ist ziemlich beeindruckend. Die Panoramafenster zeigen unendliche Straßenschluchten, aus denen gigantische gläserne Türme himmelwärts streben. Dazwischen wuseln Menschen, Autos und Busse, die von hier oben betrachtet wie winzige Käfer aussehen.

Wer wissen will, wie die Stadt tickt und was sie so multi-kulti macht, mischt sich unter die Torontonians und erkundet die Stadt zu Fuß. Toronto ist riesig, aber keinesfalls anonym. Die Stadt gleicht einem Mosaik. Jedes Steinchen, roh, bunt, kantig und einzigartig fügt sich harmonisch ins Ganze. Die einzelnen Viertel sind in sich genommen kleine Dörfer: Charmant, überschaubar, skurril und wahnsinnig sympathisch.

Torontos West Queen West – wild und schrill

Ein Spaziergang durch die Westside zeigt das ganze Panoptikum Torontos. In den Straßen und Gassen reihen sich in die Jahre gekommene viktorianische Häuser mit wild wuchernden Vorgärten neben noblen Lounges, Hinterhöfen mit Patios, Clubs und Bars und fantasievoll eingerichtete Shops und Designerstudios. Die Atmosphäre ist elektrisierend. Queen Street West, Ossington Village, Liberty Village, Little Portugal und das legendäre West Queen West – hier schlägt Torontos Lebensader. Wild und schrill und ohne elitäres Gehabe. Jeder ist willkommen und es gibt für jeden etwas zum Entdecken.

Für Nachtschwärmer: In der Rooftop Bar des „OneEighty“ auf dem Terrassendeck des 51. Stockwerks einen „Rosemary Bramble“ schlürfen und dabei zusehen, wie sich die Stadt in ein funkelndes Lichtermeer verwandelt.

Für Kunstliebhaber: Ein Besuch in der Art Gallery of Ontario, einem der wichtigsten Kunstmuseen Nordamerikas mit der eindrucksvollen, von Frank Gehry gestalteten Architektur.

Für Genießer: Torontos Küche zählt zur vielfältigsten und besten weltweit. Der internationale Einfluss zeigt sich in den kreativen Menüs der experimentierfreudigen Küchenchefs. Im „Frings“ wird zum gebratenen Tintenfisch warmer Kartoffelsalat serviert. Erfreulich ist die Anzahl an veganen Restaurants. Der Burger mit Trüffel-Pommes im „Planta“ schmeckt nicht nur Vegetariern.

Von der Stadt der Schweine zur Megacity

Für Geschichtsinteressierte: Bei der Führung durch den historischen Distillery District kommen allerhand Kuriositäten ans Licht. Toronto trug früher den wenig schmeichelhaften Beinamen „Stadt der Schweine“. Die Waterfront, wo heute edle Lofts das Stadtbild prägen, war 1860 ein riesiger Schweinestall mit kommerziellem Schlachthaus. Dem Erfolg von William Davies Exportschlachterei verdankt Toronto übrigens sein Spezialgericht. Das gepökelte Fleisch wurde mit gelben Erbsen für den Transport konserviert. So entstand das „Peameal Bacon Sandwich“.

Wer das „Peameal Bacon Sandwich“ und weitere Köstlichkeiten aus erster Hand probieren möchte, ist bei der kulinarischen Tour durch den St. Lawrence Market mit „Culinary Adventure Co.“ an der richtigen Adresse. Unbedingt mit leerem Magen zur Führung kommen!

Zwei Tage Toronto und aus eingefleischten Outdoor-Fans sind urbane Entdecker geworden, die sich darüber einig sind, dass der nächste Trip in die Wildnis dort beginnt, wo er heute endet. Toronto, wir kommen wieder!

Das Flüstern der Stille

Wabakimi – mythische Welt aus Wald und Wasser

Ein letztes Mal spiegelt sich das helle Orange des Wasserflugzeugs im tiefblauen See. Dann hebt die „Otter“ ab und ist kurz darauf hinter den Wäldern verschwunden. Das Brummen des Motors wird leiser, bis es schließlich ganz verstummt. Die Wellen auf dem See verebben. Es ist still. Unfassbar still. Als hätte der See sämtliche Geräusche unter seine spiegelglatte Oberfläche gesogen. Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, an dem es ganz still ist, dann befindet er sich hier: In Wabakimi, einer mythischen Welt aus Wald und Wasser, von archaischen Kräften geformt und von wundersamen Mächten durchdrungen.

Alleine in der Natur

Ein Tag und eine Nacht auf dem Outpost Dawn Lake, in einer einsam gelegenen Hütte verbringen, die nächste Lodge, Strikers Point, liegt 25 Minuten Flugzeit entfernt. Alleine in der Natur. Das Rauschen hört auf. Toronto, der Alltag. Weit fort.

Das sanfte Rot des Abendhimmels weicht dem Dämmerdunkel der Nacht. Der See reflektiert das goldene Licht des Vollmonds. Und dann beginnt die Stille zu flüstern. Wie eine Melodie, die erst dann hörbar ist, wenn das Grundrauschen verstummt. Mit ihr verschwindet die Unsicherheit über die ungewohnte Umgebung. Erstaunlich, wie wohltuend Natur sein kann.

Mitten in der Nacht raschelt es. War das ein Bär? Oder ein Elch? Vermutlich nur ein Eichhörnchen, das flink unter dem Fenster entlang huschte.

Als sich am nächsten Morgen die Nebelschwaden lichten, flirrt das Licht so übernatürlich über den See, als käme es direkt aus der Ewigkeit. Die Kräfte dieses magischen Ortes sind umso intensiver zu spüren, wenn das Paddel ins Wasser taucht und das Kanu lautlos über den See gleitet. Der Atem geht tiefer, die Gedanken sind klarer. Zeitlos über das Wasser treiben, im Hier und Jetzt. Die Stille genießen und ihrer wundersamen Melodie lauschen. Bis abends das Brummen der „Otter“ ertönt, um die Abenteurer abzuholen und sie weiter nördlich zur Miminiska Lodge fliegt.

Unterwegs im Land des weißen Wassers

Jerry Baxter kennt die geheimnisvollen Kräfte Wabakimis. Über 250.000 Seen und mehr als 90.000 Kilometer an Flüssen gibt es in dieser unberührten Wildnis im nordwestlichen Ontario. Hier ist er aufgewachsen, es ist das Land seiner Vorväter. Wenn Besucher der Miminiska Lodge, in der er gemeinsam mit Evelyn Mesengeeshik und Themius Nate als kultureller Botschafter zuständig ist, sich diesem Einklang von Natur, Geist und Seele bewusst werden, dann ist „dahinziehende Wolke“, wie Jerrys spiritueller Name lautet, glücklich.

Für die Neuankömmlinge, die von der „Otter“ eingeflogen wurden, hält er eine traditionelle Willkommenszeremonie ab. Er holt einen Wolfs- und Bärenschädel aus der Tasche, entzündet auf einer Muschel Süßgras, Salbei, Zeder und Tabak und reicht die rauchenden Kräuter reihum. Der Rauch wird mit den Händen über Kopf und Gesicht gestrichen. Dabei wird ein stilles Dankgebet gesprochen. Dann reicht er seine Pfeife in die Runde. „Achtet dabei auf eure Gedanken“, mahnt Jerry. Andächtig berühren die Anwesenden mit dem langen hölzernen Stil ihre Schultern. Anzünden und Rauchen darf sie nur Jerry. So will es die Tradition. Dann holt er seine Trommel hervor und schlägt auf das Fell während er den „Grandmother Song“ singt.

Wabakimi stammt aus der Sprache der Ojibway First Nations und bedeutet „Weißes Wasser“. Damit sind die Wildwasserströmungen der unzähligen Flüsse gemeint, die den Park durchfließen. Das Land besitzt seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung für die dort lebenden First Nations Stämme. In den Wäldern liegen uralte Pfade und Portagen, Felspiktogramme und Grabstätten verborgen. Orte, an denen Geister wohnen, sagt Jerry. Gute wie auch böse.

In den Wabakimi Provincial Park kommen jährlich nur rund 700 Besucher. Wilderness North unterhält im und außerhalb des Parks Lodges und Outposts, die mit nur dem Wasserflugzeug zugänglich sind. Viele Gäste sind wegen des Angelns hier. Hechte von gigantischer Größe und schmackhafte Zander – selbst Anfänger haben Glück und bekommen abends ihren selbst gefangenen Zander frisch zubereitet serviert. Miminiska ist der ideale Ort zum Abschalten. Gäste wohnen in großzügig und luxuriös ausgestatteten Hütten. Kanutouren, Wanderungen, Stand-Up-Paddling und sogar eine Sauna direkt am See bieten ideale Möglichkeiten zum Erholen und Abschalten.Doch Wabakimi ist viel mehr als ein ausgezeichnetes Gewässer zum Fischen. Das begreift man, wenn man mit Jerry, Evelyn und Themius  unterwegs ist, ihren Geschichten zuhört, ihre kulturellen Wurzeln kennenlernt, ihren Respekt der Natur gegenüber erlebt und ihre Einladung dankbar annimmt: das Land ihrer Vorväter kennen- und lieben zu lernen.

Infos

Flug ab Frankfurt nach Toronto weiter bis Thunder Bay. Von dort geht es per Wasserflugzeug von der Wilderness North Base in Thunder Bay bis zur Miminiska Lodge oder zu den Outposts.

Wilderness North bietet verschiedene Erlebnisse, z.B. „Quintessential Canada“ mit 4 Nächten/5 Tagen inkl. Flug mit dem Wasserflugzeug ab Thunder Bay, Vollpension, Ausflüge und Erkunden mit First Nations Guides, Angeln, Kajak und Kanutouren „With the Current“: 10-tägige geführte Paddeltour durch die Wildnis des Wabakimi Provinzparks bis zur Striker Point Lodge.

Allgemeine Informationen zu Ontario auf der Webseite von Tourismus Ontario.

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