Reise und Abenteuer

Wie eine Kamera auf einer Hallig für Wirbel in den sozialen Medien sorgt

Die Bewohner von Süderoog haben einen englischen Jungen gesucht, der von sich ein Strandvideo gedreht hat. Mit Erfolg. Mittwoch, 6 Dezember

Von Kathrin Fromm

Ein Junge in Nahaufnahme mit einem Eimer am Strand, im Hintergrund eine Steilküste. Ein Mann kommt dazu, dann gehen die beiden weg. Irgendwann ist nur noch Wasser zu sehen. Diese Bilder haben Nele Wree und Holger Spreer auf einer wasserdicht verpackten Kamera entdeckt, die bei ihnen auf Süderoog angespült wurde. Um den Jungen zu suchen, posten die Hallig-Bewohner Ende November ein elfminütiges Video auf ihrer Facebook-Seite – und landen einen kleinen Internethit. Hier erzählt Nele Wree, was seitdem passiert ist.

Hat sich der Junge von der Kamera schon bei Ihnen gemeldet?
Ja, beziehungsweise sein Vater. Auch die englischen Medien haben viel über die Geschichte berichtet. Trotzdem hat es fast zwei Wochen gedauert, bis er davon erfahren hat. Jetzt sind wir in Kontakt. Vielleicht kommt die Familie sogar her, um die Kamera abzuholen.

Ihr Post war ja ein voller Erfolg. Mehr als 200.000 Menschen haben sich das Video angeschaut. Haben Sie mit so viel Reaktion gerechnet?
Nein, gar nicht. Wir waren natürlich interessiert daran, dass die Leute das teilen. Aber wir dachten, dass das eher privat bleibt. So viel Medienrummel haben wir nicht erwartet. In allen möglichen Ländern wurde darüber berichtet, sogar in Australien.

Und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat geholfen, die Route zu berechnen.
Ja, aber das kam nicht durch die sozialen Medien. Mein Mann Holger kennt einen Mitarbeiter der Seenotretter auf Sylt und hat ihn angeschrieben. Die haben dann einmal ihre Software über die vorhandenen Daten laufen lassen und konnten so die Route bestätigen. Unsere Facebook-Community hat den Strand schon vorher richtig identifiziert.

Ist es denn normal, dass Sie solche Fundstücke machen?
Wir finden hier viel, gerade zur Sturmsaison, aber das meiste ist nur Plastikmüll. Es ist echt schockierend, wie viel da angeschwemmt wird! Wir laufen die Kante regelmäßig ab. Eine Kamera hatten wir davor noch nie, aber eine Flaschenpost ist ab und zu dabei. 

Ein Porträt der Hallig-Bewohner ist in der Ausgabe 11/2017 des National Geographic Magazins erschienen. Jetzt bestellen!

Wei­ter­le­sen