Tiere

Per Anhalter durch die Sümpfe: Frösche reiten auf Wasserbüffeln

Ein Wissenschaftler auf Vogelbeobachtungstour stolperte in der Türkei über dieses ungewöhnliche Phänomen.Thursday, November 9, 2017

Von Mary Bates
Seefrösche klettern auf dem zotteligen Fell eines Wasserbüffels in der Türkei umher.

In der Türkei hat man Wasserbüffel entdeckt, die ungewöhnliche Passagiere transportieren: kleine Frösche.

Im Herbst lassen die Bauern entlang der Küste des Schwarzen Meers ihre domestizierten Wasserbüffel freilaufen, damit sie sich in den Sümpfen suhlen können. Dort hüpfen dann zahlreiche Seefrösche auf die Tiere, wie eine neue Studie berichtet.

Es gibt einige Vogelarten, die auf großen Säugern wie Rindern, Nashörnern und Zebras nach Nahrung suchen. Es ist allerdings das erste Mal, dass Wissenschaftler eine solche Beziehung zwischen Amphibien und großen Säugetieren beschreiben.

„Die erste Beobachtung war ein Zufall, wie das bei der ökologischen Forschung oft der Fall ist“, sagt der Studienleiter Piotr Zduniak. Er sah das Phänomen während einer Vogelbeobachtung im Kizilirmak-Delta, einem der größten Feuchtgebiete des Mittleren Ostens.

Zduniak, ein Ökologe der Adam Mickiewicz Universität in Polen, und seine Kollegen kehrten im nächsten Herbst in den Norden der Türkei zurück und beobachteten zehn weitere Vorfälle, bei denen Seefrösche auf den Rücken und Kopf von Wasserbüffeln kletterten.

Auf einem Wasserbüffel fanden sich ganze 27 Frösche. Die durchschnittliche Zahl von Amphibien pro Huftier betrug aber eher zwischen zwei und fünf, wie die Studie in der Fachzeitschrift „Acta Herpetologica“ berichtet.

WARME KÖRPER

Warum kletterten die Frösche überhaupt auf die Büffel? Es gibt einen konkreten Hinweis: Die meisten der Frösche fraßen Insekten, die im zotteligen Fell der Büffel leben, ähnlich also wie Vögel, die sich auf großen Säugern eine Mahlzeit suchen.

Die Frösche fressen Fliegen und andere Insekten, die sich auf den Büffeln tummeln.

Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, dass die Frösche im Herbst auf die Büffel hüpften, wenn es zahlreiche Konkurrenten gibt und der Kampf um die Nahrung tobt.

Neben der kostenlosen Mahlzeit, sagt Zduniak, „sind die warmblütigen Säugetiere wie Heizungen für die kaltblütigen Amphibien, was wichtig sein könnte, wenn die Temperaturen niedrig sind.“

Aber nicht nur das: Die Büffel könnten von ihren Froschfreunden auch profitieren, wenn diese Fliegen und Parasiten entfernen, die Krankheiten übertragen oder einfach nur lästig sind. 

Wenn das wahr ist, könnte die Beziehung eine mutualistische Symbiose darstellen, so Zduniak – also ein wechselseitiges Verhalten zwischen zwei Arten, das für beide Parteien vorteilhaft ist.

VORTEILHAFTE FREUNDSCHAFT

Mutualismus zwischen Wirbeltieren ist selten, wie Judith Bronstein bemerkt, eine Ökologin an der Universität von Arizona.

„Die am besten erforschten Fälle von Mutualismus zwischen zwei Wirbeltieren sind solche, bei denen eine Art Parasiten von der anderen entfernt, wie bei Putzerfischen und ihren Wirtsfischen“, erklärt Bronstein. Sie war an der Studie zu Wasserbüffeln und Fröschen nicht beteiligt.

Andere Beispiele dafür sind Arten, die zusammenarbeiten, um nach Raubtieren Ausschau zu halten. Darunter fallen beispielsweise Vögel, die zusammen mit anderen Vögeln gemischte Schwärme bilden.

Damit die merkwürdige Beziehung zwischen den Büffeln und den Fröschen jedoch als mutualistisch gelten kann, sind mehr Beweise nötig, die einen messbaren Vorteil für beide Partner zeigen, warnt Bronstein.

„Das endgültige Urteil über die Natur dieser Interaktion steht noch aus“, sagt sie, „aber wenn ich mein Geld verwetten müsste, würde ich sagen, dass sie nicht mutualistisch ist.“

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