Tiere

Tod eines Elefantentrainers verdeutlicht Haltungsproblematik in Thailand

Der berühmte Elefantenbulle befand sich in der Musth, einer hormonellen Phase erhöhter Aggression. Es ist der jüngste in einer langen Reihe tödlicher Vorfälle. Freitag, 15 Dezember

Von Austa Somvichian-Clausen

Ein Vorfall, in dem ein Asiatischer Elefant namens Ekasit verwickelt war, endete mit dem Tod seines Besitzers, Somsak Riengngen.

Der Elefant wurden in der Stadt Chiang Mai im Norden Thailands von Riengngen losgebunden, während ein Trainer (auch Mahout genannt) auf seinem Rücken saß. Plötzlich drehte sich Ekasit um, griff seinen Besitzer mit seinem Rüssel an und tötete ihn im Zuge eines fünf Minuten währenden Angriffs.

Ekasit ist ein Elefantenbulle und befand sich in der Musth – einem Zustand gesteigerter Aggressivität, die durch einen Hormonschub ausgelöst wird. Männliche Elefanten in der Musth haben einen Testosteronspiegel, der sechsmal so hoch wie normalerweise ist.

„Mit Elefanten in der Musth zu arbeiten, ist extrem gefährlich“, sagt Joshua Plotnik, der Asiatische Elefanten studiert und am Hunter College in New York Unterricht im Studienprogramm für Tierverhalten und Artenschutz gibt. „Bullen können unvorhersehbar reagieren, egal, wie zahm sie sonst sind.“

Laut den Zooangestellten war Ekasit in mehreren thailändischen und ausländischen Filmen sowie in mehreren TV-Werbespots zu sehen. Seinen berühmtesten Auftritt hatte er vermutlich in dem thailändischen Martial-Arts-Film „Ong Bak“. Plotnik fügte noch hinzu, dass er es bisher noch nicht erlebt hat, dass Elefanten für solche Tragödien bestraft würden.

Elefanten zu vermieten

Der Vorfall verschaffte dem boomenden und kontroversen Elefantentourismus in Thailand allerdings wieder neue Aufmerksamkeit. Elefanten treten dort oft in Zirkussen auf, malen, tragen Touristen durch den Dschungel oder sorgen für andere Arten des Entertainments. (Lesenswert: Die einsamsten Elefanten der Welt)

Gewalttätige Auseinandersetzungen von Elefanten in Gefangenschaft und Mahouts sind in Thailand keine Seltenheit – laut der Zeitschrift „The Atlantic“ gab es allein im vergangenen März mindestens vier Todesfälle. Laut dem Bericht sei es aber schwer, genaue Zahlen zu bekommen, da viele Vorfälle gar nicht gemeldet würden.

Mit den 3.000 bis 4.000 Elefanten, der in dem Land derzeit in Gefangenschaft leben, könnten die Zahlen betrüblich hoch sein. Laut einem Bericht von World Animal Protection gibt es in der thailändischen Tourismusindustrie doppelt so viele Elefanten wie im ganzen Rest Asiens zusammen. Viele von ihnen werden unter grausamen Bedingungen gehalten.

„Alle Elefanten sollten wildlebend sein; keiner sollte in Gefangenschaft leben“, so Plotnik. „Aber das ist idealistisch. Leider ist das nicht möglich, bedenkt man den Mangel wildem Lebensraum für Elefanten, die große Zahl der Tiere, die noch in Gefangenschaft leben, und ihre Bedeutung für die Wirtschaft, Kulturen und Traditionen Thailands.“

Suche nach Lösungen

Die Lösung, so glaubt Plotnik, liegt in der interkulturellen Zusammenarbeit, durch die das Wohlergehen der Elefanten in Gefangenschaft sowie die Artenschutzbestimmungen für die wilden Exemplare verbessert werden sollen. Durch Maßnahmen von der Regierungsebene bis hin zu denen gemeinnütziger Organisationen können die Standards für die Elefantenhaltung in ganz Südostasien verbessert werden, sagt er.

Laut World Animal Protection hat sich der Tourismus in Thailand zwischen 2010 und 2016 von 15,9 Millionen Besucher auf 32,6 Millionen verdoppelt. Parallel zu diesem Wachstum fand ein Zuwachs von Elefanten in Gefangenschaft um 30 Prozent statt – hauptsächlich, um den Wünschen der Touristen nachzukommen, die nach Erlebnisse mit Tieren suchen. Allerdings hat die WAP im Vergleich zum Stand von vor drei Jahren einen neunprozentigen Rückgang der Anzahl der Leute festgestellt, die Elefantenreiten für vertretbar halten.

Laut der Gruppe nehmen die meisten Touristen an Elefantenerlebnissen teil, weil sie wilde Tiere lieben. Viele sind sich der Brutalität womöglich gar nicht bewusst, die hinter den Kulissen stattfindet – sowohl von Seiten der Mahouts als auch der Elefanten. Die Trainer sind oft unterbezahlt, überarbeitet und gefährlichen Situationen ausgesetzt.

„Respekt für die Traditionen und Kultur der Thailänder bedeutet, dass wir gemeinsam auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Veterinärmedizin zusammenarbeiten müssen, um uns besser um die Elefanten zu kümmern. So können wir das Wohlergehen von jenen Elefanten steigern, die mit Menschen zusammenleben“, sagt er.

Austa Somvichian-Clausen auf Twitter und Instagram folgen.

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