Neue Haiart in Tiefsee entdeckt

Die Entdeckung des Sechskiemerhais könnte bei der Umsetzung künftiger Schutzmaßnahmen helfen.

Veröffentlicht am 28. Feb. 2018, 12:14 MEZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
Wissenschaftler haben eine zuvor bekannte Art von Sechskiemerhaien nun in zwei Arten unterteilt.
Wissenschaftler haben eine zuvor bekannte Art von Sechskiemerhaien nun in zwei Arten unterteilt.
Bild Paul Nicklen, National Geographic Creative

Haie sind insgesamt eine kaum erforschte und daher noch recht geheimnisvolle Gruppe von Tieren. Viele Menschen hätten wohl eher Angst davor, den Fischen zu nahe zu kommen. Forscher hingegen bedauern, dass diese Meeresbewohner für sie oft unerreichbar sind, da sie mitunter in großer Tiefe hunderte Meter unter der Wasseroberfläche leben.

„Das ist eine sehr geheimnisvolle Population“, sagt Blake Chapman, eine Meeresbiologin und Haiexpertin an der australischen Universität von Queensland. „Man weiß bisher nur sehr wenig über diese Haie.“

Trotz dieser Hindernisse gibt es aber immer wieder neue Erkenntnisse im Bereich der Haiforschung.

Vor Kurzem bestätigten Wissenschaftler vom Florida Institute of Technology die Entdeckung einer neuen Art von Sechskiemerhaien (Hexanchus). Die neue Art Hexanchus vitulus wohnt in den Tiefen des Atlantiks und in Teilen des Pazifiks und des Indischen Ozeans. Seine Vorfahren lebten vor über 250 Millionen Jahren – schon etwa 20 Millionen Jahre vor der Zeit der Dinosaurier. 

MOLEKULARES MYSTERIUM

Die Biologieprofessorin Toby Daly-Engel vom Florida Tech wurde auf die neue Art aufmerksam, als sie an der Universität von Hawaii Stumpfnasen-Sechskiemerhaie markierte. Bei der Analyse von DNA-Proben entdeckte sie, dass einige der Proben, die an das Labor geschickt wurden, nicht zu den Proben derselben Art passten, die sie schon hatte.

„Wir haben erwartet, dass wir vielleicht ein paar der kleineren Arten finden würden, und dann hatten wir da plötzlich eine völlig andere“, sagt Daly-Engel. „Wir sind quasi einfach über diese völlig fremde DNA-Sequenz gestolpert, die sich von allem unterschied, das wir bisher gesehen hatten.“

Also beschloss Daly-Engel, sich mit ihren Kollegen im Rest der Welt zusammenzutun, um die Hai-DNA zu untersuchen. Ein internationales Team analysierte in Zusammenarbeit mit MarAlliance in Belize, dem National Marine Fisheries Service der USA und Organisationen aus Florida insgesamt 1.310 Basenpaare aus Genen mitochondrialer DNA, um herauszufinden, ob es ausreichend molekulare Unterschiede zwischen den Proben gab. Aufgrund ihrer Resultate konnten sie die neue Art Hexanchus vitulus bestimmen, die vorher einfach als atlantische Form des Großaugen-Sechskiemerhais Hexanchus nakamurai galt. 

Sechskiemerhaie leben in Tiefsee und sehen ihren grauen Verwandten in flacheren Wassern recht ähnlich. Sie können bis zu acht Meter lang werden, haben im Unterkiefer Zähne mit Sägekanten und – wie ihr Name schon verrät – sechs Kiemen. Für gewöhnlich besitzen Haie nur fünf pro Seite. 

Bisher waren nur zwei Arten von Sechskiemerhaien bekannt: der Stumpfnasen-Sechskiemerhai und der Großaugen-Sechskiemerhai. Sechskiemerhaie sehen sich generell recht ähnlich und die neue Art weist große Ähnlichkeit mit dem Großaugen-Sechskiemerhai auf. Die Forscher stellten allerdings Unterschiede auf der molekularen Ebene fest. Zudem ist die neue Art mit ihren 1,80 Metern deutlich kleiner als ihre indopazifischen Verwandten, die mehr als sechs Meter lang werden können.

ZUKUNFT MIT GEFAHREN

Der emeritierte Direktor für Floridas Haiforschungsprogramm George Burgess war nicht überrascht von der Entdeckung, die Daly-Engels Team gemacht hat. Haie haben Hunderttausende von Jahren überlebt, indem sie sich an ihre Umgebung angepasst haben. Die Bedingungen in den Tiefen des Meeres ändern sich nur selten, und die kalten, dunklen Wasserschichten weiter unten sind kaum vom Klimawandel betroffen. 

„Die beiden Arten sehen sich sehr ähnlich“, sagt Burgess. „Aber wenn wir anhand der DNA einen genaueren Blick auf sie werfen, sehen wir, dass es eine neue Art ist.“

48 Prozent aller Knorpelfischarten leben in der Tiefsee. Nicht mal fünf Prozent davon wurden bisher von Wissenschaftlern erforscht. Da ständig neue Arten entdeckt werden, ist es auch nicht überraschend, dass einige davon im Meer entdeckt werden.

„Wir wissen einfach so wenig über sie, daher hilft uns diese neue Haiart dabei, die Evolution der Haie im Ganzen besser zu verstehen“, so Chapman. „Wenn wir mehr über diese Tiere erfahren, eröffnet uns das ein paar spannende Möglichkeiten.“

Die Entdeckung liefert neue Einblicke in die Artenvielfalt der Haie, besonders jene in der Tiefsee, und könnte auch bei künftigen Schutzmaßnahmen helfen. Burgess zufolge leben Tiere in der Tiefsee länger, was aber auch zu langsameren Wachstumsraten ihrer Bestände führt, da sie sich nur langsam vermehren. Das macht sie besonders empfindlich gegenüber Fischerei und Veränderungen ihrer Umweltbedingungen.

Kommerzielle Fischereiunternehmen, die bereits Meeresökosysteme in flacheren Gewässern bedrohen, erschließen zunehmend auch tiefere Wasserschichten. Das erzeugt eine Bedrohung für jene Lebewesen, die nur in diesen dunklen und kalten Wassern leben können. Gerade auf diese Arten könnte sich Überfischung besonders fatal auswirken, da sie sich nicht so schnell vermehren können.

„Wir müssen bei der Fischerei in der Tiefsee besonders vorsichtig vorgehen“, sagt Burgess.

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