Parkplatzfund: Neues Bärtierchen in Japan entdeckt

Die neu entdeckte Art könnte Hinweise darauf geben, wie sich die Bärtierchen im Laufe der Zeit entwickelt und verändert haben.

Veröffentlicht am 2. März 2018, 16:48 MEZ
Bärtierchenart
In Japan wurde eine neue Bärtierchenart gefunden und Macrobiotus shonaicus getauft.
Bild Daniel Stec, Kazuharu Arakawa, Łukasz Michalczyk

Bärtierchen sind mikroskopisch kleine und äußerst widerstandsfähige Organismen, die mit ein bisschen Glück sogar das Ende der Sonne überleben könnten – und jetzt kennen wir eine neue Art.

Kazuharu Arakawa, ein Forscher der Keiō-Universität in Japan, sammelte zufällig ein Exemplar ein, als er auf dem Parkplatz vor seinem Wohngebäude in Tsuruoka Proben nahm. Er hob einen Moosklumpen auf, der auf dem Beton wuchs, und nahm ihn zur Analyse mit ins Labor. Dort fand er das winzige Tierchen und untersuchte zusammen mit seinen polnischen Kollegen dessen DNA. Die Art, die Macrobiotus shonaicus getauft wurde, unterscheidet sich von ihren Verwandten durch ihre klobigen Beine und unebenen Eier.

Die Studie mit den Forschungsergebnissen wurde in „PLoS One“ veröffentlicht.

ZÄHE WASSERBÄREN

Bärtierchen wurden im späten 18. Jahrhundert von einem deutschen Zoologen entdeckt, aber erst ein paar Jahre später umfangreich beschrieben. Die Wasserbären, wie sie auch genannt werden, sind plumpe Lebewesen mit acht Stummelbeinen. Sie verfügen über primitive Augen und sind für gewöhnlich nur zwischen 100 bis 500 Mikrometer groß. Allerdings sind sie in so ziemlich jedem Lebensraum der Erde zu finden, von der dunklen Tiefsee bis zu den heißen, feuchten Regenwäldern der Welt.

Den Großteil ihres Lebens über tapsen sie durch eine Landschaft aus Moos, Flechten und Laubstreu – das klingt zwar entspannt, aber diese Tiere zählen zu den widerstandsfähigsten Organismen, die der Wissenschaft bekannt sind. Sie können mehrere Jahrzehnte alt werden, und man hat schon mehr als 500 Millionen Jahre alte Bärtierchenfossilien gefunden.

Wissenschaftler testen die Überlebensfähigkeit der Lebewesen schon seit Jahren und erhitzten sie dabei auf bis zu 150 °C und kühlten sie auf -200 °C runter. Sie haben sie sogar ins Weltall geschossen und wieder zurückgeholt. Unter solch extremen Bedingungen fallen die Tiere in eine Art Ruhezustand namens Kryptobiose, in dem sie sich zu einer kompakten, trockenen Kugel zusammenrollen und auf unbestimmte Zeit inaktiv bleiben. Vor ein paar Jahren lebte ein aufgetautes Bärtierchen weiter, das 30 Jahre lang eingefroren war. Sie können ihren Stoffwechsel aussetzen und enorm hohem Druck standhalten. Auch die Bestrahlung mit Röntgenstrahlen überleben sie.

„Bärtierchen sind extrem widerstandsfähige Tiere“, sagte Thomas Boothby 2017 im Interview mit National Geographic. Boothby ist ein Bärtierchenforscher an der Universität von North Carolina. „Wissenschaftler versuchen immer noch herauszufinden, wie sie diese Extreme überleben.“

Die neue Art ist die 168., die in Japan entdeckt wurde. (Weltweit gibt es mehr als 1.000 verschiedene Bärtierchenarten, und jedes Jahr werden etwa 20 neue entdeckt.) Die Sehorgane, der Mund, die Flecken und die Beinform von M. shonaicus ähneln denen anderer Bärtierchen, aber die neue Art hat eine zusätzliche Falte an der Innenfläche ihrer Beine.

Zudem sehen auch die kugelförmigen, festen Eier von M. shonaicus anders aus: Sie haben eine unebene Oberfläche mit kelchartigen Auswüchsen, an deren Ende sich ein Ring mit flexiblen Filamentfäden befindet. Arakawa vermutet, dass die Eier sich durch diese Auswüchse besser an die Oberfläche des Ortes haften können, an dem sie gelegt werden.

M. shonaicus weist besonders große Ähnlichkeit zu zwei anderen bekannten Bärtierchenarten auf, einer aus Afrika und einer aus Südamerika. Das bedeutet, dass die neue Art von einem gemeinsamen, deutlich älteren Vorfahren abstammen könnte, was Aufschluss darüber geben kann, wie sich die Tiere im Laufe der Zeit verändert und angepasst haben.

VON BÄRTIERCHEN LERNEN

Die Bärtierchen sind für Forscher besonders faszinierende Tiere. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber großer Kälte könnte Wissenschaftlern dabei helfen, gefriergetrocknete Impfstoffe zu entwickeln. Diese könnten dann bei höheren Temperaturen als herkömmliche Impfstoffe gelagert werden – vor der Benutzung müsste nur ein wenig Wasser hinzugefügt werden. Auch ihre Resistenz gegenüber Trockenheit könnte zu neuen Methoden führen, um biologisches Material von Zellen über Feldfrüchte bis hin zu Fleisch haltbarer zu machen.

„Bärtierchen sind die unzerstörbarsten Organismen, die wir auf der Erde haben“, sagte Rafael Alves Batista, ein Bärtierchenforscher an der Universität Oxford, im letzten Jahr. „Aber es ist möglich, dass es irgendwo anders im Universum andere widerstandsfähige Arten gibt.“

Elaina Zachos auf Twitter folgen.

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