Seltenes weißes Löwenjunges in Südafrika gesichtet

Experten klären über die größten Irrtümer rund um weiße Löwen auf.

Published 29. März 2018, 10:24 MESZ, Updated 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
Löwenjunge und seine Mutter
Dieses weiße Löwenjunge und seine Mutter wurden in einem südafrikanischen Wildschutzgebiet entdeckt.
Bild Daryl Dell, www.andbeyond.com

Am 5. März 2018 bot sich den Wildtierführern im südafrikanischen Ngala Private Game Reserve ein seltener Anblick: ein weißes Löwenjunges.

Lyle Bruce McCabe ist ein Führer des Reservats und erzählt, dass er am Fluss Timbavati ein Löwenmännchen beim Schlafen beobachtet hat, als er den Ruf eines Löwenjungen aus einem Dickicht in der Nähe vernahm.

„Ich bin näher an das Ufer gegangen, um mir das anzusehen, und dann sahen wir den kleinen Kopf eines Löwenjungen von der Zitze seiner Mutter purzeln“, sagt McCabe, der seit zwei Jahren im Reservat arbeitet.

Das Junge ist der erste weiße Löwe, den McCabe und seine Kollegin, die Fährtenleserin Fanny Mathonsi, je gesehen haben. Mathonsi arbeitet immerhin schon seit 26 Jahren in diesem Gebiet.

Weiße Löwen sind äußerst selten, da ihre Färbung nur dann zustande kommen kann, wenn beide Elternteile ein rezessives Gen haben, das die Bildung von Farbpigmenten beeinflusst. Technisch gesehen gelten diese Tiere daher als leuzistisch und nicht als Albinos, da sie an manchen Körperstellen wie ihren Augen durchaus Farbpigmente bilden können.

„In der Wildnis sieht man sie ausgewachsen nur ausgesprochen selten. Wir glauben aber, dass mehr von ihnen geboren werden, die es nur nicht ins Erwachsenenalter schaffen“, sagt McCabe.

EIN SCHWERER WEG

Weiße Löwen sind wohl auch deshalb so selten, weil ihre Überlebenschancen geringer sind – allerdings weiß man überraschend weniger darüber, wie sie sich neben ihren normalfarbigen Artgenossen schlagen.

„Wie bei allen Jungtieren in der Wildnis sind Neugeborene besonders leichte Beute für Raubtiere“, sagt McCabe.

Nur die Hälfte aller in freier Wildbahn geborenen Löwen überlebt das erste Jahr.

Daher ergibt es schon Sinn, dass eine weiße Färbung für einen Löwen nicht ideal ist, sagt Paul Funston, der Seniorchef für das Löwenprogramm von Panthera, einer Organisation zum Schutz von Wildkatzen.

Das lohfarbene Fell normaler Löwen hilft ihnen dabei, sich in der Vegetation der Savanne zu tarnen. Zudem jagen die Tiere auch nachts, wenn ein weißer Löwe noch mehr auffallen würde.

„Ich glaube, es ist kein Zufall, dass Löwen die Farbe haben, die sie haben“, so Funston.

Einige wilde weiße Löwen haben es aber bis ins Erwachsenenalter geschafft. Das könnte bedeuten, dass ihre Färbung kein so großer Nachteil ist, wie wir vermuten. Vielleicht können weiße Löwen ihr Handicap aber auch einfach durch die gemeinsamen Mahlzeiten des Rudels und dessen Schutz überwinden.

„Als Wissenschaftler kann ich nicht behaupten, dass es eindeutige Beweise für irgendetwas davon gibt“, gibt Funston zu.

DAS PROBLEM DER WEISSEN LÖWEN

In der Wildnis grenzt die Geburt eines weißen Löwen an ein kleines Wunder. In Gefangenschaft wird den Tieren ihre seltene Färbung oft zum Verhängnis.

Wenn gezielt auf die weiße Farbe hingezüchtet wird – was fast immer durch Inzucht geschieht –, weisen die Tiere früher oder später oft Defekte auf.

Eine Studie fand heraus, dass von 19 weißen Löwen, die in einem italienischen Zoo gezüchtet wurden, vier tot geboren wurden und 13 den ersten Monat nicht überlebten. Sechs der Löwen wiesen außerdem Schädelabnormitäten auf. Nur eines der Jungtiere überlebte einen längeren Zeitraum, war körperlich und neurologisch aber beeinträchtigt.

Aus diesen und anderen Gründen hat die World Association of Zoos and Aquariums seinen Mitgliedseinrichtungen verboten, gezielt Löwen mit weißem Fell oder anderen genetischen Abnormitäten zu züchten.

Weiße Löwen sind außerdem keine eigene Art oder Unterart, sagt Funston. Sie gelten auch nicht als vom Aussterben bedroht, wie einige Organisationen immer wieder berichten.

„Den Leuten werden eine Menge falsche Informationen darüber angedreht, was weiße Löwen sind“, sagt Funston.

„Und das ist alles großer Unsinn.“

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