Geflecktes Zebrafohlen in Kenia entdeckt

Das auffällige Tier aus dem Naturschutzgebiet Masai Mara in Kenia ist vermutlich von Pseudomelanismus betroffen.Donnerstag, 19. September 2019

Der neue Star in Kenias Masai Mara ist kein stolzer Löwe und auch kein wuchtiges Nashorn. Es ist ein zartes Zebrafohlen mit einer dunklen Fellfarbe und weißen Flecken, das kürzlich in dem Naturschutzgebiet entdeckt wurde.

Der Fotograf Frank Liu hatte eigentlich nach Nashörnern Ausschau gehalten, als er das etwa eine Woche alte, auffällige Steppenzebra entdeckte. „Auf den ersten Blick sah es wie ein völlig anderes Tier aus“, sagt Liu. Der Massai-Wildführer Antony Tira, der das Fohlen zuerst gesehen hatte, gab ihm den Namen Tira.

Um diesen Ort zu erreichen, riskieren Zebras jedes Jahr ihr Leben

Zebrastreifen sind genauso einzigartig wie Fingerabdrücke. Tiras ungewöhnliche Färbung könnte der erste verzeichnete Fall dieser Art in der Masai Mara sein, wie Liu erzählt. Im Okavangodelta in Botswana wurden bereits ähnliche Fohlen gesichtet.

Tira und ihre gefleckten Artgenossen sind von Pseudomelanismus betroffen. Diese genetische Mutation führt dazu, dass die normalerweise gestreifte Zeichnung eines Tieres Abnormitäten aufweist, erklärt die Biologin Brenda Larison. Sie erforscht an der University of California in Los Angeles die evolutionäre Entwicklung von Zebrastreifen.

Auch andere ungewöhnliche Farbschläge konnten bei Zebras bereits beobachtet werden. Anfang des Jahres wurde im Serengeti-Nationalpark in Tansania beispielsweise ein enorm seltenes „goldenes“ Zebra fotografiert, das von einer Form des Albinismus betroffen ist.

Forscher verzeichnen solche Auffälligkeiten, da sie ihnen dabei helfen, Veränderungen innerhalb der Arten festzustellen.

Farbe bekennen mit Melanozyten

Spezialisierte Zellen namens Melanozyten produzieren Melanin – also jene roten, gelben, braunen oder schwarzen Pigmente, welche die Haut- und Haarfarbe von Säugetieren bestimmen.

„Es gibt eine Reihe an Mutationen, die den Prozess der Melaninsynthese durcheinanderbringen können. Man geht davon aus, dass die Melanozyten bei all diesen Störungen normal verteilt sind. Aber das Melanin, das sie produzieren, ist abnormal“, erklärt der Genetiker Greg Barsh vom HudsonAlpha Institute for Biotechnology in einer E-Mail.

Bei Zebras sind die Melanozyten der Haut über den ganzen Körper hinweg gleichmäßig verteilt. Würde man ein Zebra scheren, würde es komplett schwarz sein. Im Falle von Tira und anderen pseudomelanistischen Zebras sind die Melanozyten ebenfalls alle vorhanden, so glaubt Barsh. Aus irgendeinem Grund bildet das Melanin die Streifen aber nicht korrekt aus.

Tiras Zukunft ist ungewiss. Die meisten Zebras mit so einer auffälligen Fellfarbe überleben wahrscheinlich nicht lange, sagt Larison. „Forschungen an anderen Arten haben gezeigt, dass es für Raubtiere schwieriger ist, ein einzelnes Tier aus einer Gruppe auszusondern. Aber das wird einfacher, wenn sich das Einzeltier vom Rest unterscheidet“, sagt sie.

„Ich habe im Laufe der Jahre diverse Fotos von Fohlen mit diesem speziellen Muster gesehen. Aber nur ein Foto – aus den Fünfzigern – zeigte ein Tier, das bereits halbwüchsig oder ausgewachsen war.“

Schweres Leben für Außenseiter

Zu Tiras Leidwesen haben aktuelle Forschungen von Larison und anderen Wissenschaftlern ergeben, dass sich Zebrastreifen womöglich entwickelt haben, um Stechfliegen zu verwirren. So lautet zumindest eine von fünf Theorien zu den Gründen für Zebrastreifen, die im Laufe der Zeit entwickelt wurden. Andere Forscher vermuten eher, dass die Streifen der Tarnung oder der Temperaturregulierung dienen. Experimente auf diesem Gebiet haben gezeigt, dass Stechfliegen nicht gern auf gestreiften Oberflächen landen.

Wenn das wirklich der Fall ist, wird Tira diese Insekten – die Krankheiten übertragen können – nicht so gut abwehren können wie seine normal gestreiften Artgenossen, sagt Tim Caro, ein Biologe der University of California in Davis.

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Falls Tira diese Hürden aber überwinden kann und es bis ins Erwachsenenalter schafft, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass er sich nicht in die Herde integrieren könnte.

Forschungen in Südafrika haben mindestens zwei Fälle offenbart, in denen Steppenzebras mit einer abnormen Fellfarbe ganz normale Bindungen zu anderen Zebras aufbauten und sich mit ihren Artgenossen paarten.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

 

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