Meisensterben: Neue Erkenntnisse durch große Vogelzählaktion?

Safari im Garten und auf dem Balkon: Der Nabu ruft zur „Stunde der Gartenvögel“ auf. Vom 8. bis 10. Mai sollen Vögel gezählt und die Ergebnisse gemeldet werden – jeder kann mitmachen.

Wednesday, May 6, 2020,
Von Jens Voss
Blaumeise

Die Blaumeise ist die bunteste heimische Meise und der einzige blau-gelbe Vogel Europas. Aktuell fallen zahlreiche Tiere einer bakteriellen Erkrankung zum Opfer.

Bild RITA PRIEMER

Welche Vögel lassen sich wieder häufiger beobachten? Und welche Arten sind weiter im Sinkflug? Auch in diesem Frühjahr will sich der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit der „Stunde der Gartenvögel“ wieder ein Bild von der Bestandsentwicklung heimischer Vogelarten im Siedlungsraum machen. Vom 8. bis 10. Mai sind alle Naturfreunde aufgerufen, eine Stunde lang Vögel zu zählen und das Resultat dem Nabu am besten online zu melden. „Je mehr Menschen teilnehmen, desto aussagekräftiger sind die gewonnenen Ergebnisse“, sagt Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Im Vorjahr hatten über 76.000 Menschen mitgezählt.

Bakterium bedroht Blaumeisen

Mit besonderer Spannung erwarten Vogelexperten neue Zahlen zur eigentlich allgegenwärtigen Blaumeise. Sie ist derzeit durch ein Massensterben in Teilen Deutschlands bedroht. Auslöser ist ein bakterieller Erreger, der eine Lungenentzündung verursacht. Deutlich über 30.000 Hinweise auf tote und kranke Blaumeisen seien inzwischen über ein eigens eingerichtetes Meldeportal eingegangen, teilt der Nabu mit. „Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten“, erklärt Miller. Das Bakterium sei erst seit 1996 bekannt. In Großbritannien komme es flächendeckend regelmäßig vor. Für Menschen und Haustiere sei der Erreger ungefährlich.

Kranke Blaumeise: Die mit dem Bakterium infizierten Vögel wirken meist aufgeplustert. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind oft verklebt.

Bild Otto Schäfer

Wie sich die Seuche langfristig auf die Blaumeisen auswirkt, sei bislang reine Spekulation. „Im besten Fall können die überlebenden Meisen in diesem Jahr besonders erfolgreich brüten, da sie weniger Konkurrenz haben als normalerweise“, so Miller. „Im schlechtesten Fall könnte mit der Krankheit ein andauernder Abwärtstrend des Blaumeisenbestands beginnen. So beobachten wir es beim Grünfink, dessen Zahl seit 2013 aufgrund der Krankheit Trichomoniasis abnimmt.“

Welche Vögel sind am häufigsten?

Die „Stunde der Gartenvögel“ soll weitere Auskunft darüber geben, wie es um die Blaumeise steht. Bei der Vorjahresaktion landete sie mit 22.582 Exemplaren auf Platz 4 der am häufigsten beobachteten Vögel. Spitzenreiter war der Haussperling mit 38.167 Tieren, gefolgt von der Kohlmeise (29.925) und Amsel (28.604).

Jeder kennt und erkennt ihn: Der Haussperling war 2019 der am meisten beobachtete Vogel in Deutschlands Gärten.

Bild NABU/FOTONATUR

Als Beobachtungsorte bieten sich neben dem Garten auch Balkon oder Fenster an, empfiehlt der Nabu. Wichtig ist es, Doppelzählungen zu vermeiden. Deshalb sollen die Teilnehmer von jeder Vogelart die höchste Anzahl notieren, die innerhalb einer Stunde gleichzeitig zu sehen war.

Naturschutzgebiet im Garten

„Wer mehr Natur in seinem Umfeld erleben und Gartenvögeln helfen möchte, sollte seinen Hof oder Garten zum Mini-Naturschutzgebiet machen,“ ergänzt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Eine wilde Ecke etwa fördere die Vogelvielfalt ungemein. Auch Hecken seien sinnvoll, am besten mit Dornen oder Stacheln bewehrt, um Vögeln Unterschlupf und Nahrung zu bieten. Wer Vögeln in seinem Garten ein zusätzliches Nahrungsangebot bieten möchte, solle idealerweise heimische Gehölze oder Stauden pflanzen – zum Beispiel Weißdorn, Vogelbeere oder Holunder:

Mehr über die Mitmach-Aktion „Stunde der Gartenvögel“: www.stundedergartenvoegel.de

Tipps für einen vogelfreundlichen Garten: www.nabu.de/vogelgarten

 

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