Neues Raubtier erobert Deutschland: Goldschakal auf dem Vormarsch

Heimlich, still und leise erweitert der wolfsähnliche Goldschakal sein ursprünglich südliches Verbreitungsgebiet. Mittlerweile gibt es gesicherte Nachweise aus zwölf Bundesländern – mit deutlich steigender Tendenz.

Veröffentlicht am 2. Nov. 2020, 13:30 MEZ, Aktualisiert am 5. Nov. 2020, 05:58 MEZ
Scheuer Einwanderer aus südlichen Gefilden: Immer mehr Nachweise des Goldschakals belegen, dass sich der anpassungsfähige Wildhund ...

Scheuer Einwanderer aus südlichen Gefilden: Immer mehr Nachweise des Goldschakals belegen, dass sich der anpassungsfähige Wildhund offenbar auch in Deutschland wohlfühlt.

Bild Jörg Tillmann/DBU Naturerbe

Er ist größer als ein Fuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf. Dennoch: Mit seinem gelb-grauen Fell und mit seiner weißlichen Farbe an Schnauze und Kehle kann der Goldschakal auf den ersten Blick mit seinen Verwandten verwechselt werden. Und dass es künftig häufiger zu Begegnungen mit dem scheuen Raubtier kommt, ist gar nicht so unwahrscheinlich: Der Goldschakal wird immer öfter in Deutschland gesichtet.

Nach Angaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gibt es seit 1997 mittlerweile 25 gesicherte Nachweise von Canis aureus in Deutschland – mit deutlich steigender Tendenz. „Der Klimawandel ist ein Grund für die Ausbreitung des Goldschakals“, erklärt DBU-Experte Jörg Tillmann. Die schneearmen Winter der vergangenen Jahre, dazu die trockenen, heißen Sommer: Für den Wildhund, der eng mit dem Wolf verwandt ist, seien das gute Bedingungen, um inzwischen bis nach Nordeuropa vorzudringen.

Anpassungsfähige Allesfresser

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Goldschakals erstreckt sich von Nordafrika und Südosteuropa bis nach Ostasien. Als flexibler Generalist nutzt der bis 50 Zentimeter schulterhohe und maximal 15 Kilo schwere Räuber eine Vielfalt an Lebensräumen: von Halbwüsten über Steppen und Wälder bis hin Agrarlandschaften und Feuchtgebieten. Ebenso wenig wählerisch ist er bei seiner Nahrung. Neben kleinen Säugetieren wie etwa Mäusen verschlingt der anpassungsfähige Allesfresser gern Insekten, Amphibien, Fische und Aas. Auch vor vegetarischer Kost wie Beeren oder Mais macht er nicht Halt. Für den Menschen ist er nicht gefährlich.

Kein Wunder, dass der Goldschakal europaweit auf dem Vormarsch ist. „Experten gehen von einer Gesamtpopulation zwischen 70.000 und 117.000 Exemplaren in mittlerweile 19 Ländern Europas aus“, erklärt Tillmann. Bei den bisher bestätigten Nachweisen von Goldschakalen in Deutschland handelt es sich nach seinen Worten aller Wahrscheinlichkeit nach nur um einen Bruchteil der eingewanderten Tiere. Im Gegensatz zum Wolf sei der nachtaktive, heimlich und versteckt lebende Goldschakal hierzulande allerdings kaum bekannt. Bei Sichtungen würden Laien Goldschakale schnell mit Füchsen, Hunden oder Wölfen verwechseln.

Goldschakale in zwölf Bundesländern

Mit Ausnahme von Berlin, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen-Anhalt wurde der Goldschakal inzwischen in allen Bundesländern beobachtet. Noch ist offen, ob sich der Einwanderer dauerhaft in Deutschland ansiedeln wird. Denn ob es sich bei den Sichtungen um Streuner aus anderen Ländern handelt oder womöglich schon um Nachwuchs aus Deutschland, ist bislang ungeklärt. „Ein Reproduktionsnachweis wurde noch nicht erbracht“, sagt Tillmann.

Eines jedoch sei klar: Wenn sich der Goldschakal hier etabliere, verändere er das Ökosystem in seinem Verbreitungsgebiet. Sobald dokumentiert werden könne, dass er heimisch geworden sei und Nachkommen aufziehe, sollte er wie auch der Wolf aktiv über ein Monitoring erfasst werden, empfiehlt Tillmann. „Auf dieser Grundlage kann dann ein exakter Managementplan erarbeitet werden.“

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