Deutschland sucht das Gartentier

Schon mal vom Saftkugler gehört? Die Heinz-Sielmann-Stiftung ruft zur Wahl des Gartentiers des Jahres auf. Sechs Kandidaten stehen zur Auswahl.

Der Maikäfer ist heute ein seltener Gast in Deutschlands Gärten.

Foto von Jonathan Fieber/igreen
Von Jens Voss
Veröffentlicht am 7. Juni 2022, 08:53 MESZ

Jahrhundertelang galten sie als Plage. In riesigen Scharen fielen sie über die Felder her und vernichteten so komplette Ernten. Ganze Schulklassen wurden losgeschickt, um sie massenweise einzusammeln. Kaum ein Tier wurde in Europa so erbittert bekämpft wie der Maikäfer.

Noch im Jahr 1951 hatten allein die Wiener eine Milliarde der dicken Brummer gesammelt. Die städtische Tierkörperverwertungsanstalt verarbeitete sie zu Maikäfermehl, einem eiweißhaltigen Tierfutter. Sogar im Suppentopf und auf dem Dessertteller landeten die Insekten – mal püriert, mal kandiert. Bis man dem Maikäfer in den 1950-er Jahren mit Insektengift zu Leibe rückte und ihn auf diese Weise fast ausrottete.

Inzwischen haben sich die Bestände in einigen Teilen Europas erholt. Hierzulande schwirren die brauen Käfer ab Mitte April vor allem im Südwesten wieder vermehrt durch die Luft. Trotzdem: An Massenvorkommen kann sich wohl nur noch die heutige Großelterngeneration erinnern.

Tierische Entdeckungen: Sechs Gartentiere

Biotope im Hinterhof

Viele Tierarten haben ein ähnliches Schicksal erlitten. Der Verlust naturnaher Landschaften und die intensivierte Landwirtschaft mit ihren chemischen Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln macht ihnen zu schaffen. Einst nahezu allgegenwärtige Tiere wie Kiebitz, Feldhase oder zahlreiche Insektenarten sind vielerorts selten geworden.

Mit der Wahl des „Gartentiers des Jahres“ will die Heinz-Sielmann-Stiftung auf den Rückgang der biologischen Vielfalt hinweisen und zeigen, dass jeder etwas dagegen tun kann: Naturnahe Gärten, Balkone, Hinterhöfe oder Grünflächen sind wertvolle Rückzugsräume für viele Tiere. Schon mit einfachen Mitteln könnten Balkon- und Gartenbesitzer grüne Oasen schaffen. „Wir haben es in der Hand, ob wir uns mit Steinwüsten oder kleinen Paradiesen umgeben“, sagt Nora Künkler, Biologin bei der Stiftung.

Bis zum 13. Juni können Naturfreunde online für ihr favorisiertes Gartentier abstimmen und dabei auch Preise gewinnen. Neben dem Maikäfer stehen fünf weitere Kandidaten zur Auswahl: Eichhörnchen, Star und Tagpfauenauge dürften die meisten Gartenbesitzern leicht erkennen. Bei der Blauschwarzen Holzbiene und dem Saftkugler sieht das womöglich etwas anders aus.

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Blaue Bienen und schillernde Falter

Die Blauschwarze Holzbiene ist die größte Wildbiene Deutschlands und vollkommen harmlos. Auf ihren Erkundungsflügen durch die Gärten sucht sie neue Nahrungsquellen und mögliche Brutstätten. Ihre bis zu 30 Zentimeter langen Niströhren nagt sie in morsches Holz. Sie profitiert von Totholz und heimischen Blütenpflanzen.

Der Saftkugler zählt zu den Tausendfüßern. Aus organischen Abfällen macht er wertvollen Humus. In naturnahen Gärten kommt der kleine Krabbler vor, wenn er genügend Nahrung findet. Das ist Laub in rauen Mengen oder morsches Holz. Bei Gefahr rollt er sich blitzschnell zur Kugel zusammen.

Das Tagpfauenauge ist einer der häufigsten Schmetterlinge in Deutschland. Doch auch der bekannte Falter stellt spezielle Anforderungen an seinen Lebensraum: Eine unordentliche Ecke mit Brennnesseln hilft ihm. Denn an dieser Pflanze legt das Tagpfauenauge seine Eier ab.

Tierische Akrobaten und Gesangstalente

Das Eurasische Eichhörnchen ist die einzige natürlich in Mitteleuropa vorkommende Eichhörnchen-Art. Bäume und Sträucher mit Nüssen und Früchten locken die akrobatischen Kletterer in die Gärten. Mit dem richtigen Futterangebot kann man ihnen im Herbst helfen. Im Sommer sollte eine Wasserstelle nicht fehlen.

Der Star hat ein besonderes Talent: Er imitiert andere Vogelstimmen und Umgebungsgeräusche und baut sie in die eigenen Gesänge ein. Doch seine Gesangskünste schützen ihn nicht vor dem Verlust seiner Lebensräume und Nahrungsgrundlagen. Seit Jahren nimmt die Zahl der Stare ab. Sie nehmen gern Nistkästen an, sofern die Einfluglöcher größer als Meisenkästen sind.

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