Umwelt

Dieses Paar überfliegt den Atlantik in einem kleinen Hubschrauber, um das schmelzende Eis zu dokumentieren

Das frisch verheiratete Paar war von den kalbenden Gletschern in Grönland gleichermaßen überwältigt und überrascht. Donnerstag, 9 November

Von Nora Rappaport

„Wenn etwas schon mal gemacht wurde, habe ich für gewöhnlich kein großes Interesse daran.“

So sagt es National Geographic Explorer Eddie Kisfaludy, ein Meeresbiologe, Pilot und Extremdatensammler. Mit seiner Firma SciFly sammelt Kisfaludy Daten von einigen der abgelegensten und unerbittlichsten Gegenden der Erde. Diese Daten gibt er dann Leuten, die sie brauchen – Wissenschaftler und Regierungsbehörden, die Entscheidungen treffen, welche den Planeten beeinflussen.

Als Kisfaludy und seine damalige Verlobte und mittlerweile Frau Amanda Kisfaludy nach London reisten, um einen neuen Hubschrauber für SciFly zu kaufen, mussten sie überlegen, wie sie ihr neues Gefährt am besten wieder nach Hause in ihr Hauptquartiert in San Diego bekommen würden.

„Es gibt zwei Wege, auf denen das geht“, sagt Eddie Kisfaludy. „Man kann ihn in einen Frachtcontainer stecken und zurückschicken. Oder man kann ihn über den Nordatlantik fliegen.“

Auf gerader Linie kann ein handelsübliches Passagierflugzeug die Strecke an ungefähr einem halben Tag zurücklegen. Das Paar entschied sich jedoch für eine einmonatige Reise von fast 13.000 km, während der sie mit ihrem kleinen Hubschrauber über einige der abgeschiedensten Regionen der Erde flogen und unterwegs atemberaubende Aufnahmen der Landschaften machten.

Grönland war planungstechnisch der schwierigste Teil der Reise, aber trotzdem – tatsächlich sogar gerade deshalb – war es auch der Teil des Abenteuers, auf den sich Eddie Kisfaludy am meisten freute. Aber als er dort ankam, war der Anblick ebenso besorgniserregend wie schön.

Wir haben mit Eddie Kisfaludy über seinen Trip gesprochen.

Sie waren von der ganzen Reise begeistert, aber Grönland hat es Ihnen besonders angetan. Können Sie uns sagen, warum das so war?

Bei den Planungen für die Reise war Grönland ein komplettes Mysterium. Meine einzigen Quellen waren Satellitenbilder der Insel und dieser langen Fjorde in dem türkisblauen Wasser, und überall Eisberge. Es sah aus wie ein Ort, an dem ich noch nie gewesen bin. Für mich war das Unbekannte der interessanteste Teil.

Warum gibt es nicht mehr Informationen oder Aufnahmen dieser Gegenden?

Es ist wirklich schwer, dort hinzukommen. Und wenn man dort hinkommt, ist das Wetter meist furchtbar. Südlich von Island gibt es ein Tiefdrucksystem, etwa auf halber Strecke zwischen Grönland und Europa, welches konstant schlechtes Wetter verwirbelt. Wir hatten wirklich Glück, dass das Wetter so perfekt war.

Erzählen Sie uns, was Sie in Grönland gesehen haben.

Die großen Gletscherkalbungen waren die ehrfurchtgebietendsten Dinge, die wir dort gesehen haben. Es ist völlig still, und plötzlich hört man das Eis auseinanderbrechen und es klingt wie ein Donnern. Man kann dort nicht anders, als zu begreifen, dass Grönland taut.

Als wir dort entlanggeflogen sind, blickten wir auf diese Schmelzpools hinunter, wo sich das Wasser sammelt und ein Loch hinunterfließt. Das sind die wunderschönsten Blautöne, die ich je gesehen habe – prächtige türkisfarbene Wasserbecken. Aber sie absorbieren Hitze. Je mehr Schmelzpools es gibt, desto schneller taut Grönland. Und während Grönland taut, muss man sich fragen, wo das ganze Wasser hinläuft. Es läuft direkt ins Meer.

Was war es für ein Gefühl, über Orte zu fliegen, die es vielleicht schon bald nicht mehr geben wird?

Eine ganze Insel auf eine noch nie dagewesene Art und Weise abtauen zu sehen, lässt einen begreifen, dass wir uns an einem sehr zerbrechlichen Ort befinden. Für uns ist es wichtig, Bilder von einem so einzigartigen und schwer zu erreichenden Gebiet einzufangen, um den Menschen besser zu vermitteln, was der Klimawandel wirklich ist.

Was kann uns Grönland noch über das globale Klima verraten?

Weil Grönlands Atmosphäre so sauber ist, kann man sich die Eisdecke wie einen großen Filter vorstellen, der Schmutz, Staub und Ablagerungen in der Atmosphäre abfängt, die sich dann im Schnee ablagern. Der größte Kohlenstoffdioxidanteil entsteht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, und der verteilt sich dann in der Atmosphäre. Es lagert sich in den Ozeanen ab, aber auch im Eis von Grönland. Das geht nun schon seit langer Zeit so.

Geologen können dort hingehen, ein Loch bohren und sehen, wie sich das Kohlendioxidniveau der Welt über die Zeit hinweg verändert hat. Man kann erkennen, wann große Asteroiden eingeschlagen haben oder ein Vulkan ausgebrochen ist. Das Eis enthält die Vergangenheit.

Grönland hat beim Klimawandel einen Platz in der ersten Reihe. Wir müssen verstehen, was dort oben passiert, damit wir bessere Entscheidungen für unseren Planeten treffen können. Die Erde hängt von der Wissenschaft ab, die oben in Grönland stattfindet.

Das Interview wurde zugunsten der Länge und des Inhalts editiert.