Umwelt

Ohrenbetäubende Druckwellen lassen diese Meerestiere im Umkreis hunderter Meter absterben

Eine neue Studie fand heraus, dass seismische Messungen für die Suche nach Öl- und Gasvorkommen im Meer das Zooplankton im Umkreis vernichtet. Freitag, 3 November

Von Sarah Gibbens

Die Pläne der Trump-Regierung, Offshore-Bohrungen wieder aufleben zu lassen, könnten einige der kleinsten Lebewesen in der Nahrungskette des Meeres gefährden.

Mineralölkonzerne stoßen Druckluft in Richtung Meeresboden, um Öl und Gas zu finden, das unter den Gesteinsschichten verborgen liegt. Diese seismischen Druckwellen dringen tief in den Meeresboden ein. Ihre Reflexionen und Refraktionen liefern dann Informationen über mögliche wertvolle Vorkommen, die darunter begraben liegen.

Aber die Schallwellen sind für die unter Wasser lebenden Tiere ohrenbetäubend. Es ist bereits bekannt, dass diese Technik Konsequenzen für Meeressäuger hat, von denen sich viele zur Kommunikation und Jagd auf ihr Echolot verlassen. (Hier könnt ihr euch die Aufnahme einer seismischen Druckwelle anhören, die vom National Resources Defense Council gemacht wurde.)

Eine Studie, die kürzlich in „Nature Ecology and Evolution“ veröffentlicht wurde, fand heraus, dass die Schallwellen auch weitreichenden Einfluss auf die wichtigsten Meereslebewesen haben könnten: das Zooplankton. Dieser Sammelbegriff umfasst eine Vielzahl von Organismen, die üblicherweise nahe an der Wasseroberfläche treiben. Dazu gehören auch Quallen, Krebstiere und Fische im Larvenstadium.

Für ihre Studie nutzten Wissenschaftler der Universität von Tasmanien und dem Zentrum für Meereswissenschaften und -technologie einen Luftpulser vor der Küste Südtasmaniens. Sie sammelten sowohl vor als auch nach der Erzeugung der Schallwellen Proben von Zooplankton ein.

„Wir haben die Zahl des lebenden und toten Zooplanktons in unseren Netzen mit einer bestimmten Färbetechnik ermittelt und herausgefunden, dass nach dem Einsatz des Luftpulsers zwei- bis dreimal so viel Plankton tot war wie vor dessen Einsatz“, erklärte der Co-Autor der Studie Jayson Semmens in einer Pressemitteilung.

Das Team benutzte auch Sonar, um nach den Druckwellen die Zahl des Zooplanktons in dem betroffenen Bereich zu messen. Im Vergleich zu Kontrollproben verzeichneten sie in Bereichen, die den Schallwellen ausgesetzt waren, einen 64-prozentigen Rückgang der mittleren Fangmasse. Die Auswirkungen ließen sich in einer Entfernung von bis zu 1,2 Kilometern von dem Luftpulser entfernt feststellen – hundertmal weiter als die bisher vermutete Wirkungsgrenze von etwa zehn Metern.

Dieser Befund ist besorgniserregend, da Zooplankton eine kritische Rolle in der Nahrungskette des Meeres spielt.

„Zooplankton ist die Basis für die Gesundheit und Produktivität des weltweiten Meeresökosystems. Diese Forschung hat gezeigt, dass die kommerziellen seismischen Untersuchungen einen bedeutenden Zusammenbruch in der Population [des Planktons] verursachen könnten“, beteuerte der Co-Autor der Studie D. McCauley in der Mitteilung.

In ihrer Studie weisen die Autoren darauf hin, dass „gesunde Populationen von Fischen, Spitzenprädatoren und Meeressäugetieren ohne eine tragfähige Produktivität des Planktons nicht möglich sind.“

Obwohl sich die Studie auf die Erkundung von Öl- und Gasvorkommen in den Gewässern rund um Australien konzentrierte, sind die Implikationen weltweit von Bedeutung.

Anfang des Monats unternahm die Trump-Regierung zusammen mit der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Schritte, um es Energiekonzernen zu ermöglichen, entlang der US-Atlantikküste Luftpulser für die Suche nach Öl und Gas einzusetzen.

Etwa 145.000 Kilometer stehen den Unternehmen damit für seismische Messverfahren offen.  Laut Schätzungen von Oceana könnten 138.000 Wale und Delfine durch die Luftpulser betroffen sein, die im Atlantik zum Einsatz kämen.

Der Antrag weist darauf hin, dass der Einsatz dieser Luftpulser auch Auswirkungen auf Meeressäuger haben würde, weshalb zu Sicherheitsmaßnahmen geraten wird.

Beispielsweise, so sagte ein Sprecher der NOAA, würden Schritte unternommen werden, um die Auswirkungen der Luftpulser auf Meeressäuger zu minimieren. Dazu gehöre eine „Überwachung, um die Laute von Meeressäugetieren unter der Wasseroberfläche zu entdecken, damit wir wissen, wann sie sich in dem Gebiet befinden.“

Bis zum Redaktionsschluss konnten wir NOAA nicht für einen Kommentar zu Schutzmaßnahmen für andere Arten des Meereslebens erreichen.

Sarah Gibbens auf Twitter und Instagram folgen.

Wei­ter­le­sen