Umwelt

Kinder nahe Nationalparks leben gesünder und in weniger Armut

Gerade in Entwicklungsländern profitieren nicht nur Tiere von Schutzgebieten, sondern auch die örtliche Bevölkerung. Freitag, 12 April

Von Stephen Leahy

Dieser Artikel entstand in Partnerschaft mit der National Geographic Society.

„Wir haben ungefähr 34 Tonnen Nahrung an die Gemeinden rund um den Park verteilt“, sagte Gregory Carr, der Präsident des Gorongosa-Nationalparks im südostafrikanischen Land Mosambik. Im März war der Zyklon Idai über die Mitte des Landes und die benachbarten Staaten Malawi und Simbabwe gefegt. Mehr als 700 Menschen verloren durch den Sturm ihr Leben und mehr als 1,8 Millionen benötigend dringend Hilfe, wie aus einem Bericht der UN hervorgeht.

Der Zyklon zerstörte ganze Städte und Dörfer und verwüstete kurz vor der Ernte etwa 200 Quadratkilometer Ackerland.

Nicht mal 48 Stunden, nachdem Idai weitergezogen war, schwärmten hunderte Gorongosa-Parkranger und andere Angestellte aus, um Dorfbewohner im Umkreis des Parks zu retten, medizinische Hilfe zu leisten und Nahrungsmittel zu verteilen. „Wir waren die Ersthelfer und versorgten auch abgeschiedene Gemeinden, von denen sonst kaum jemand weiß“, sagte Carr in einem Interview.

Der Park arbeitet mit Tausenden Bauern aus der Region zusammen, hat Lagerhäuser voller Nahrungsmittel und konnte diese ohne Hilfe von außen verteilen. Noch immer stehen weite Teile der Landflächen unter Wasser. „Die Aussichtsplattform des Parks, unser Hippo House, liegt dreieinhalb Meter über dem Boden und steht noch immer unter Wasser“, so Carr. Da die meisten Straßen unterspült sind, wurden die Nahrungsmittel größtenteils per Kanu oder Hubschrauber geliefert.

Carr findet, dass Nationalparks und Schutzgebiete die besten Freunde der Menschen im Umkreis sein sollten. „Farmen in der Nähe des Gorongosa haben mehr Bestäuber, mehr Feuchtigkeit, weniger Hitze und sind ertragreicher“, sagte er.

Da der Klimawandel Afrika besonders hart trifft, sind die Nationalparks umso wichtiger. Die Regierung von Mosambik denkt beispielsweise darüber nach, südlich des Parks ein geschütztes Feuchtgebiet zu etablieren, das die Folgen des nächsten Zyklons abmildern wird, indem es mehr Wasser aufnimmt und zurückhält. „Die Menschen, die in diesem Bereich leben, werden weiterhin das Exklusivrecht darauf haben, dort zu fischen und das Land nachhaltig zu bewirtschaften. Aber zu ihrer eigenen Sicherheit bekommen sie auch Land in höheren Lagen zur Verfügung gestellt“, sagte Carr, der zusammen mit der Regierung an dem Projekt arbeitet.

Galerie: Der Gorongosa-Nationalpark nach Zyklon Idai

Der Gorongosa-Nationalpark hat es sich explizit zum Ziel gesetzt, das Leben der benachbarten Menschen zu verbessern, und investiert dafür viele seiner Ressourcen. Aber auch viele andere Nationalparks bringen für die Menschen in einem Umkreis von zehn Kilometern echte Vorteile, wie aus einer umfassenden Studie hervorgeht, die in „Science Advances“ erschien. Die Forscher analysierten Daten von 603 Schutzgebieten und 34 Entwicklungsländern. Dabei fanden sie heraus, dass Kinder, die in der Nähe von Schutzgebieten leben oder geschützte Bereiche nachhaltig bewirtschaften dürfen, in gesünderen und wohlhabenderen Haushalten leben als Kinder, die weiter von Schutzgebieten entfernt wohnen.

Parks, die der örtlichen Bevölkerung den Zugang verwehren, brachten diese positiven Effekte nicht mit sich. Allerdings gab es auch keine Anzeichen dafür, dass sie sich negativ auf das Leben der Kinder auswirkten.

Der Co-Autor der Studie, der Anthropologe Drew Gerkey von der Oregon State University, erzählt, dass schon lange darüber diskutiert wird, ob sich Schutzgebiete positiv auf das Leben der indigenen und lokalen Bevölkerung auswirken. „Ich war angenehm überrascht von den positiven Studienergebnissen“, so Gerkey.

Kinder, die in der Nähe von touristisch besuchten Nationalparks leben, hatten ein 17 Prozent höheres Wohlstandsniveau und ein 16 Prozent geringeres Armutsrisiko als Kinder aus vergleichbaren Haushalten, die in größerer Entfernung liegen. Parks, die die nachhaltige Nutzung ihres Landes erlaubten, sorgten bei Kindern unter fünf Jahren sogar für besseres Wachstum.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Etablierung von Schutzgebieten auch dabei helfen kann, Probleme wie Armut oder schlechte Gesundheit zu bekämpfen, schlossen die Autoren.

Der nächste Schritt bestünde Gerkey zufolge darin, die spezifischen Lebensumstände in diesen Schutzgebieten zu untersuchen und in Erfahrung zu bringen, was am besten für die Einheimischen und den Artenreichtum funktioniert.

Der Northern Rangelands Trust in Kenia tut mit einem neuen Modell von kommunal nutzbaren Schutzgebieten genau das. Diese gemeinschaftsbasierten Organisationen unterstützen das Management von Landflächen im Gemeindebesitz, um lokalen Familien zu helfen.

Der Trust umfasst derzeit 39 solcher kommunal nutzbaren Schutzgebiete, die insgesamt eine Fläche von 42.000 Quadratkilometern abdecken. Auf diesen Ländereien an der Küste und im Norden Kenias leben circa 320.000 Menschen aus 18 verschiedenen ethnischen Gruppen.

Einst war die Region berüchtigt für ihre zahlreichen Konflikte und die ungebremste Wilderei. Mittlerweile liegt der Fokus dort auf kommunal gesteuerter Entwicklung, die auch dem Schutz der Landschaft und der Tiere dient.

Gerade, weil die Prognosen für den Verlust der Biodiversität immer düsterer werden, ist es umso wichtiger, Landflächen und Meeresgebiete unter Schutz zu stellen. „Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass der voranschreitende Verlust des Artenreichtums dem menschlichen Wohlergehen schadet. Jeder wird darunter leiden, aber ganz besonders die Armen“, erzählte Robert Watson, der IPBS-Vorsitzende (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services), letztes Jahr in einem Interview mit National Geographic.

Weltweit planen Regierungen daher, die Anzahl und Flächen von Schutzgebieten zu vergrößern, um die 2010 mit der Biodiversitätskonvention vereinbarten Ziele einzuhalten. Gleichzeitig soll die Armut bis 2030 nachhaltig halbiert werden.

Eine Vergrößerung von Schutzgebieten habe in Kombination mit sinnvollem Management das Potenzial, Armut zu reduzieren, die Gesundheit zu verbessern und die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels für lokale Gemeinden ein wenig abzufangen, sagte Gerkey.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht

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