Export von Plastikmüll in ärmere Länder wird erschwert

Mehr als 180 Nationen haben beschlossen, die Ausfuhr von Kunststoffabfällen durch das Baseler Übereinkommen zu regulieren.Dienstag, 14. Mai 2019

bild Randy Olson, Nat Geo Image Collection

Für reiche Länder ist es nun etwas schwieriger geworden, ihren Plastikmüll in Schwellen- und Entwicklungsländern abzuladen. Am 10. Mai beschlossen mehr als 180 Nationen in Genf, dass gemischte Kunststoffabfälle fortan durch das Baseler Übereinkommen abgedeckt sind, welches den internationalen Transport und die Entsorgung gefährlicher Abfälle reguliert.

Laut dem Übereinkommen müssen Exporteure nun zuerst die Einwilligung der Regierungen von Zielnationen erhalten, ehe sie verunreinigten, gemischten oder nicht recycelbaren Plastikmüll dorthin exportieren. Diese zusätzlichen Maßnahmen gelten als wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Kontrolle über das wachsende Problem der Plastikverschmutzung. Bis heute sind laut den Vereinten Nationen schon um die 100 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer gelangt.

David Azoulay vom Zentrum für Internationales Umweltrecht sagte in einem Interview, der Beschluss zeigte, „wie eine ambitionierte internationale Führung aussehe“.

Der Schiffstransport von Plastik wurde letztes Jahr zum Problem, als China – der weltweit größte Importeur von Kunststoffabfällen –, keinen Plastikmüll aus nicht industriellen Quellen mehr kaufte. Damit geriet auf einen Schlag eine 200 Milliarden Dollar schwere, globale Recyclingindustrie ins Wanken. Aufgrund von Chinas neuer Müllpolitik werden bis 2030 etwa 120 Millionen Tonnen gemischter oder verunreinigter Plastikabfälle einen neuen Zielort brauchen, wie es in einer Studie aus dem Vorjahr heißt.

Eine Konsequenz des plötzlichen Einfuhrstopps war, dass andere südostasiatische Länder wie Thailand, Malaysia, Vietnam und Indonesien plötzlich von einer Flut aus Plastikmüll überschwemmt wurden, die ihre Kapazitäten überstieg. Mehrere Länder erließen sofortige Einfuhrstopps an ihren Häfen. Im Westen türmte sich der Müll derweil in den Häfen US-amerikanischer, britischer und anderer europäischer Nationen auf. Müllexporteure suchten verzweifelt nach neuen Käufern.

Während die EU der größte Plastikmüllexporteur der Welt ist, führen die USA die Rangliste einzelner Länder mit dem größten Exportvolumen an. Da die USA das Baseler Übereinkommen aber nicht ratifiziert haben, könnten die neuen Regelungen es für sie effektiv unmöglich machen, verunreinigte oder gemischte Kunststoffabfälle in Entwicklungsländer zu verkaufen, erklären Azoulay und ein anderer Beobachter, die beide bei den Verhandlungen anwesend waren.

Mantarochen schwimmt in einem Ozean aus Müll
Mantarochen schwimmt in einem Ozean aus Müll
Indonesien ist bei Touristen auch wegen seiner klaren, blauen Gewässer sehr beliebt. Ein Taucher, der vor der Küste der Insel Nusa Penida bei Bali schwamm, entdeckte diese tragische Szene unter der Oberfläche des Paradieses.

In Genf sprachen sich US-Beobachter dagegen aus, das Übereinkommen in Bezug auf Plastikmüll abzuändern. Ihrer Meinung nach seien freiwillige Maßnahmen effektiver als verbindliche, um das Plastikmüllproblem einzudämmen. Die USA halten auch eine verbesserte Infrastruktur in Entwicklungsländern für eine effektivere Lösung. Allerdings hatten diese Vorschläge wenig Gewicht, da die USA das Übereinkommen zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert haben.

Der Handelsverband Institute of Scrap Recycling Industries mit Sitz in Washington, D.C., erklärte in einer Mitteilung, dass die Ergänzungen zum Baseler Übereinkommen „das Recycling von Kunststoffen weltweit behindern“ werden. Wenn man zuvor die Einwilligung der Importländer braucht, so argumentierte der Verband, würde das „eine administrative Hürde darstellen, die es für Länder ohne Recyclingkapazitäten schwieriger macht, gesammelten Kunststoffmüll in Länder mit einer bestehenden Infrastruktur zu exportieren“.

Das Basler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung – so der volle Name – gilt als das größte internationale Übereinkommen zu Sondermüll. Neben den USA haben es nur eine Handvoll kleinerer Nationen nicht unterzeichnet oder nicht ratifiziert.

Der Artikel wurde ursprünglich in englischer Sprache auf NationalGeographic.com veröffentlicht.

Plastikmüll

Plastikmüll: Welche zehn Produkte am häufigsten im Meer landen
Planet or Plastic?

Plastikmüll: Welche zehn Produkte am häufigsten im Meer landen

Der Kampf gegen die Plastikflut – die EU will Einwegprodukte aus Kunststoff wie Strohhalme oder Besteck verbieten. Eine Übersicht der zehn Wegwerfartikel, die am häufigsten an Europas Stränden und in den Meeren gefunden werden.
Wei­ter­le­sen