Ab nach Malaysia: Wo deutscher Plastikmüll landet


Trotz verschärfter Regeln für den Export aus der EU hat Deutschland 2021 hunderttausende Tonnen Kunststoffabfälle in Ländern wie Holland oder die Türkei ausgefahren. Umweltministerin Lemke will ein weitgehendes Müllexport-Verbot durchsetzen. 

Von Deborah Roth
Veröffentlicht am 12. Jan. 2022, 08:36 MEZ
Deutschland exportierte bisher jährlich etwa eine Million Tonnen Plastikabfälle im Wert von circa 254 Millionen Euro ...

Deutschland exportierte bisher jährlich etwa eine Million Tonnen Plastikabfälle im Wert von circa 254 Millionen Euro ins Ausland.

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Von München nach Malaysia – deutscher Plastikmüll kommt rum auf der Welt. Und das trotz neuer „Reiseeinschränkungen”: Seit Anfang 2021 gelten in der EU verschärfte Regelungen für den Export von Kunststoffabfällen. Das heißt im Detail, dass unsortierte oder verschmutzte Plastikgemische, die sich nicht einfach recyceln lassen, nicht mehr international gehandelt werden dürfen.

Ein Ende der Müllreise bedeutet dies jedoch noch lange nicht, auch wenn es sich im vergangenen Jahr positiv auf die deutsche Müllexport-Bilanz ausgewirkt hat: 2021 wurden laut Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) rund 697.000 Tonnen ins Ausland gebracht. Immerhin: ein starkes Minus von 32 Prozent. Der Rückgang könne zum Teil jedoch auch an Importrestriktionen asiatischer Staaten sowie an der Corona-Pandemie samt unterbrochener Lieferketten gelegen haben, wie der BDE gegenüber tagesschau.de kommentiert.

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Illegalen Exporten einen Riegel vorschieben

Trotz verschärfter Regelungen kommt es jedoch immer wieder zu illegalen Exporten, oft wird nur ein Teil des Mülls tatsächlich recycelt. Erst im Dezember 2021 hatte Greenpeace die Bundesregierung und die Bundesländer aufgefordert, über hundert Abfallcontainer aus der Türkei, Griechenland und anderen Ländern zurückzuholen. Nach Angaben der Umweltorganisation sollen sie illegal dorthin gebracht worden sein.

Gegen solche illegalen Exporte will Bundesumweltministerin Steffi Lemke nun verschärft vorgehen, wie sie in einem Interview mit dem Tagesspiegel betonte. Der Vollzug des Verbots durch die Bundesländer solle zukünftig verbessert werden. Darüber hinaus will sich Lemke für ein „weitgehendes Exportverbot” für Kunststoffabfälle in der EU einsetzen. „Möglichst viele unserer Abfälle sollen künftig auch innerhalb der EU wieder zur Basis für neue Produkte werden”, so ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. Wie eine Ausweitung des Exportverbots genau aussehe, sei Gegenstand der Abstimmungen mit den EU-Partnern in der kommenden Zeit.

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Neuer Großabnehmer Türkei

Deutschland exportiert insgesamt rund ein Sechstel des hierzulande erzeugten Plastikabfalls. Viele Jahre ging der Großteil dieser Exporte in die Volksrepublik China. Doch das Land hat 2018 seine Grenzen für Kunststoffabfälle aus dem Ausland geschlossen. Seitdem haben sich andere Staaten als Zielländer etabliert: Mit gut 170.000 Tonnen wurde die größte Menge deutschen Plastikmülls 2020 nach Malaysia exportiert.

Auf Platz zwei der Statistik landete 2020 die Türkei. Wurden 2017 noch 19.000 Tonnen dort deponiert, waren es drei Jahre später 136.000 Tonnen. Einiges landet darüber hinaus über die Niederlande in der Türkei. Der Europäische Wirtschaftsdienst (EUWID) nimmt an, dass das Land durch diese indirekten Exporte nun sogar vor Malaysia das wichtigste Zielland für deutschen Plastikmüll sein könnte. 

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