Wissenschaft

10 seltsame Fakten über die Erde, die ihr (vermutlich) noch nicht kennt

Der Planet, den wir unser Zuhause nennen, ist noch bizarrer, als man vielleicht denkt. Mittwoch, 6 Dezember

Von Nadia Drake

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Erde ein überwältigender Ort ist. Der Meinung sind insbesondere die Handvoll Menschen, welche sie mit eigenen Augen vom Weltall aus gesehen haben.

„Wir halten uns tendenziell eher für seltsame kleine Menschen auf einem riesigen, mächtigen Planeten und daher auch für völlig unbedeutend für alles, was den Planeten auf einer planetaren Ebene beeinflussen könnte“, sagt Kathryn Sullivan. Die ehemalige NASA-Astronautin wurde 1984 zur ersten Frau, die einen Weltraumspaziergang unternahm. „In mancher Hinsicht stimmt das auch. Aber wenn man einen Schritt zurückgeht und den gesamten Planeten betrachtet, sieht man, wie verbunden und verflochten all die vorhandenen Systeme miteinander sind.“

Selbst mit all ihrer Herrlichkeit und Erhabenheit ist die Erde aber auch irgendwie seltsam. Mal abgesehen von der Tatsache, dass sie bisher der einzige bekannte Planet ist, auf dem es Leben gibt, weist sie auch eine Reihe anderer Eigenheiten auf. Das fängt bei geophysischen Merkwürdigkeiten an und geht über sonderbare Landschaften bis hin zu den Lebewesen, die sich auf ihr tummeln. Je mehr wir über die Eigenheiten der Erde lernen, desto mehr lernen wir ihre zahlreichen Wunder zu schätzen – selbst, wenn sie so scheinbar banal sind wie die Luft, die wir atmen.

„Man sieht sich die Erde und diesen riesigen, gewaltigen Ozean an, [und die Atmosphäre] entspricht da viel eher der rauen Schicht auf einem Tennisball als einem riesigen Ding“, sagt Sullivan. „Sie ist wie die Wand einer Seifenblase, diese kleine Membran, die dieses Quäntchen Gestein umgibt und der Grund dafür ist, dass Wesen wie wir darauf leben können.“

Hier haben wir einige der seltsamsten Eigenheiten dieser von Gas umgebenen Kugel aus Gestein und Wasser aufgelistet, die wir unser Zuhause nennen.

Die Pole der Erde tauschen die Plätze

Wir wissen alle, dass Norden ... nun ja ... im Norden liegt, irgendwo über Grönland, und dass sich der Südpol ungefähr in der Mitte der Antarktis befindet. Auf die geografischen Pole des Planeten wird das vermutlich für immer zutreffen, aber für die magnetischen Pole ist das nur ein vorübergehender Zustand. Im Laufe der letzten 20 Millionen Jahre haben die magnetischen Pole ihre Position nach ein paar Hunderttausend Jahren immer mal getauscht, was bedeutet, dass einem ein Kompass vor 800.000 Jahren den Nordpol in der Antarktis angezeigt hätte.

Obwohl sich die Wissenschaftler recht sicher sind, dass diese Polakrobatik durch den aufgewühlten, geschmolzenen Eisenkern des Planeten entsteht, ist noch nicht ganz klar, was genau den Tausch auslöst. Es ist ein allmählicher Prozess, der sich über Jahrtausende hinziehen kann. Aktuell bewegt sich der magnetische Nordpol der Erde jedes Jahr um etwa 64 Kilometer nach Norden. Und bedenkt man, dass der letzte große Poltausch vor 780.000 Jahren stattfand, ist der nächste Tausch eigentlich wieder fällig.

Unser Mond ist übergroß

Am vergangenen Sonntag konnte man den letzten Supermond beobachten. Aber unabhängig davon, wie groß der Erdtrabant an unserem Nachthimmel wirkt, zählt er stets zu den übergrößten Satelliten unseres Sonnensystems. Relativ zur Erde ist er gigantisch und hat immerhin ein Viertel der Breite unseres Planeten.

Das einzige himmlische Zweiergespann, welches das Erde-Mond-Team in dieser Hinsicht schlägt, besteht aus Pluto und seinem größten Mond Charon. Die beiden bilden im Grunde eher ein Doppelplanetensystem – also zwei Planeten, die einen gemeinsamen Schwerpunkt umkreisen – als ein typisches Paar aus Planet und Mond. Die Tatsache, dass unser Mond so groß und so nah ist, hat unter anderem den Vorteil, dass wir das Phänomen der totalen Sonnenfinsternis erleben können.

Die größte Säugetierwanderung findet in der Luft statt

Vielleicht habt ihr gedacht, dass die größte Säugetiermigration jene der 1,3 Millionen Gnus ist, die zwischen Kenia und Tansania umherziehen – aber das ist falsch.

Jedes Jahr fliegen Millionen und Abermillionen von Flughunden zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Kasanka-Nationalpark in Sambia hin und her. Mit mehr als zehn Millionen dieser katzengroßen, Mangos fressenden Fledertiere, die diese Reise antreten, handelt es sich um die größte bekannte Säugetierwanderung der Welt.

Das größte Lebewesen ist ein riesiger Pilz

Wenn es um das größte Lebewesen der Erde geht, denken die meisten vielleicht an Blauwale, Elefanten oder Bäume. Manche würden vielleicht auch auf Korallenriffe als die größten Anhäufungen von Lebewesen verweisen.

Aber der größte, einzelne Organismus, der uns bekannt ist, ist ein Honigpilz (Armillaria) im US-Bundesstaat Oregon. 1992 erstreckte sich ein solcher Pilz in Michigan auf 15 Hektar. Als kürzlich ein mysteriöses Baumsterben untersucht wurde, entdeckte ein Forschungsteam, dass der Übeltäter ein noch gigantischerer Pilz war, der mindestens 809 Hektar bedeckt und Schätzungen zufolge Tausende Jahre alt ist.

Die Pilze selbst sprießen aus dem Boden, sind aber durch ein unterirdisches Netzwerk aus Gewebe namens Myzelien miteinander verbunden. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Ableger des Pilzes keine perfekten Klone sind, aber dennoch scheint der gigantische Pilz eine Größentrophäe zu verdienen (und anscheinend schmeckt er ausgezeichnet zu Spaghetti).

Manche Teile sehen ziemlich außerirdisch aus

Die Danakil-Senke in Äthiopien ist eine bizarre Landschaft, die eine ganze Reihe von Superlativen verdient: Heißeste. Trockenste. Tiefste. Seltsamste. Obwohl die köchelnden heißen Quellen, die giftigen Gase, die knisternden Lavaseen und die salzigen Trugbilder die Danakil-Senke wie einen der unwirtlichsten Orte der Erde erscheinen lassen, hat das Leben selbst hier einen Weg gefunden. In den bunten Hydrothermalquellen findet man Ökosysteme, die Astrobiologen derzeit als analoge Modelle für die Suche nach Leben außerhalb der Erde nutzen.

Es gibt eine Insel mit einem „Wasserfall unter Wasser“

Die Südwestküste von Mauritius scheint sich am Rande eines Untersee-Wasserfalls zu befinden. Aber der Abgrund, der sich dort abzeichnet, ist nur eine Illusion. Die wirbelnden Meeresströmungen tragen Schlick und Sand mit sich und erzeugen so das erschreckende Muster, das sich auf dem eigentlich harmlosen Meeresgrund abzeichnet. Von oben gesehen wirkt der Anblick spektakulär und kann sogar auf Google Earth bestaunt werden.

Unter unseren Füßen gibt es versteckte Schätze

Etwa 300 Meter unter dem Boden Mexikos befinden sich in der treffend benannten Höhle der Kristalle die größten bekannten natürlichen Kristalle der Welt. Einige der Riesenkristalle aus Selenit sind über neun Meter lang. Man sollte meinen, es wäre gar nicht so einfach, eine solche Höhle über lange Zeit versteckt zu halten. Aber sie wurde tatsächlich erst im Jahr 2000 entdeckt, als Bergarbeiter einer Silbermine versehentlich die Höhlenwand durchbrachen.

Ein ähnlich magischer, unterirdischer Schatz ist die Sơn-Đoòng-Höhle in Vietnam. Sie ist zwar die größte Höhle der Welt, war aber bis 1991 ebenfalls noch unbekannt. In der Höhle befindet sich ein üppiger Regenwald, und sie ist so groß, dass eine Boeing 747 bequem darin parken könnte.

Einige der Wolken leben

Manchmal erscheinen während der Abenddämmerung dunkle Wolken in Bodennähe, die ihre Form wechseln. Während sie umherwirbeln und sich verändern, scheinen sie regelrecht lebendig – und das sind sie auch. Sie bestehen aus Hunderttausenden Staren, die im Einklang miteinander fliegen. Das Phänomen wird als Formationsflug oder Murmuration bezeichnet. Wissenschaftler vermuten, dass die Vögel diese hypnotischen Bewegungen fliegen, wenn sie Fressfeinden ausweichen oder nach einem Schlafplatz suchen. Aber es ist noch immer ein Mysterium, wie genau sie es schaffen, diese akrobatischen Flugmanöver synchron durchzuführen.

Es gibt eine Unterwasserwiese

Wer ist der Älteste von allen?

Das verbreitetste Seegras des Mittelmeerraums, das Neptungras (Posidonia oceanica), wurde nach dem griechischen Gott des Meeres benannt. Man vermutet, dass es zu den ältesten bekannten Organismen der Erde zählt. Eine genetische Sequenzierung offenbarte vor Kurzem, dass die Seegraswiese vor der Küste Spaniens bis zu 100.000 Jahre alt sein könnte.

Das bedeutet, dass die ersten Seegrashalme schon ihre Wurzeln schlugen und den Prozess der Zellteilung und Klonung begannen, als die Vorfahren des modernen Menschen noch nicht einmal Afrika verlassen hatten. Einer der Gründe dafür, warum das langsam wachsende Posidonia so lange überlebt, ist die Tatsache, dass dieses Gras so wenig Konkurrenz und kaum Fressfeinde hat. Lediglich der Mensch zerstört den Lebensraum des uralten Seegrases durch das schlechte Meeresmanagement und die explodierenden Bevölkerungszahlen langsam.

Einer der Flüsse kocht

Einst hielt man ihn für eine Legende, aber tief versteckt im peruanischen Amazonasgebiet gibt es einen kochenden Fluss. Im Grunde kocht er nicht wirklich, sondern bewegt sich nur ein paar Grad unter dem Siedepunkt. Aber das Wasser ist heiß genug, um den ohnehin schon fremdartigen Regenwald in ein dampfendes, mystisches Paradies zu verwandeln und ungeschickte Tiere bei lebendigem Leib zu kochen.

Kürzlich besuchte der National Geographic Explorer Andrés Ruzo den kochenden Fluss und kehrte mit einem Grund für dessen überschäumendes Temperament zurück: eine enorme geothermische Aktivität, die nicht mit vulkanischer Aktivität oder Ölbohrungen in Verbindung steht.

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