Wissenschaft

13.000 Jahre alte menschliche Fußabdrücke in Nordamerika entdeckt

Der Fund stützt die Theorie, dass Menschen über eine Landbrücke nach Alaska gelangten und an der Westküste südwärts wanderten.Samstag, 7. April 2018

Von Sarah Gibbens
Ein 13.000 Jahre alter menschlicher Fußabdruck in einem Tonboden.

Als Menschen vor 13.000 Jahren an der Westküste des heutigen Kanada entlangliefen, hinterließen sie Spuren.

So zumindest steht es in einer neuen Studie, die im Fachmagazin „PLOS ONE“ veröffentlicht wurde und 29 menschliche Fußabdrücke beschreibt, die an der Küste von Calvert Island in British Columbia entdeckt wurden.

Laut einem Interview der „New York Times“ entdeckte der Anthropologe Duncan McLaren vom Hakai Institute und der Universität von Victoria die Spuren 2014. Bei darauffolgenden Ausflügen in den Jahren 2015 und 2016 kamen noch weitere zum Vorschein.

Ausgehend von den Umrissen der Abdrücke vermuten die Forscher, dass sie von zwei Erwachsenen und einem Kind stammen. Sie befinden sich in einem Tonboden, und das natürliche Terrain der Landschaft – gröberes Sediment und eine weitere Tonschicht – hat womöglich dabei geholfen, die alten Spuren zu erhalten. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode konnten die Wissenschaftler Proben der Spuren auf ein Alter von 13.000 Jahren datieren.

Damit würde es sich um die ältesten bekannten menschlichen Fußabdrücke in Nordamerika handeln.

WAS BEDEUTET DAS?

„Dieser Fund liefert einen Beweis für das seefahrende Volk, welches dieses Gebiet am Ende der letzten großen Eiszeit bevölkerte“, sagte McLaren in einer Pressemitteilung.

Vorige Studien hatten die Theorie gestützt, dass Menschen erstmals über eine Landbrücke zwischen Asien und Alaska nach Nordamerika migrierten. Der Theorie zufolge zogen die frühen Amerikaner dann an der Westküste entlang nach Süden.

Heutzutage gestaltet es sich allerdings schwierig, nach archäologischen Belegen dieser Reise gen Süden zu suchen. Am Ende der letzten Eiszeit war der Meeresspiegel in dieser Region 1,80 m bis 3,0 m niedriger, und heutzutage ist die Küste von dichten Wäldern bedeckt. Ein Großteil der Küstenlinie ist nur per Schiff oder Boot erreichbar.

Den Autoren der Studie zufolge stützt ihr Fund die Theorie, dass Menschen entlang der Küste nach Süden zogen.

WAS BISHER GESCHAH

2007 hatte man DNA aus einem Zahn von der Prince-of-Wales-Insel im Süden Alaskas extrahiert und auf ein Alter von 10.300 Jahren datiert. 2008 hatte eine Studie sowohl modernes als auch altes genetisches Material untersucht und kam zu dem Schluss, dass Menschen frühestens vor 15.000 Jahren nach Amerika kamen.

Wo aber hielten sich unsere Vorfahren vorher auf?

Man vermutet derzeit, dass der Ursprung des Menschen Mensch etwa 200.000 Jahre in Vergangenheit liegt, im Südosten Afrikas. Allerdings wurde im letzten Jahr eine Studie veröffentlicht, der zufolge es etwa 300.000 Jahre alte Belege für die Anwesenheit des frühen Menschen in Marokko gibt. Von Afrika aus sollen Menschen dann gen Osten nach Australien gesegelt sein oder wanderten nordwärts nach Europa und Asien.

Eine 2011 veröffentlichte Studie stellte die Vermutung auf, dass eine Warmzeit vor etwa 130.000 Jahren den Menschen die Gelegenheit gab, Afrika zu verlassen. Der vermehrte Niederschlag hätte die Flüsse anschwellen lassen und schiffbar gemacht und hätte außerdem für erträglicheres Klima gesorgt.

Gemeinhin wird angenommen, dass die Menschheit Afrika frühestens vor 60.000 Jahren verließ, allerdings wurden Anfang des Jahres Hinweise darauf veröffentlicht, dass sich Menschen schon vor 120.000 Jahren im heutigen Israel aufhielten.

Der Fund der Fußabdrücke in Kanada ist ein Hinweis auf die menschliche Migration, allerdings eben auch nicht mehr als das, wie die Autoren der Studie betonen.

Es sind noch weitere Ausgrabungen und archäologische Beweise nötig, um den Weg ausfindig zu machen, den sich die ersten Menschen in Amerika bahnten.

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