Wissenschaft

Ausschlag nach Strandbesuch: Was piesackt Badegäste in Florida?

Der Kontakt mit den Verursachern des Ausschlags lässt sich beim Baden kaum vermeiden. Dienstag, 3 Juli

Von Theresa Machemer

Strandgänger in den USA werden nach ihrem Besuch am Meer aktuell oft von einem juckenden Ausschlag geplagt.

Vergangenen Montag hissten Rettungsschwimmer in Pensacola in Florida eine violette Flagge, um Strandbesucher vor „gefährlichen Tieren“ im Wasser zu warnen. Badegäste hatten zuvor den Strand ohne Beschwerden verlassen und entdeckten am nächsten Tag einen roten, jucken Ausschlag auf ihrer Haut.

Obwohl es bisher keine Berichte über schwere Krankheitsverläufe gab, können im Extremfall Fieber, Übelkeit und Schüttelfrost auftreten. Meist tritt ein schwerer Verlauf eher bei Allergikern und Kindern auf.

WAS VERURSACHT DIE SYMPTOME?

Die Verursacher des Ausschlags sind die Larven von Quallen, vermutlich vorwiegend der Art Linuche unguiculata. Im Englischen werden die Larven auch gern als „sea lice“ (dt. Seeläuse) bezeichnet. Die Larven sind durchsichtig und im Wasser fast nicht auszumachen, weshalb man sie auch nur schwer meiden kann.

Nicht zu verwechseln sind die Larven mit den Flohkrebsen und den kleinen Krebstieren der Caligidae-Familie, welche im Englischen ebenfalls als „sea lice“ bezeichnet werden, aber hauptsächlich Fische befallen.

Die Übeltäter, die aktuell die Badegäste in Florida piesacken, befinden sich im ersten Stadium im Lebenszyklus der Quallen. Die winzigen Larven sind kaum größer als ein Pfefferkrümel und schweben in den Strömungen des Meeres umher, bis sie irgendwann zum Meeresboden sinken und zu Polypen werden. Die Polypen bilden schließlich die freischwimmenden Medusen – also die vertrauten, schirmförmigen Quallen.

Die Quallen der Art Linuche unguiculata leben in den Gewässern Mexikos und der Karibik, aber ihre Larven werden in den Sommermonaten von den Meeresströmungen bis zur US-Küste getragen.

Auch in den nordöstlichen Küstenstaaten der USA kam es schon zu solchen Hautausschlägen. Sie treten dort jedoch nicht so häufig auf und werden auch nicht von Quallenlarven verursacht. Stattdessen sorgen dort die Larven von Seeanemonen für Rötungen und Juckreiz.

WIE ENTSTEHT DER AUSSCHLAG?

Die Larven der Quallen und Seeanemonen sind zwar winzig, aber keinesfalls wehrlos.

Genau wie ausgewachsene Quallen und Seeanemonen verfügen die Larven über Nesselzellen, in denen sich mit Toxinen gefüllte Nesselschläuche befinden. Wenn sich die Larven in einer Stresssituation befinden – zum Beispiel, wenn sie sich plötzlich in einer Achselhöhle oder unter einem Badeanzug wiederfinden –, kommen die Nesselzellen zum Einsatz. Dann werden die Nesselschläuche herausgeschleudert und injizieren bei Kontakt das Toxin in die Haut der „Bedrohung“.

Je nach Art kann sich das Toxin der Quallen voneinander unterscheiden, aber die häufigsten Inhaltsstoffe scheinen Porine zu sein. Sobald sie in die Haut eindringen, können sie Löcher in den Membranen der Zellen öffnen.

Manche Arten wie Würfelquallen verwenden Toxine, die Löcher in Haut, Blutkörperchen und Nervenzellen schlagen. Der Ausschlag, der durch die Larven verursacht wird, beschränkt sich aber meist auf eine Hautreizung. Außerdem tritt er nicht sofort nach dem Kontakt mit den Larven auf, sondern meist erst 24 Stunden nach dem Verlassen des Wassers.

WIE KANN MAN DEN AUSSCHLAG VERMEIDEN?

Der sicherste Weg, um Kontakt mit den Larven zu vermeiden, besteht darin, einfach nicht ins Wasser zu gehen. Aber auch schwimmfreudige Strandbesucher haben Möglichkeiten, um sich zu schützen und den Strandbesuch trotzdem zu genießen.

Auf jeden Fall sollte man auf die violette Flagge achten, die auf gefährliche Meerestiere im Badebereich hinweist. Allerdings kann die Flagge vor mehr als nur unangenehmen Larven warnen, daher ist es ratsam, das örtliche Strandpersonal und die Rettungsschwimmer zu befragen.

Die Haut sollte so unbedeckt wie möglich sein, um zu vermeiden, dass die Larven zwischen den Badetextilien und der Haut gefangen werden. Nach dem Baden sollte man sich außerdem nicht abtrocknen, da auch das die Nesselzellen der Larven aktivieren kann, die eventuell noch an der Haut kleben. In jedem Fall sind eine gründliche Dusche und ein Auswaschen der Badekleidung im Anschluss an das Baden empfehlenswert.

Wer dennoch gestochen wird, dem können Antihistaminika und Hydrocortison-Cremes helfen, die Symptome zu lindern.

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