Fotografie

Fotowettbewerb: 5 Fragen an Jurymitglied Lutz Fischmann

Foto-Contest Donnerstag, 9 November

Von Alexandra Polič
Bilder Von Colourbox

Lutz Fischmann ist Geschäftsführer des Fotojournalisten-Verbands Freelens. Gemeinsam mit drei weiteren Jurymitgliedern wählt er aus allen Teilnehmern unseres Fotowettbewerbs den Fotografen des Jahres. Im Interview verrät er, was für ihn ein gutes Bild ausmacht.

Worauf achten Sie bei den Einsendungen besonders?

Wenn ich mir eine große Anzahl an Fotos ansehe, achte ich immer darauf, ob mich ein einzelnes Bild sofort in seinen Bann zieht – und warum es das tut. Dann gehe ich einen Schritt weiter und prüfe, ob das Foto einem zweiten Blick standhält. Im Idealfall entdecke ich dabei auch noch etwas Neues.

Können Sie Ihre Arbeit als Jurymitglied in ein paar Schritten beschreiben?

Zuallererst sehe ich mir die Fotografie an. Ich treffe eine Vorauswahl, indem ich in meinem Kopf alle Bilder lösche, die ich „Klischeebilder“ nenne: Fotos von Sonnenuntergängen oder großen Kinderaugen etwa. Aus den übrigen Bildern suche ich jene aus, die mich besonders ansprechen. Da wir heute ständig mit Bildern konfrontiert sind, muss das Gewinnerbild eines Wettbewerbs etwas Außergewöhnliches sein. Und da betrachte ich im zweiten Schritt die thematische Umsetzung. Toll finde ich Fotos, die ich so unter diesem Motto noch nie gesehen oder aus diesem Blickwinkel noch nie betrachtet habe.

Haben Sie Tipps für unsere Teilnehmer?

Ich würde den Teilnehmern immer raten, uns nicht mit Exotik überraschen zu wollen. Das hat einen einfachen Grund: Wenn wir als Jury ein Bild betrachten, versuchen wir oft, die Exotik aus dem Bild zu streichen. Das heißt, wenn ich mir ein farbenfrohes Bild ansehe, lösche ich gedanklich die Farbe und frage mich: Was bleibt übrig? Das ist das eigentliche Foto, unabhängig von der ästhetischen Qualität. Unser Alltag hier in Deutschland bietet so viele einfache, spannende Momente, die man fotografisch festhalten kann.

Haben Sie auch eine Empfehlung für die richtige Technik? 

Da kann ich nur sagen: Das Foto muss auf keinen Fall technisch perfekt umgesetzt sein. Viele Fotografen neigen dazu, in ihren Bildern alles gerade und scharf darzustellen. Würde man in der Malerei so vorgehen, wäre das total langweilig. Letztendlich kommt es darauf an, was im Kern des Fotos steckt, frei von jeglicher Exotik, und ohne Ansprüche auf technische Perfektion. Das haben auch mehrere Siegerbilder der vergangenen Jahre bewiesen.

Sie sind seit 2013 in der Jury des Wettbewerbs. Ist Ihnen rückblickend eines besonders in Erinnerung geblieben? 

2013 hatte ich mich für ein Bild von einem Giraffenhals stark gemacht. Es ist leider nicht das Siegerbild geworden. Aber der Fotograf zeigte einen ungewöhnlichen Blick auf eine Situation. Er war mutig, machte ein sehr reduziertes Bild: Darauf war schließlich nur der Ausschnitt eines Giraffenhalses zu sehen. Es war einfach wahnsinnig einprägsam – und hat mich sofort in seinen Bann gezogen.

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