Reise und Abenteuer

Road Trip: Cape Breton Island

Entflieht dem Alltag auf Cape Breton Island, dem Glanzstück Nova Scotias. Dienstag, 28 November

Von Paul Martin

In den Fischerdörfern liegt ein Hauch von Salz in der Luft und im Landesinneren prägen Berglandschaften und dichte Wälder das Bild – Cape Breton Island gilt als Glanzstück Nova Scotias. Umgeben wird diese grüne Zuflucht voller Seen von den blauen Wassern des Sankt-Lorenz-Golfs und des Atlantiks. Auf dem Cabot Trail erlebt ihr diese landschaftliche Schönheit und könnt in die noch immer lebhafte gälisch-schottische und die akadisch-französische Kultur eintauchen.

Überblick

Auf der atlantischen Seite der Insel bewahren Städte wie Ingonish den Einfluss der ersten schottischen Siedler. Auf der Golfseite wird dagegen in Städten wie Chéticamp noch immer Französisch gesprochen und das akadische Erbe zelebriert. Nach einem 297 Kilometer langen Bogen, der um einen Großteil von Cape Breton Island führt, trifft der Cabot Trail an seinem nördlichsten Punkt auf den Cape-Breton-Highlands-Nationalpark. Das 950 Quadratkilometer große Areal besteht aus einem abgeflachten Plateau, das von tiefen Flusstälern durchbrochen wird. In dieser Wildnis sind Elche, Schwarzbären und Weißkopfseeadler zu Hause. Meist verläuft der Cabot Trail entlang der Randgebiete des Parks, an manchen Stellen führt die Straße aber auch auf steilen Klippen dicht am Meer vorbei. Die Stadt Baddeck am Bras d’Or Lake ist ein guter Startpunkt für die Tour. Von hier aus ist es eigentlich egal, in welche Richtung ihr den Rundweg des Cabot Trail fahrt. Unterwegs könnt ihr immer wieder anhalten, um frisch gefangene Meeresfrüchte zu essen oder die Landschaft von einem der vielen Aussichtspunkte entlang der Straße aus zu genießen. Ihr könnt in gemütlichen Gasthäusern oder B&Bs übernachten. Im Nationalpark gibt es insgesamt 25 Wanderwege, die ihr erkunden könnt.

Start in Baddeck

In Baddeck kann auf dem Gelände der Graham Bell National Historic Site herausgefunden werden, was der Erfinder des Telefons noch alles entwickelt hat. Das Museum ist voller Fotos und Erinnerungsstücke. Dazu gehört auch eine originalgetreue Nachbildung des wegweisenden Tragflächenboots, das Bell während des Ersten Weltkriegs entworfen hatte. Während ihr in der Stadt seid, solltet ihr euch auch ein Boot mieten und etwas auf dem Bras d’Or Lake herumrudern. So kann das Bell-Anwesen begutachtet, die grüne Küstenlinie bewundert und ein Blick auf nistende Seeadler erhascht werden. Amoeba Sailing Tours bieten täglich neunzigminütige Segeltouren an. Die Eltern von Kapitän John Bryson haben das 20 Meter lange Boot, das dafür genutzt wird, vor etwa 30 Jahren selbst gebaut.

Ingonish Beach

Wer sich mal etwas gönnen möchte, sollte die Nacht in der erstklassigen Keltic Lodge in Ingonish Beach verbringen. Direkt hinter dem Eingang zum Cape-Breton-Highlands-Nationalpark gelegen, blickt das Hotel von einer felsigen Klippe aus hinab auf den atlantischen Ozean. Höhepunkte des Aufenthalts sind ein Essen im Purple Thistle Dining Room und eine Wanderung über den Middle Head Trail. Der malerische Rundweg ist etwa vier Kilometer lang und führt vom Hotel aus zu einer windgepeitschten Landzunge, von der aus Richtung Schottland geblickt werden kann. Golfer können sich in der Nähe an dem 18-Loch-Golfplatz Highlands Links versuchen, der im Jahr 2000 vom „Score Golf Magazine“ als bester Golfplatz Kanadas ausgezeichnet wurde.

South Harbour

Nehmt die alternative Route von Neil’s Harbour bis South Harbour. Dort, wo der Cabot Trail ins Inland abbiegt, folgt diese malerische Straße weiter der Küstenlinie. Es mag zwar nicht die beste Straße sein, aber die Landschaft – und die ungeschminkten Küstenörtchen, an denen ihr vorbeikommt – sind es wert. All die übereinandergestapelten Hummerfangkörbe sind nicht nur Dekoration!

Pleasant Bay

Biegt dann nach Pleasant Bay ab für ein Mittagessen im Rusty Anchor Restaurant. Hier gibt es die besten Hummerbrötchen, die der Cabot Trail zu bieten hat. Serviert wird das reine Hummerfleisch in getoasteten Brötchen mit nur wenig Butter (und zum Glück ohne Sellerie oder Salatdressing). Auf die Frage, woher die frischen Austern kommen, wird die Miteigentümerin des Restaurants, Donna Timmons, einfach „zwanzig Minuten die Straße runter“ antworten. An warmen Tagen könnt ihr auf der Terrasse essen und den umwerfenden Blick aufs Meer genießen. Und wenn ihr schon in der Gegend seid, solltet ihr auch das Whale Interpretive Centre besuchen, um mehr über die faszinierende Welt der Wale zu erfahren.

Cape Breton Highlands Bog

Um ein richtiges Moor der Cape Breton Highlands zu sehen, nehmt ihr den Bog Trail, auf Deutsch(Überraschung): den Moor-Wanderweg. Die Nummerierung auf den Schildern der Wanderwege entlang des Cabot Trail folgt meistens den Nummerierungen der offiziellen Parkwanderkarten. Auf dem kurzen, 20-minütigen Spaziergang könnt ihr neben Orchideen und fleischfressenden Pflanzen vielleicht auch einen Elch sehen. Der Weg ist für Rollstühle und Kinderwagen geeignet.

Petit Étang

Holt euch ein frisches Baguette in der Aucoin Bakery in Petit Étang. Das Menü veranschaulicht wunderbar die kulturellen Unterschiede zwischen der hiesigen französischen Region und den schottischen Städten, die nur eine Stunde entfernt an der atlantischen Küste liegen. Denn wer in der Bäckerei nach den schottischen Haferkeksen fragt, die es in der Keltic Lodge bei jedem Abendessen gibt, bekommt höchstens zur Antwort, was das denn sein soll.

Chéticamp

In dem französischen Städtchen Chéticamp, das gleich außerhalb des Parks liegt, solltet ihr an einer Walbeobachtungstour teilnehmen (Whale Cruisers Ltd., Government Wharf, Cabot Trail Rd.). Viele Anbieter garantieren, dass Wale oder andere Meerestiere gesichtet werden, ansonsten gibt es das Geld zurück. Besonders oft können Grindwale gesichtet werden, genauso häufig sind aber Seeadler und Elche, die an den beinahe senkrechten Hängen, wo die Landzunge des Parks ins Meer abfällt, nach Futter suchen. Zurück in Chéticamp ist der Hafenkai der beste Ort, um den Sonnenuntergang zu genießen und den Klängen französischer Live-Musik zu lauschen.

Zum Ende noch ein bisschen keltischer Spaß

Südlich von Margaree Harbour biegt der Cabot Trail wieder ins Inland ab. Hier führt die Straße durch das hügelige Ackerland des Margaree River Valley zurück nach Baddeck. Wer zur richtigen Zeit ankommt, kann noch kurz in The Barn vorbeischauen. Auf dem Gelände des Normway Inn wird oft traditionelle keltische Musik aufgeführt. Zuerst geben die besten Musiker von Cape Breton Island Fiedelkonzerte und danach kann dann jeder das Tanzbein schwingen.

Reisezeit:

Sommer ist die beste Zeit für die Fahrt auf dem Cabot Trail.

 

Text von Paul Martin, zuerst erschienen in National Geographic Traveler und für diese Veröffentlichung überarbeitet

 

Entdeckt die atemberaubenden Landschaften, faszinierenden Kulturen und Städte Kanadas auf: ERLEBNIS KANADA

Wei­ter­le­sen