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Abenteuer Südpol: Expedition zu den letzten unberührten Orten

Der Weiße Kontinent ist eine Herausforderung für Material und Crew, doch die neue Generation Schiffe wurde speziell für solche Bedingungen konzipiert. Sie verspricht Passagieren unvergessliche Augenblicke.

Von Jamie Lafferty, Julia Buckley
Veröffentlicht am 7. Juni 2022, 11:14 MESZ
Der Weiße Kontinent ist eine Herausforderung für Material und Crew, doch die neue Generation Schiffe wurde ...

Der Weiße Kontinent ist eine Herausforderung für Material und Crew, doch die neue Generation Schiffe wurde speziell für solche Bedingungen konzipiert. Sie verspricht Passagieren unvergessliche Augenblicke.

 

Foto von Torsten Dederichs / Unsplash.com

Das perfekte Licht im Paradies scheint durch einen kurzen Tunnel und schlägt mir mit göttlicher Hand ins Gesicht. Ich schaue aus dem Bullauge meiner Kabine an Bord der Greg Mortimer, dem neuen Schiff des Anbieters Aurora Expeditions. Es ist einer dieser makellosen Polarmorgen, an dem die Grenze zwischen Meer und Himmel fast nicht auszumachen ist. Wir erreichen gerade Paradise Harbour – der Name könnte nicht passender sein. Bei diesem Wetter sieht das Schiff aus wie im Katalog, schimmernd in der Sonne, eins mit der polaren Umgebung, für die es konzipiert wurde. Die Greg Mortimer, benannt nach dem australischen Entdecker und Aurora-Gründer, ist das neueste Schiff in der Antarktis.

​Südpol: Waghalsige Landung an Port Wild

Während der 21-tägigen Kreuzfahrt „South Georgia & Antarctic Odyssey“ höre ich verschiedenste Beschreibungen für die revolutionäre Form des Schiffes – ein Vogel, ein U-Boot, ein Bügeleisen. Fakt ist, es kommt bemerkenswert gut mit rauer See zurecht und verschwendet weniger Treibstoff in den Turbulenzen der südlichen Meere. Seegang, der auf anderen Schiffen Gläser fliegen lassen würde, ist hier kaum spürbar. Für viele der 120 Passagiere an Bord ist das ein Segen, als wir die berüchtigte Drakestraße durchqueren, um die Antarktische Halbinsel herumnavigieren und Shackletons legendärer, todesverachtender Route nach Südgeorgien folgen. Zu guter Letzt weichen wir im Südatlantik einem böse aussehenden Sturm aus, während wir zu den Falkland-Inseln übersetzen.

Die Insel Südgeorgien ist ein beliebter Zwischenstopp auf Kreuzfahrten zum Südpol. Hier kann man einer Kolonie von Kaiserpinguinen begegnen.

Foto von Heidemsy / Pixabay.com

Unterwegs sehen wir eine Gruppe von Finnwalen, die die Wasseroberfläche durchbrechen. Ein anderes Mal beobachten wir Albatrosse, die unserem Schiff folgen wie vor über einem Jahrhundert der legendären Endurance. Auch vor großen Eisbergen muss unser Kapitän auf der Hut sein. Die Entdeckerfantasien werden durch Komfort ergänzt. Die Greg Mortimer wird für Expeditionen eingesetzt, sie ist aber immer noch ein Kreuzfahrtschiff. Zum Glück ohne abendliche Unterhaltung, aber mit WLAN – eine meiner Meinung nach unnötige Ergänzung des polaren Kreuzfahrterlebnis. Sollten die letzten unberührten Orte der Welt einen nicht dazu bringen, das Smartphone wegzulegen?

Das wahre Abenteuer wartet draußen, sei es, als wir eine Königspinguin-Kolonie mit über 200000 Tieren in der Salisbury Plain besuchen oder die zufriedenen, satten Gesichter von schlanken Seeleoparden betrachten, die auf Eisbergen dösen. Zur Philosophie von Aurora gehört es auch, Grenzen zu überschreiten, etwa bei einer waghalsigen Landung am Point Wild (wie Paradise Harbour könnte dieser Ort keinen anderen Namen haben). Trotz der jahrzehntelangen Erfahrung der Mitarbeiter sind nur wenige von ihnen dort gelandet. Doch die Bedingungen sind gerade gut genug, dass Expeditionsleiter Stephen Anstee es schafft, uns mit den Zodiacs auf festen Boden zu bringen. Mit der Greg Mortimer mag sich die Technik bei einer Antarktis-Kreuzfahrt verändert haben. Eins bleibt jedoch gleich: das Verständnis für diese großartige Umwelt – und die tiefgreifenden Gefühle, die sie bei den Passagieren auslöst.

An vielen Stellen der Antarktis sind die Klippen zu rau und die Witterungsbedingungen zu unbeständig, um jemals mit einem Boot landen zu können.

Foto von Michelle Raponi / Pixabay.com

​Eine Reise zu Orten, die noch kein Mensch betreten hat

Nicolas Dubreuil, Experte für Polar- und Tropenexpeditionen bei der Kreuzfahrtgesellschaft Ponant, berichtet: „Die Arktis ist wie eine Droge – sie macht süchtig. Es ist toll, Passagiere an einen Ort zu bringen, an dem noch niemand zuvor gewesen ist. Zu Beginn setzt man seine Füße auf unbekanntes Land und denkt, das ist derselbe Felsen wie bei einem zu Hause. Aber dann macht man sich bewusst, dass vielleicht noch nie ein Mensch an diesem Strand gewesen ist, und es ist etwas ganz anderes.

Wenn man einen Ort betritt, über den es keine Karten gibt, und der Erste ist, der dort hinkommt, ist das ein sensationelles Gefühl. Der Mensch erreichte den Nordpol 1969 – im selben Jahr, in dem wir den Mond betraten. Diese Orte sind einfach unglaublich, und wir schreiben die Geschichte mit unseren Passagieren. Mir geht es nicht um den Luxus des Schiffes, für mich ist das Spannendste die Verbindung mit der Außenwelt.“

 

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Foto von National Geographic

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