Metropole der Gegensätze: Istanbul im Wandel zwischen Antike und Moderne?

In der Metropole am Bosporus trifft antik auf modern: Istanbul ist geprägt von historisch bedeutsamen Bauwerken mit bunten Kacheln und flauschigen Teppichen, dazwischen pulsiert das alltägliche Leben in Märkten, Cafés, Bars und Restaurants.

Von Franziska Haack
Veröffentlicht am 30. Nov. 2023, 21:32 MEZ
Rote Straßenbahn auf der İstiklal Straße

Eine der berühmten roten Straßenbahnen auf der İstiklal Straße im Stadtteil Beyoglu.

Foto von RauL C7 / Shutterstock.com

Glänzendes Fell und charmant miauende Annäherungsversuche. Ob es an der guten Ernährung mit Kebab und Gözleme liegt, dass die Straßenkatzen in Istanbul so gepflegt und zutraulich sind? Während uns eine Katze in einem Straßencafé um die Beine streicht, beobachten wir, wie ein Kellner die Streuner mit Essensresten versorgt. Später verteilt eine Frau Trockenfutter und Streicheleinheiten. „Die Menschen hier kümmern sich um die Katzen und Hunde auf der Straße, als wären es ihre eigenen“, erklärt Bülent Bilgiç und zeigt auf eine Reihe von Gefäßen mit Wasser.

Bülent Bilgiç arbeitet seit über 25 Jahren als Stadtführer. Er navigiert Individualreisende und Reisegruppen durch die Stadt, erzählt historische Details und Anekdoten aus dem Istanbuler Alltag. Die ersten elf Jahre seines Lebens verbrachte Bülent in Deutschland, 1984 kehrte die Familie in die Türkei zurück. Unsere gemeinsame mehrtägige Tour beginnt in Karaköy. Das trubelige Viertel hieß einst Galata, wie der dominante Turm in seiner Mitte, der als Sichtungsturm, Gefängnis und Observatorium diente. Heute ist er eine Touristenattraktion, beherbergt ein Museum zur (Stadt-)Geschichte und bietet eine grandiose 360-Grad-Aussicht über die ganze Stadt.

Bummeln auf der İstiklal

Wir stromern durch einige Straßen, in denen es nur Lampengeschäfte gibt, kommen an unzähligen sympathischen Cafés und Vintage-Läden vorbei und arbeiten uns so nach unten Richtung Bosporus vor. Zeit für eine süße Stärkung. Bülent steuert dafür Karaköy Güllüoğlu in einer Cafégasse in der Nähe des Wassers an. Seit 1843 werden hier verschiedenste Sorten baklava produziert. „Richtiges baklava besteht aus 40 Schichten, der Teig muss so dünn sein, dass man durchschauen kann“, erklärt Bülent. Gästen, die weniger Zucker bevorzugen, empfiehlt er baklava von Hafiz Mustafa in der İstiklal-Straße. Zum Gebäck gibt es traditionell Tee aus kleinen, schlanken Gläsern.

„Zwar sieht man überall Kaffee, aber die Türken trinken eher Tee – seit der Wirtschaftskrise in den 1940ern, als Kaffee so teuer war, dass die meisten auf Tee umsteigen mussten und dabei blieben.“ Von Karaköy Güllüoğlu ist es nur ein Katzensprung zum Galataport, aber es ist ein Sprung in eine andere Welt. Vom natürlich gewachsenen Viertel mit originellen Bars und alten Gebäuden kommend, finden wir uns in einem 1,2 Kilometer langen Prestigeprojekt wieder. Galataport vereint Konsum, Kultur und Kulinarik. Alles hier ist nigelnagelneu: der Hafen für Kreuzfahrtschiffe, die Mall, das İstanbul Museum of Modern Art.

Regelrecht aus der Zeit gefallen wirkt da der frisch renovierte Tophane Glockenturm aus dem 19. Jahrhundert auf dem gleichnamigen Platz, der den Übergang zum Galataport darstellt. Im Einkaufszentrum ist wenig los, dafür tummeln sich an diesem lauen Novemberabend die Menschen auf der Uferpromenade. Auch die Restaurants und Bars, etwa das Muutto, in dem unsere Gruppe mit exquisiten Drinks auf den ersten Tag in Istanbul anstößt, sind gut besucht. Auf dem Weg zurück in das mondäne, aber etwas in die Jahre gekommene Pera Palace Hotel, 1892 vom französisch-osmanischen Architekten Alexander Vallaury errichtet, bummeln wir durch die Einkaufsmeile İstiklal. Wie im Galataport sind hier viele wohlhabende Menschen unterwegs, aber es ist durchmischter.

​Fahren in der zweitälteste Metro der Welt

Gruppen von Studierenden und Familien, poshe Paare mit operierten Nasen und großen Uhren, völlig verschleierte Frauen und knapp bekleidete Mädchen schieben sich durch die Straße, bleiben hier und da bei Straßenmusikanten oder Snackverkäufern stehen. Regelmäßig bahnt sich eine rote Trambahn klingelnd ihren Weg. Der nächste Tag gehört der historischen Halbinsel mit Hagia Sophia, Süleymaniye Moschee und Topkapı-Palast. Zur Fortbewegung ohne Stau empfiehlt Bülent Straßenbahn oder Metro, „nach London die zweitälteste der Welt“! Wobei nur ein kleiner Teil des U-Bahnnetzes so alt ist. 1875 wurde die Tünel-Bahn, eigentlich eine Standseilbahn, eröffnet. Die Fahrt von Beyoğlu nach Karaköy hinunter ist ein kurzes Erlebnis von gerade mal 600 Metern.

Die Station liegt direkt an der langen Galatabrücke, die hinüber zur Altstadt führt. Am Ufer und auf der Brücke werfen Männer ihre Angeln aus, im Wasser schippert ein Müllsammelboot; mit langen Armen fängt es Plastikflaschen, Dosen, verlorene Schuhe und anderen Unrat ein.

National Geographic Traveler 4/23

Foto von National Geographic

Am nächsten Tag besichtigte unsere Autorin einige der bedeutenden UNESCO-Weltkulturerbestätten. Alle Tipps rund um Istanbul lesen Sie im NATIONAL GEOGRAPHIC TRAVELER 4/23. Verpassen Sie keine Ausgabe mehr: Sichern Sie sich die nächsten 2 Ausgaben zum Sonderpreis!

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