Eiscreme: nur selten ökologisch nachhaltig

Speiseeis enthält in den meisten Fällen Kokosöl, dessen Produktion mit erheblichen ökologischen Problemen einhergeht. Wir geben Tipps, wie der Eisgenuss dennoch nachhaltig geschehen kann.

Von Eileen Stiller
Veröffentlicht am 22. Juli 2022, 16:56 MESZ
Eiscreme

Speiseeis enthält in den meisten Fällen Kokosöl, dessen Produktion mit erheblichen ökologischen Problemen einhergeht. Wir geben Tipps, wie der Eisgenuss dennoch nachhaltig geschehen kann.

Foto von wanderson91 / Pixabay.com

Durch Zufall erfand Frank Epperson aus San Francisco 1905 Eis am Stiel (nicht das Speiseeis selbst, das erfanden die Chinesen). Der Elfjährige vergaß ein Glas Limonade mit einem Holzstäbchen darin im Freien – die über Nacht gefror. Knapp 120 Jahre später ist das Speiseeis aus deutschen Sommern nicht mehr wegzudenken. Jeder Bundesbürger schleckt im Jahr um die acht Liter von dem gefrorenen Süß. Doch was so unschuldig begann, hat seine Schattenseiten.

Eiscreme: Kokosöl sorgt für schlechte Ökobilanz

Eisproduzenten stellen kaum ökologische und soziale Anforderungen an Inhaltsstoffe wie Fette und Öle, moniert der WWF. Nur beim Palmöl gaben vom WWF befragte Unternehmen an, zertifizierte Ware einzusetzen. Der Druck von NGOs und Verbrauchern habe gewirkt, freut sich Ilka Petersen vom WWF. Allerdings stecke fast zehnmal so viel Kokosöl im Eis, „und da fragt keiner nach“.

Der Ersatz des viel diskutierten Palmöls insbesondere durch Kokosöl löst die ökologischen Probleme nicht, sondern verlagert diese nur. So gedeihen Kokospalmen teils in denselben Tropenländern wie die ertragreichere Ölpalme, ihr Anbau benötigt jedoch im Vergleich mehr Fläche. Laut einer Studie bedrohen Kokosplantagen 60 Arten, die auf der Roten Liste stehen, mehr noch als das Palmölpendant. Geschätzte 60 Prozent der Kokos-Kleinbauern im Hauptproduktionsland Philippinen leben unter der Armutsgrenze.

Zertifizierte Ware (Rainforest Alliance) ist vorhanden, wird aber kaum nachgefragt. Auch vermeintlich heimische Alternativen aus Raps oder Sonnenblumen sind mitunter bloß Augenwischerei, denn sie werden oft aus Übersee importiert. Bei den weiteren Bestandteilen Milchfett und Sahne gab dem WWF nur ein großer Eishersteller zu Protokoll, die Kühe würden mit gentechnikfreiem, zertifiziertem Soja gefüttert. Eisliebhaber greifen am besten zu Sorten mit Fairtrade- (betrifft z. B. auch Kakao und Zucker) sowie Bio-Siegel (Früchte).

Ökologisch oftmals sinnvoller: Viele Eisdielen und Cafés achten auf nachhaltige Zutaten.

Foto von Bryn Beatson / Unsplash.com

Die Eisdiele gewinnt den Ökovergleich

Die Auswahl im Handel wird dank kleiner Marken stetig größer. Oder sie besuchen direkt die gute Eisdiele von nebenan. Etliche Cafés machen ihr Eis selbst und achten dabei auf Biozutaten aus regionalem Anbau. Wer sein Eis täglich frisch für die Theke herstellt, braucht überdies kein Kokosöl für die Konsistenz. Ein Beigeschmack bleibt. Weil die Kühlung viel Energie braucht, ist unser Eisgenuss wohl nie ganz nachhaltig

Unser Fazit: Beim Eisbestandteil Palmöl fand ein Umdenken statt. Doch die Alternative Kokosfett wird ohne Zertifizierung eingekauft, während Raps auch aus Übersee importiert wird. Der Verbraucher sollte zu Sorten mit Bio- oder Fairtrade-Siegel greifen. Noch besser schneidet die klassische Eisdiele ab. Viele machen ihr Eis selbst und achten auf Biozutaten.

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Foto von National Geographic

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