Fotografie

Magische Bilder fangen die wilde Kraft des Meeres ein

Die Fotografin Michaela Skovranova hatte als Kind Angst vor dem Meer – heute macht sie beim Freitauchen eindrucksvolle Bilder der Unterwasserwelten.Montag, 11. Juni 2018

Von Alexandra E. Petri
Bilder Von Michaela Skovranova
Für Michaela Skovranova war das Schwimmen mit den Buckelwalen vor Tonga ein ausschlaggebendes Erlebnis, das sie dazu bewegte, sich vorwiegend auf Unterwasseraufnahmen zu konzentrieren.

Michaela Skovranova scherzt gern, dass sie ihre ersten Unterwasseraufnahmen eigentlich durch die Glaswand eines Aquariums machte.

Als Skovranova noch an der Universität studierte, arbeitete die in Australien wohnhafte Fotografin als Pädagogin bei Wildlife Sydney. Im Rahmen ihres Jobs arbeitete sie auch oft im SEA LIFE Sydney Aquarium im Darling Harbour der Stadt. An diesen Tagen kam Skovranova schon eher ins Aquarium – gegen sechs oder sieben Uhr morgens – und wanderte mit ihrer Kamera umher. „Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, mit den Tieren zusammen zu schwimmen und sie [fotografisch] festzuhalten“, sagt sie.

Ihre Lieblingsmotive im Aquarium waren die Seebären. Sie erinnert sich gut daran, wie sehr die Tiere mit ihr interagierten und zurückstarrten, wenn sie sie durch das Glas beobachtete. Sie sah ihnen dabei zu, wie sie miteinander spielten. Sobald sie wegging, hörten sie auf.

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„Sie hatten eine richtige Verbindung zu mir, und ich zu ihnen“, so Skovranova.

Sie zog von der Slowakei nach Australien, als sie 13 Jahre alt war. Sie war keine besonders gute Schwimmerin – das sei sie auch jetzt nicht, wie sie bescheiden zugibt – und hatte zunächst Angst vor dem Meer. Die Strömungen waren stark und sie wusste nicht, wie sie mit den Wellen umgehen sollte. Aber sie entwickelte eine tiefe Verbundenheit zum Meer, die sich durch ihre Kreativität und Neugier noch verstärkte – und durch ihre Kamera.

Australische Seelöwen – eine gefährdete Art – spielen im Meer vor Hopkins Island in Südaustralien. Da sie vorwiegend im flachen Wasser fotografiert, kann sie größtenteils das natürliche Licht nutzen. Sie versucht, mit so wenig Ausrüstung wie möglich zu tauchen.

„Ich habe mich in den Ozean verliebt, weil ich mich viel präsenter fühle, wenn ich im Wasser bin“, sagt Skovranova.  „Da gibt es dieses Gefühl der Schwerelosigkeit und ein gewisses Maß an Reizabschirmung, das ich empfinde. Wenn ich im Meer bin, gibt es nichts anderes.“

2014 machte Skovranova einen weiteren großen Schritt in ihrer Beziehung zum Meer und begann mit der Unterwasserfotografie. Seither hat sie Australien, Tonga und die Antarktis bereist, um das Leben knapp unter der Wasseroberfläche zu dokumentieren. Dabei verwendet sie so wenig Ausrüstung wie möglich. Obwohl sie einen Tauchschein hat, praktiziert Skovranova lieber Freitauchen, hält also einfach ihren Atem an. Aufgrund der Tiere, die sie ablichtet, und der Tiefe, in der sie arbeitet, sei das Luftanhalten Skovranova zufolge eine „natürliche Ergänzung“ zu ihrem Prozess: Es erlaube den Elementen, die sie umgeben, sie zu führen und zu beeinflussen.

Eine Schildkröte gleitet durch das Meer. „Ich bereite mich gern so gut wie möglich vor und springe dann einfach ins Wasser und überlasse [den Rest] den Elementen“, erklärt Skovranova.

„Ich liebe es, mit der Natur zusammenzuarbeiten“, erklärt sie. Sie arbeitet eher in flachen Gewässern und bleibt innerhalb der ersten neun Meter unter der Wasseroberfläche. Dort arbeitet sie mit dem vorhandenen natürlichen Licht und verzichtet auf einen künstlichen Blitz. Die Nähe zur Oberfläche macht vieles dessen, was sie fotografiert – darunter auch Wale und Seelöwen – für die Menschen zugänglicher. „Man kann wirklich sehen, wie komplex diese Tiere sind: Sie reden miteinander, sie lieben, sie weinen und sie singen, genau wie wir“, sagt sie.

Dennoch überlässt sie einen kleinen Teil auch lieber der Fantasie.

„Ich will nicht alles zeigen, und ich will nicht, dass die Bilder zu sauber oder zu perfekt sind“, erklärt Skovranova. „Ich will, dass all die Lichtflecken und das Plankton und alles andere, was im Wasser ist, darauf zu sehen sind, damit ich zeigen kann, wie sehr es sich mit jedem Tag und jeder Stunde verändert.“

Sie hofft, dass ihre Fotos auch zeigen, wie besonders unsere Verbindung zum Wasser ist, insbesondere für jene, für die das Meer „aus den Augen, aus dem Sinn“ ist.

Eigentlich sollten Pinguine eines der Hauptmotive bei Skovranovas Antarktisreise werden, aber am Ende kam es dann doch anders. „Es wird nie so, wie ich es erwarte“, sagt sie. „Ich bin ein großer Verfechter davon, einfach bei wechselnden Bedingungen loszuziehen und sich selbst herauszufordern.“

„Ich fände es toll, wenn die Menschen, die weit weg [vom Meer] wohnen, die Präsenz des Ozeans spüren – jeden Tropfen spüren – und ihre eigene Verbindung dazu erschaffen könnten“, sagt Skovranova.

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