Geschichte und Kultur

Fünf große Schwindel aus Geschichte und Wissenschaft

Fake News sind nichts Neues – schon immer gab es Falschmeldungen und Betrügereien. Wir erinnern an fünf besonders spektakuläre Ereignisse. Donnerstag, 2 November

Von National Geographic Magazin
Bilder Von Colourbox

Die Konstantinische Schenkung
Schon im Mittelalter wurde fleißig gefälscht. Eines der berühmtesten Plagiate ist die Konstantinische Schenkung: Die Urkunde sicherte der Katholischen Kirche neben der geistlichen auch die weltliche Vorherrschaft zu und festigte ihren Machtanspruch. Damit war das Dokument eine Art Grundgesetz, ohne das die Geschichte des katholischen Roms und seiner Päpste wohl anders verlaufen wäre. Verantwortlich für dieses großzügige Geschenk soll Konstantin der Große gewesen sein. Dumm nur, dass das Dokument eindeutig nach seinem Tod entstanden sein muss. Schon im 15. Jahrhundert konnte man nachweisen, dass das Latein, in dem die Urkunde verfasst wurde, nicht aus dem 4. Jahrhundert, der Epoche Konstantins, stammte. Wahrscheinlich entstand sie zwischen 750 und 800 n.Chr. Doch erst im 17. Jahrhundert räumte der Vatikan ein, dass die Urkunde wohl tatsächlich gefälscht sei - von ihrem Machtanspruch wollte sie jedoch nicht abrücken.

Der Riese von Cardiff
16. Oktober 1869: In dem Ort Cardiff im US-Bundesstaat New York gruben Bauarbeiter gerade einen neuen Brunnen aus, als sie einen merkwürdigen Fund machten. Im Boden entdeckten sie einen drei Meter langen Riesen aus Stein. Handelte es sich um eine gigantische Statue oder wohlmöglich um einen versteinerten Urmenschen? Bibeltreue Amerikaner erinnerten sofort an die Stelle aus dem ersten Buch Mose: „In jenen Tagen gab es auf der Erde die Riesen“. Schnell kamen immer mehr Besucher auf das Gelände der Farm und zahlten sogar Eintritt, um den vermeintlichen Riesen zu sehen. Doch dann wurde klar: der Gigant war nichts anderes als der Streich eines gewissen George Hull. Der Atheist hatte sich mit einem Pfarrer darüber gestritten, wie wörtlich die Bibel zu nehmen sei. Mit seinem Schwindel, für den er die Statue eigens hatte anfertigen lassen, wollte er den Kirchenmann vorführen. Obwohl er offen zu dem Betrug stand, ließen sich die Besucher nicht abschrecken. Sie strömten weiterhin zu dem falschen Riesen.

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten
Was genau den DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht zu seiner Aussage vom 15. Juni 1961 bewogen hatte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Klar ist jedoch, dass diese Behauptung als dreiste Lüge in die deutsche Geschichte einging. Denn nur zwei Monate später gab Ulbricht die Anweisung, die Mauer zu bauen und die Teilung Deutschlands damit wortwörtlich in Beton zu gießen. 

Die Hitler-Tagebücher
Als Weltsensation präsentierte der Stern-Reporter Gerd Heidemann am 25. April 1983 die angeblichen Tagebücher von Adolf Hitler. Über einen Sammler von Nazi-Militaria hatte Heidemann von den angeblichen Tagebüchern erfahren und dessen Quelle kontaktiert: Konrad Fischer alias Konrad Kujau. Heidemann war schnell überzeugt und erwarb die Dokumente – für mehrere Millionen Mark. Obwohl es schon im Vorfeld ernsthafte Zweifel an der Echtheit gegeben hatte, veröffentlichte der Stern in der Ausgabe 18/1983 Auszüge aus den brisanten Dokumenten. Nur wenige Tage später flog der Schwindel auf: Sowohl das Bundesarchiv als auch das Bundeskriminalamt kamen zu dem Ergebnis, dass Kujau die Tagebücher gefälscht hatte.

Die falsche Fliege von London
Eine 38 Millionen Jahre alte Stubenfliege, die keine signifikanten Unterschiede zu modernen Fliegen aufweist? Eine wissenschaftliche Sensation - zu diesem Schluss kam der renommierte, deutsche Entomologe Willi Hennig im Jahr 1966, als er eine in Bernstein eingeschlossene Fliege aus dem Londoner Museum of Natural History untersucht hatte. Das Exponat zeige, dass die Art im Laufe der Jahrhunderte von der Evolution verschont geblieben sei. Aufgrund seiner hohen, wissenschaftlichen Reputation zweifelte niemand an der Echtheit des Fossils. Die Fliege gehörte damit zu den größten Schätzen der Insektenabteilung des berühmten Londoner Museums. Erst 1993 wurde der Student Andrew Ross stutzig: Als er das Exponat unter dem Mikroskop untersuchte, fielen ihm Risse im Bernstein auf. Bei genauerem Hinsehen erkannte Ross, dass Fälscher den Bernstein zersägt und die Fliege eingeklebt haben mussten. Das Fossil war nur eine Fälschung. Wer sie hergestellt hat, bleibt ungewiss. Es ist lediglich bekannt, dass die Fliege bereits im 19. Jahrhundert zum ersten Mal wissenschaftlich erwähnt und 1922 vom London Museum of Natural History erworben wurde.

Weitere berühmte Skandale und Fälschungen sowie unsere Titelgeschichte „Warum wir lügen“ findest Du in der Ausgabe 6/2017 von National Geographic. Jetzt ein Magazin-Abo abschließen. 

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