Mein Neuseeland

Bleibende Eindrücke von Neuseelands Nordinsel

Kaikoura und die Bay of Plenty sind Orte tiefer Spiritualität und alter Kräfte. Freitag, 15 Februar

Von Carrie Miller
Bilder Von ERIKA LARSEN

Die Bay of Plenty zieht sich wie ein Lächeln an der Ostküste der Nordinsel entlang. An den weißen Sandstränden ihrer Ufer entlang reihen sich kleine Städte wie an einer Perlenschnur auf. Für die Neuseeländer ist die Bucht ein beliebtes Ferienziel, vor allem während der Sommermonate. Von Touristen wird sie oft übersehen, da diese zumeist den direkten Weg von Auckland über das Zentralplateau nach Wellington nehmen. Dabei gibt es in der Region viel zu sehen und zu erleben.

Die Bay of Plenty erstreckt sich von der südlichen Coromandel Halbinsel bis zum East Cape. Sie umfasst über 12.000 Quadratkilometer fruchtbares Ackerland, dichte Wälder, sonnige Strände und ist geologisch aktiv.

„Von White Island an der Nordostküste gibt es über Rotorua bis zum Tongariro-Nationalpark ein geothermales Geflecht von Geysiren, Vulkankegeln, heißen Quellen und natürlichen Orten zum Baden, Kochen und der Heilung“, erklärt Gemeindevorsteher Te Taru White. „Die geothermalen Aktivitäten in der Bay of Plenty reichen lange zurück und wurden zum Teil der mündlichen Überlieferung der Māori. Mutter Erde Papatuanuku und ihr ungeborener Sohn Rūaumoko, Gott der Vulkane und Erdbeben, sind das geothermale Herz und der Puls dieses Landtrichs.“

Die Māori erkannten die Schönheit dieses Ortes und wurden hier um das 13. Jahrhundert herum sesshaft. Captain James Cook gab der Bucht im Jahr 1796 dann aufgrund ihrer üppigen Ressourcen ihren Namen (engl. plenty = reichhaltig, üppig). Aufgrund ihres Klimas und der herzlichen Atmosphäre lieben die Kiwis diesen Ort und auch Touristen werden sich sicher immer gerne an diesen Besuch zurückerinnern.

Natur pur

Man kann Schönheit der Natur in dieser Region auf verschiedenste Weisen erleben. Dazu gehören unter anderem Wanderungen durch fantastische Wälder und Spaziergänge entlang der Küste.

Mount Maunganui: Diese schmale Landzunge an der Mündung des Tauranga-Hafens (von den Einheimischen „The Mount“ genannt“) ist eine lange Sandbank und ein Paradies für Strandliebhaber. Die kleine Wanderung auf den 232 Meter hohen, kegelförmigen Mauao belohnt mit einem weiten Blick über den Pazifik. (Es gibt verschiedene Wege und geführte Touren.)

White Island: Die einzige aktive Vulkaninsel in Neuseeland befindet sich vor der Küste von Whakatāne. Man erreicht sie per Schiff oder kann bei einem Rundflug einen Blick in die beeindruckenden, dampfenden Schlote werfen. White Island macht seinem Māori-Namen Te Puia o Whakaari, was so viel bedeutet wie „dramatischer Vulkan“, alle Ehre. Seit 1826 gab es mehr als 25 Ausbrüche, im Moment besteht jedoch keine Gefahr.

Whakarewarewa Forest: Der Wald befindet sich vor den Toren von Rotorua und kann mit dem Mountainbike, zu Fuß, auf dem Pferderücken oder über den TreeWalk erforscht werden. Dieses Netzwerk von 21 Hängebrücken spannt sich zwischen majestätischen Rotholzbäumen. Auch andere Waldstücke in der Bay of Plenty laden zum Besuch ein. Der Kaimai Mamaku Forest Park ist durchzogen von 300 Kilometern Wanderwegen, um den Lake Waikaremoana führt ein knapp 50 Kilometer langer Pfad und im Ohope Scenic Reserve bietet der Whakatāne Kiwi Trust Nachtwanderungen an, bei denen man die Chance bekommt, den nachtaktiven Kiwi (Vogel) in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten.

Wine & Dine

Die Bay of Plenty ist für Obst, Honig, Meeresfrüchte und Wein bekannt. Nimmt man die gastfreundliche Café-Kultur dazu, schafft man es kaum, zwei Schritte zu tun, ohne von leckeren Speisen und Erfrischungen verführt zu werden. Der Okere Falls Store in Rotorua bietet Gerichte aus Bio-Zutaten in handwerklicher Perfektion an, ebenso wie exzellenten Kaffee. Te Puke ist die unangefochtene Welthauptstadt der Kiwis (Obst) – beinahe 80 Prozent der neuseeländischen Kiwi-Ernte stammen aus der Bay of Plenty – und bei Kiwifruit Country können Besucher hinter die Kulissen einer Kiwi-Plantage blicken. Comvita in Paengaroa ist einer der führenden Produzenten von köstlichem Manuka-Honig und eine geführte Tour durch die Zentrale erlaubt einen Blick in das geheime Leben der Bienen. Und dann ist da natürlich noch der Wein – die Mischung aus fruchtbarem Boden und sonnigem, warmem Klima bringt sagenhafte Pinot Gris, Sauvignon Blancs und Pinot Noirs hervor. Zwei Weingüter sind besonders zu empfehlen: Mills Reef in Tauranga und Volcanic Hills in Rotorua.

Kunst

Rotorua ist für seine geothermalen Naturschauspiele bekannt:  Geysire, Mineralbäder, blubbernde Schlammbecken. Aber auch menschengemachte Abenteuer wie Quad-Touren, Gondelfahrten und Jet Boating versprechen viel Spaß. Wer kulturelle Abwechslung sucht, wird in den zahlreichen Māori-Begegnungsstätten fündig werden. Die Region um Whakarewarewa bietet neben den geothermalen Schloten und Geysiren auch den Besuch eines bewohnten Māori-Dorfs an. Hier kann man bei geführten Touren, kulturellen Vorführungen, Übernachtungen in maraes und vielem mehr die traditionelle Māori-Lebensweise kennenlernen. In Te Puia (Sitz des New Zealand Māori Arts and Crafts Institute) kann man mehrere Versammlungshäuser der Māori besuchen.

„Die Māori überliefern ihre Traditionen mündlich und halten ihr Wissen und ihre Beziehung zur Natur daher in Geschichten, Schnitzereien, Webarbeiten, Tänzen und Gesängen fest“, meint White. „Es ist unser Privileg und unsere Pflicht, diese Geschichten unserer Vorfahren mit Besuchern zu teilen.“

Geselligkeit

Bei einem Besuch in Whakatāne kann man das Mataatua Wharenui besichtigen. Es handelt sich dabei um den Versuch, einen traditionellen Familiensitz der Māori nachzubilden. Im Fokus stehen detailreiche Schnitzarbeiten am ganzen Haus und eine unglaubliche, faszinierende Geschichte. Man kann selbst an einem kulturellen Ritual teilnehmen, eine Führung mitmachen oder bei einem interaktiven Workshop ein Gefühl für die Tiefe und Komplexität der Māori-Kultur bekommen.

Top Tipp

Es lohnt sich, ein paar Reisetage einzuplanen und einen Roadtrip entlang des East Cape zu machen. Diese Küstenstraße windet sich auf gut 300 Kilometern von Opotiki nach Gisborne. Bei dieser Gelegenheit erhält man einen wundervollen Eindruck von der ländlichen Küste Neuseelands mit ihren versteckten Stränden, uralten Pōhutukawa-Bäumen, Māori-Versammlungsorten und Kirchen.

Dieser Inhalt wurde von unserem Partner verfasst. Er spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von National Geographic oder seinem Redaktionsteam wider.

Wei­ter­le­sen