Reise und Abenteuer

Die weltbesten Wanderungen: Gipfelwanderwege

Auf der Erde gibt es viele erstaunliche Berggipfel. Für diese Liste haben wir unsere Favoriten im Hinblick auf den Aufstieg und die Geschichte der Orte zusammengestellt.Thursday, November 9, 2017

Von National Geographic

Gipfelwanderungen bieten eine große Belohnung: ein mühsam erreichtes Ziel und eine neue Sichtweise auf all die Hindernisse, die man überwinden musste, um an sein Ziel zu gelangen. Auf der Erde gibt es viele erstaunliche Berggipfel. Für diese Liste haben wir unsere Favoriten im Hinblick auf den Aufstieg und die Geschichte der Orte zusammengestellt. Abgesehen vom Endorphinrausch, oben angekommen zu sein, bietet jede Gipfelwanderung eine tiefere Verbindung mit der umliegenden Natur und den Menschen.

Hekla, Island.

Höhe: 1.488 Meter

Am besten geeignet für: Vulkanologen, Teufel

Die Hekla ist der zweitaktivste Vulkan Islands. Ihre Ausbrüche lassen sich bis zur Urgeschichte rückdatieren. Zuletzt brach der berüchtigte Schichtvulkan im Januar 2000 aus – was jedoch nicht heißt, dass Wanderer ihn nicht besteigen können. Man sollte sich allerdings bei dem Vorhaben etwas beeilen, da die Hekla nie für lange Zeit ruht und einige Wissenschaftler aufgrund von Magma-Ansammlungen vermuten, dass ein Ausbruch bevorsteht. Wenn dieser Vulkan ausbricht, bleibt nicht viel Zeit zur Flucht: Vor seiner Eruption im Jahr 2000 wurde lediglich eine halbe Stunde vorher eine Warnung ausgesprochen. Doch das Risiko lohnt sich für die Gelegenheit, hoch oben auf diesem langen Bergrücken und einem der launischsten Plätze der Erde zu stehen. Die Aussicht erstreckt sich über eine größtenteils von der Tephra geformte Landschaft, die sich einst aus den qualmenden Hotspots, die einen umgeben, ergossen.

Der Aufstieg: Der Pfad hoch zum Gipfel führt über Schneeflächen und ist verhältnismäßig einfach. Der Aufstieg dauert drei bis vier Stunden (es kann ratsam sein, Gletscherausrüstung oder sogar Ski bei sich zu tragen). Der Aufstieg ist sogar so leicht, dass sich manch einer dazu entscheidet, ihn im Winter mit einem Schneemobil zu bestreiten. Die Hekla liegt nur 70,8 Kilometer von Reykjavík entfernt, und Veranstalter wie Icelandic Mountain Guides holen Wanderer direkt von ihren Hotels für einen Tagesausflug auf den Gipfel ab. Dabei behalten sie übrigens auch die seismische Aktivität im Auge, damit man nicht in einen Ausbruch gerät.

Auf dem Gipfel: Es hat schon was, am Tor zur Hölle entlangzuwandern. Nach ihrem Ausbruch im Jahr 1104 wurde an der Hekla von mittelalterlichen Geistlichen nämlich selbiges vermutet. Und das ist nicht weiter verwunderlich: Wenn der Vulkan ausbricht, spuckt er ein Inferno an vulkanischer Lockermasse, Asche und Lava.

Mount Katahdin, Maine, USA.

Höhe: 1.606 Meter

Am besten geeignet für: Transzendentalisten, Dichter, Wanderlustige

Der höchste Punkt des US-Bundesstaates Maine ist gleichzeitig der nördliche Endpunkt des Appalachian Trail, und somit haben die Wanderer den Berg nicht für sich alleine.


Das ist allerdings kein Grund, die Wanderung nicht zu machen. Der Mount Katahdin thront über dem Zentrum des dichten Waldes im Landesinneren und mag der wohl inspirierendste Gipfel des östlichen Nordamerikas sein. Ein Teil seiner Aura rührt von dem großen Transzendentalisten Henry David Thoreau her, der den Berg im Jahr 1846 bestieg, um der rohen Seele der Natur ins Auge zu blicken. Dies ist ihm auf dem Gipfel auch gelungen, wie er später schrieb: „Dies war die Erde, von der wir gehört haben, die aus Chaos und alter Nacht gemacht ist.“ Auch heute noch ist es faszinierend, an dieser Stelle ächzende Wanderer am Ende ihrer 3.540,5 Kilometer langen Mission ankommen zu sehen. Sie haben gerade den „AT-Thru-Hike“ absolviert, sind also den Appalachian Trail in einem Stück durchgewandert. Außerdem trifft man auf eine Handvoll abgehärteter Wanderer, die die Wanderung vom Norden aus starten. Die Aussicht vom Gipfel hat sich seit der Zeit von Thoreau nur wenig verändert.

Der Aufstieg: Die beliebteste Route zur Bergspitze führt den Hunt Trail, einen 16,7 Kilometer langen Rundweg mit einem starken Höhenunterschied von 1.276,5 Metern, auf der ersten Etappe des Appalachian Trails entlang. Auf den letzten 3,2 Kilometern muss man oberhalb der Baumgrenze an Felsbrocken entlangklettern – am Nachmittag ist Vorsicht vor Gewittern geboten.

Auf dem Gipfel: Thoreau war nicht die einzige literarische Seele, die von dieser östlichen Naturlandschaft inspiriert wurde. Der Legende nach befindet sich auf dem Mount Katahdin ein Stein, in den die folgenden Verse des 1912 entstandenen Gedichts „Rhymes of a Rolling Stone“ von Robert Service eingeritzt sind:

Here's a hail to each flaming dawn
Here's a cheer to the night that's gone
May I go a-roamin' on
Until the day I die.

Helagsfjäll, Schweden.

Höhe: 1.796 Meter

Am besten geeignet für: Alle, die mit dem Volk der Samen in Kontakt treten möchten; Füchse

Der Helagsfjäll, auch Helags genannt, ist die höchste Erhebung Schwedens südlich des Polarkreises und überragt die umliegenden Gipfel des an der Grenze zu Norwegen gelegenen skandinavischen Gebirges. Der Gipfel lässt sich leicht erklimmen und ist besonders im Sommer sehr beliebt (oben gibt es sogar eine gemütliche Bergstation, in der sich die Wanderer entspannen oder auch an einem Yoga-Retreat teilnehmen können). Wenn man oben angekommen einen Fuß auf die grünen Hügel setzt, auf denen Rentiere weiden und gelegentlich einheimische Polarfüchse nach Nahrung jagen, wird man von der natürlichen Magie, die diesem Ort innewohnt, verzaubert.

In der Umgebung von Jämtland Härjedalen ist außerdem ein wesentlicher Teil des in Skandinavien indigenen Volkes der Samen beheimatet. Einige von ihnen besitzen „Sommerhäuser“ an den Hängen des Helags – allerdings nicht im wörtlichen Sinne: Ein Besuch des Härjedalens Fjällmuseums unweit von Funäsdalen zeigt, wie diese saisonalen Unterschlüpfe einst von jungen Mädchen bewohnt wurden, die den Sommer über mutterseelenallein Rentiere hüteten. Wenn man das Museum nach der Wanderung besucht, kann man eventuell sogar ein Stück von dem für die Samen so essentiellen Rentierfleisch probieren. Sie sind die einzigen, die in Schweden die Erlaubnis haben, Rentiere zu züchten.

Der Aufstieg: Es ist ein kurzer Trip, der einen ausgehend von der Helagsfjäll-Bergstation entlang des Bergkamms hinauf auf den Berggipfel führt. Bis zur Spitze gilt es gute 12 Kilometer zu bestreiten, aber auch längere Routen sind möglich, bei denen man auf dem Weg zeltet.

Auf dem Gipfel: Der Felsenkessel von Helagsfjäll trägt noch Überreste des südlichsten Gletschers in Schweden. Wenn die Witterungsbedingungen stimmen, kann man mit den Ski im Schatten des Gipfels zu den Hütten der Bergstation hinunterkurven.

Desolation Peak, Washington, USA.

Höhe: 1.860 Meter

Am besten geeignet für: Beat-Literaten der Neuzeit

Im Jahre 1956 verbrachte der Schriftsteller Jack Kerouac, ein wichtiger Vertreter der Beat-Generation, zwei Monate alleine als Feuerwache auf dem Gipfel des Desolation Peak. Von hier aus sinnierte er über die Leere der Vergänglichkeit und die Freude des Lebens, während er die umliegenden Berge und Wälder des Kaskadengebirges nach Anzeichen auf Rauchwolken absuchte. Ein Auszug aus seinem 1960 erschienenen Essay „Allein auf einem Berggipfel“: „Ich sah dreiundsechzig Sonnenuntergänge auf diesem lotrechten Hügel – atemberaubende Sonnenuntergänge, die durch die Gischt des Wolkenmeers strömen, umgeben von Felsen wie denen, die man einst als Kind mit Bleistift zeichnete, hinterlegt mit dieser rosaroten Farbe der Hoffnung, die das Gemüt in eine ebenso unbeschreiblich brillante wie trostlose Stimmung versetzt.“

Abgesehen von dieser literarischen Hinterlassenschaft bietet der Gipfel wahrlich eine der besten Aussichten von der Kaskadenkette: Die schneebedeckten Spitzen des North-Cascades-Nationalparks ragen am Horizont in die Höhe, und direkt vor dem Aussichtspunkt erheben sich die Zwillingsgipfel des Hozomeen Mountain mit den Gewässern des Lake Ross tief darunter. 93 Prozent des Parks sind als sogenannte „Wilderness Area“ ausgewiesen, die strengste Naturschutzklasse der USA, was ihn zu einem der abgelegensten Orte der 48 kontinentalen Bundesstaaten macht.

Der Aufstieg: Um den Aussichtspunkt zu erreichen, muss man nicht nur wandern, sondern auch paddeln oder ein Wassertaxi mieten (Reservierung erforderlich), das einen quer über den Lake Ross zum Ausgangspunkt des Wanderweges bringt. Am Wanderpfad angekommen, führen schweißtreibende 7,7 Kilometer durch Wälder und weite, offene Wiesen mit einem Höhenunterschied von 1.340 Metern hinauf auf den Gipfel.

Auf dem Gipfel: Die kleine Aussichtshütte von Kerouac steht noch immer auf der Bergspitze des Desolation Peaks. Manchmal ist sie verschlossen, aber oft sucht ein Mitarbeiter von hier aus den Horizont ab. Mit etwas Glück können Bewerber hier noch immer einen Job finden und die gleiche Aufgabe ausüben wie einst Kerouac. Allerdings ist man dabei nicht mehr mutterseelenallein, weil sich der Ort zu einer Pilgerstätte für Anhänger der Beat-Bewegung entwickelt hat.

Heng Shan, China.

Höhe: 2.017 Meter

Am besten geeignet für: Pilger, Taoisten, Buddhisten

Das nördlichste und am wenigsten erschlossene der insgesamt fünf heiligen Gebirge und neun heiligen buddhistischen Gipfel Chinas ist der Heng Shan, auch „Nordgebirge“ (Bei Yue) genannt.

 Das bedeutet aber keinesfalls, dass man hier unter sich ist: Eine Seilbahn führt direkt zum Hengzong Si, dem Haupttempel des Berges, sowie zu einem neuen Tempel hinauf, wodurch der Gipfel zu einer riesigen Touristenattraktion in der Shanxi Provinz geworden ist. (Der größte Touristenmagnet ist das berühmte „hängende Kloster“ Xuankong Si, ein 1.600 Jahre alter buddhistischer Schrein, der direkt in die Bergwand des Gipfels südlich des Heng Shan gebaut wurde.)

Hierbei handelt es sich nicht um einen Ausflug in die Wildnis. Vielmehr bietet sich einem die Möglichkeit, an einer echten Pilgerreise zum Gipfel teilzunehmen, der der Legende nach das erste Mal vom mythischen Kaiser Shun vor mehr als 4.000 Jahren erklommen wurde. Die Besucher kommen in Scharen, um an dieser Tradition teilzuhaben, und füllen die Treppen und Pfade, die zu dem Hengzong-Tempel hinaufführen. Der eigentliche Gipfel, der sich weiter oben befindet, ist jedoch ruhiger und besser geeignet, um über eine der großartigsten heiligen Stätten dieser Welt nachzusinnen. Für das wahre Wallfahrtsgefühl sollte man beim Abstieg von den süßen und bitteren Quellen kosten, die sich am Wegesrand befinden und ganz unterschiedlich schmecken.

Der Aufstieg: Die Wanderung vom Fuße des Berges bis zum Hengzong-Tempel hinauf dauert ca. 40 Minuten. Von hier aus erreicht man in weiteren 30 Minuten, und mit weniger Menschenmassen, den 2.016 Meter hohen Tianfeng-Gipfel – der höchste Punkt des Heng-Shan-Gebirges.

Auf dem Gipfel: Auf der Tianfeng-Bergspitze angekommen, versteht man einmal mehr, weshalb der Berg über Jahrhunderte hinweg für die chinesischen Kaiser so wichtig war. Er ist ein strategischer Standort, der die Ländereien im Tal bewacht und im Laufe der Geschichte sowohl Teil des Kaiserreiches war als auch zeitweise von Angreifern erobert wurde.

Mount Temple, Alberta, Kanada.

Höhe: 3.544 Meter

Am besten geeignet für: Film-Fans, Scrambling

Der malerische Mount Temple thront als felsige, teils eisbedeckte Pyramide über dem Banff-Nationalpark.

Auf dem Wanderweg nach oben ist stellenweise etwas brenzliges Scrambling gefragt. Außerdem müssen gefährliche Schneefelder überquert werden (in den 1950er Jahren hat hier eine Lawine eine Gruppe Pfadfinder in den Tod gerissen). Wenn man über ausreichend Erfahrung im Eisklettern verfügt, um das Terrain sicher zu passieren, wird die Anstrengung mit einer Panoramaaussicht von der Spitze über den Lake Louise belohnt.

Die einzigartige Pracht der kanadischen Rocky Mountains rührt von ihrer besonderen geologischen Geschichte her: Während sich der weiter südlich gelegene Teil der Gebirgskette aus metamorphem Gestein zusammensetzt, entstanden die Gipfel, als Kalkstein, Schiefer und anderes Sedimentgestein aus dem ursprünglichen Binnenmeer, das einst große Flächen Nordamerikas bedeckte, an die Oberfläche geschoben wurden und so eine Fantasielandschaft aus scharfen, geschrammten Gipfeln formte. Noch krönen Gletscher und Eisfelder die Bergkette im Park, doch sie bilden sich stark zurück. Einige von ihnen, wie der berühmte Athabasca-Gletscher, drohen im Laufe dieses Jahrhunderts sogar komplett zu verschwinden. Die beste Zeit für die Wanderung? Als Abwechslung während des „November Banff Mountain Film and Book Festivals“, das nicht nur die besten Klettertouren zeigt, sondern auch den Erhalt der naturbelassenen und wilden Orte dieser Erde thematisiert.

Der Aufstieg: Auch wenn der Weg auf den Mount Temple nicht leicht ist, bedarf es keiner technischen Kletterkenntnisse, um den Gipfel zu erreichen (es lohnt sich allerdings, eine Eisaxt und Steigeisen mitzunehmen). Der Tagestrip umfasst einen 16 Kilometer langen Rundweg mit kolossalen 1.660 Höhenmetern. Ungeschütztes Scrambling ist erforderlich, und wenn sich viele Wanderer auf der Route befinden, besteht Steinschlaggefahr. Für diejenigen, die lieber klettern möchten, bietet der Berg auch zahlreiche technische Routen.

Auf dem Gipfel: Hier gerät man in das Revier von Grizzlybären. Bergsteiger müssen sich beim Aufstieg der Bären bewusst sein. Wer Glück hat, bekommt sie aber auch aus sicherer Entfernung vom Gipfel aus zu Gesicht, wenn sie unten in den Bergkesseln und auf den Hängen umherstreifen.

Ras Daschän, Äthiopien.

Höhe: 4.550 Meter

Am besten geeignet für: Afrikareisende Abenteurer und begeisterte Trekker

Der höchste Gipfel Äthiopiens überblickt die hoch gelegene Wildnis des Sämen-Nationalparks. In den steilen Schluchten dieses Hochlands finden weltweit einzigartige Spezies wie der Äthiopische Steinbock, der Äthiopische Wolf und der Blutbrustpavian Nahrung und Unterschlupf. Der Weg hinauf zum Gipfel ist relativ einfach. Man muss lediglich einem Pfad nach oben folgen und nur kurz seine Hände zum Klettern einsetzen. Der Trekkingpfad zum Fuße des Ras Daschän verlangt einem da schon mehr ab. Er beinhaltet eine Wanderung über den 4.200 Meter hohen Bwahit-Pass, einen Abstieg in das Mesha Valley und weitere 1.737 Meter hinauf zum Gipfel des Horns von Afrika.

Bei diesem Ausflug geht es allerdings nicht nur um hohe Gipfel und seltene Tiere: Die Region ist seit mehr als 2.000 Jahren besiedelt, und auf dem Weg zum Gipfel passiert man das Dorf von Chiro Leba und die Gerstenfelder im Mesheha Valley. Auch wenn der Gipfel selbst nicht unbedingt zu den beeindruckendsten zählt, überblickt er doch eines der einzigartigsten Ökosysteme, die der afrikanische Kontinent zu bieten hat.

Der Aufstieg: Die meisten Wanderer erreichen den Gipfel nach einer fünf- bis neuntägigen Trekkingtour durch den Park. Ein 45 Kilometer langer Rundweg führt vom Ausgangspunkt am Chennek Camp zur Bergspitze hinauf, die eigentlich außerhalb der Parkgrenzen liegt. Um vom Parkbüro in Debark aus erst einmal das besagte Camp zu erreichen, bedarf es aber auch schon einer mehrtägigen, 43 Kilometer langen Wanderung. Am besten mietet man sich einen Guide, z. B. von Habesha Adventures. Eine Anmeldung im Park ist erforderlich.

Auf dem Gipfel: Man sollte sich für den Gipfel noch etwas zum Überziehen mitnehmen (und auch für die Nacht im Camp). Der Park ist nämlich um einiges kälter, als so mancher erwartet, wenn er an Afrika denkt. Außerdem freuen sich die Kinder der einheimischen Schäfer, die ihre Tiere an den Berghängen weiden lassen, wenn ihnen Wanderer warme Kleidung schenken.

Iztaccíhuatl, Mexiko.

Höhe: 5.230 Meter

Am besten geeignet für: Ehrgeizige Bergsteiger

Obwohl er nicht die typische Kegelform aufweist, ist der dritthöchste Berg Mexikos ein ruhender Vulkan. Sein langer, schneebedeckter Bergrücken wird vielmehr mit einer schlafenden Frau verglichen. Daher rührt auch der aztekische Name Iztaccíhuatl, bzw. „weiße Frau“, sowie der spanische Spitzname „La Mujer Dormita“, was so viel bedeutet wie „die schlafende Frau“. Der Legende nach handelt es sich bei dem Berg um den von den Göttern betrauerter Körper einer toten Prinzessin. Daher sind die Gipfel auch nach Körperteilen benannt und reichen von La Cabellera, dem Haar, zu Los Pies, den Füßen. Der höchste Gipfel liegt über El Pecho, dem Busen. Der Weg nach oben führt durch den größten noch bestehenden Nadelwald Zentral-Mexikos. Oben angekommen, ist man von einem hochalpinen Ökosystem umgeben, dessen Gletscher traurigerweise im Begriff sind, zu verschwinden. Am allerbesten ist die Tatsache, dass dieser Gipfel trotz der Höhenlage von ziemlich jedem erklommen werden kann.

Der Aufstieg: Der Standardpfad führt vom La-Joya-Ausgangspunkt im Nationalpark Izta-Popo Zoquiapan den La Arista del Sol (Bergrücken der Sonne) hinauf. Die Wanderung ist relativ einfach. Zwischendurch muss kurz gekraxelt werden, und in der Nähe des Gipfels geht es über Schneefelder. Die meisten Besucher benötigen allerdings erst einmal ein paar Tage, um sich an die Höhenlage zu gewöhnen. Alle Wanderer müssen sich im Park anmelden, und es ist ratsam, einen Guide zu engagieren.

Auf dem Gipfel: Von dieser hoch gelegenen, wilden Schneelandschaft aus kann man im Süden den kegelförmigen 5.426 Meter hohen Popocatépetl – den aktivsten Vulkan Mexikos – bestaunen. Im Nordwesten sieht man den Smog und die Weiten der lebhaften Hauptstadt Mexiko-Stadt mit ihren 21 Millionen Einwohnern.

Pokalde, Nepal.

Höhe: 5.806 Meter

Am besten geeignet für: Ehrgeizige Himalaya-Bergsteiger und alle, die den Wiederaufbau Nepals unterstützen möchten

Im Grunde kann man im Zusammenhang mit dem Himalaya nie von einem einfachen Gipfel sprechen. Der Pokalde, auch Dolma Ri genannt, ist aber einer der angenehmsten Berggipfel Nepals. Mit seinen gut 5.800 Metern gibt er definitiv eine imposante Bergspitze ab, ist aber nicht annähernd so sauerstoffarm wie die bekannteren Gipfel dieser Region, zu denen Ama Dablam, Pumori, Makalu und selbstverständlich der rund 11 Kilometer entfernte Mount Everest selbst zählen. Daher kann er von den meisten Menschen ohne die Kosten und Gefahren erreicht werden, die ein Achttausender mit sich bringt.

Nach dem Unheil, den das Erdbeben im Jahr 2015 über das Land und seine Bergdörfer gebracht hat, wollen und brauchen die Nepalesen die Rückkehr von Wanderern, Kletterern und anderen Touristen. Glücklicherweise sind die meisten Trekkingrouten und die touristische Infrastruktur von dem Erdbeben so gut wie unberührt geblieben. Da der Wirtschaftssektor vom Tourismus und Bergsteigen abhängt, trägt man einen kleinen Teil zur schweren Aufgabe des Wiederaufbaus bei, wenn man zum Trekking und Klettern nach Nepal reist.

Der Aufstieg: Die Gewöhnung an die klimatischen Bedingungen ist der Schlüssel zum Erfolg. Wanderer sollten sich ein paar Tage lang an die Höhenlage gewöhnen, bevor sie den Gipfel in Angriff nehmen. Vom Basislager aus führt ein recht unkomplizierter Aufstieg über 650 vertikale Höhenmeter hinauf zur Spitze. Man sollte sich dennoch nicht überschätzen: Es gibt ein paar gefährliche Stellen, besonders auf den letzten Metern, und schlechte Wetterbedingungen können im Himalaya immer tödlich enden. Um seinen Beitrag zum Wiederaufbau Nepals zu leisten, sollte man einen einheimischen Guide engagieren. Wie bei allen Gipfeln des Himalaya ist es ratsam, die Wanderung entweder zwischen März und Mai vor dem Monsun oder danach zwischen Oktober und November anzugehen.

Auf dem Gipfel: Nachdem einen seine Füße und Lungen auf einen mehr als 5.800 Meter hohen Gipfel befördert haben, kann man allmählich darüber nachdenken, eine schwierigere Besteigung im Himalaya in Angriff zu nehmen. Die benachbarten Gipfel, der 6.189 Meter hohe Island Peak und der 6.476 Meter hohe Mera Peak, bieten einen ähnlichen – wenn auch etwas schwierigeren – Aufstieg. Unter den sogenannten „Trekking-Gipfeln“ zählt der 6.119 Meter hohe Lobuche East zu den schwierigsten: Der Aufstieg dauert länger und hält ein paar technische Herausforderungen parat.

Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 21. Juli 2015

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