Naturwunder Dolomiten: Fünf Tipps für einsames Wandern entlang der Drei Zinnen

Rings um die markanten Drei Zinnen zeigt sich Südtirol Wanderern von seiner schönsten Seite. Unser Autor weiß, welche Touren sich lohnen (und wie man den Massen entgeht).

Von Norbert Eisele-Hein
Veröffentlicht am 1. Dez. 2023, 11:00 MEZ
Blick auf die Drei Zinnen in den Dolomiten

Rings um die markanten Drei Zinnen zeigt sich Südtirol Wanderern von seiner schönsten Seite. Unser Autor weiß, welche Touren sich lohnen (und wie man den Massen entgeht).

Foto von Fokke Baarssen / Shutterstock.com

Was haben Angela Merkel, Sylvester Stallone und Han Solo gemeinsam? Die Antwort: Alle drei waren schon in den Dolomiten. Stallone drehte vor rund 30 Jahren (!) am Monte Cristallo seinen KletterBlockbuster „Cliffhanger“. Han Solo, der Weltraumpilot des „Millennium Falken“, ist in „Solo – A Star Wars Story“ von 2018 direkt am Gebirgsstock Drei Zinnen unterwegs. „Und Frau Merkel kommt schon seit vielen Jahren immer wieder zum Wandern nach Sexten“, versichert mir Agnes Tschurtschenthaler. Sie kommt aus der kleinen Gemeinde in Südtirol, ist ein echter Wanderprofi und nimmt mich mit auf Tour durchs Hochpustertal.

Tipp 1: Start am Fischleinboden

Als wir am Fischleinboden starten, bläst eine frische Brise den letzten Morgennebel über die Zacken der Sextener Sonnenuhr. Rotwand, Elfer, Zwölferkogel, Einser – über all diese Gipfel streift täglich pünktlich die Sonne. Der Duft von Tannen, Fichten und knorrigen Lärchen liegt in der Luft, und wir gewinnen rasch an Höhe. Agnes legt in den steilen Kehren ein flottes Tempo vor, sodass ich mich anstrengen muss, mitzuhalten.

Tipp 2: Zwischenstopp auf der Büllelejochhütte

Schon bald kommt die Zsigmondyhütte in Sicht, dahinter ragt der gut 3000 Meter hohe Zwölferkofel monumental in den Himmel. Der Wanderweg 101 ist einfach zu begehen und lotst uns durch die hochalpine Kulisse bis zur Büllelejochhütte auf 2528 Metern, wo es himmlisch nach frischem Apfelstrudel duftet. „Der isch selbstgmocht“, ruft uns Hüttenwirtin Greti Rogger zu und bringt dazu einen Cappuccino auf die Terrasse.

Tipp 3: Auf den Pfaden der Erstbesteiger

So gestärkt, geht es weiter zum Bergsee Lago di Cengia. Den Drei Zinnen, diesem so beeindruckenden wie unverwechselbaren Gebirgsstock, nähern wir uns quasi durch die Hintertür. Von hier startete vor über 150 Jahren, im August 1869, auch der Wiener Paul Grohmann mit dem einheimischen Bergführer Franz Innerkofler und Peter Salcher aus Kärnten zur Erstbesteigung der 2999 Meter hohen Großen Zinne (flankiert übrigens von der Kleinen Zinne und der Westlichen Zinne). Damit legten sie den Grundstein für den fortan boomenden Tourismus: Ab den 1870ern reisten gut betuchte Sommerfrischler mit der Südbahn aus Wien an. Unser Wanderweg wird vorübergehend zu einer geschotterten Zufahrtsstraße, die bis spät in die 1980er-Jahre hinein für den öffentlichen Verkehr freigegeben war. Damals campten die Kletterer kreuz und quer zwischen hausgroßen Felsblöcken und parkten ihre Autos mitten in der Landschaft.

Tipp 4: Abstieg zur Langen Alm

Heute stoppt der Verkehr zum Glück am Ende der asphaltierten Mautstraße, die sich steil vom Misurinasee bis zur nahen Auronzohütte hinaufschlängelt. Wir laufen weiter zur Weggabelung Forcella de l’Col de Mezzo. Steigen auf dem Dolomitenhöhenweg 105 hinab zur Langen Alm, die einen angenehmen Kontrast zur riesigen, oft überlaufenen Auronzohütte darstellt. Bei einer eiskalten Buttermilch blicken wir auf die nahen Nordwände der Drei Zinnen, von wo die Kommandos zahlreicher Seilschaften herüberschallen. Vor 20 Jahren kletterte hier Alexander Huber, der jüngere der bekannten Huberbuam, free solo, also ohne ständige Seilsicherung, durch das überhängende Bollwerk der Großen Zinne und eröffnete mit dieser Aktion ein völlig neues Kapitel im Klettersport.

Tipp 5: Azyklisch wandern

Die Schönheit der Region hat sich herumgesprochen. Um die Bergwelt in Ruhe zu erleben, sollte man hier azyklisch unterwegs sein. Während ganze Schulklassen und Massen von Tagesausflüglern den Rückweg über den Paternsattl zur Auronzohütte antreten, kämpfen wir uns mit brennenden Schenkeln den letzten Steilaufschwung zur Dreizinnenhütte hinauf. Der Hüttenwirt Hugo Reider, der mit seinem Zwirbelbart eher wie ein Zirkusdirektor wirkt, im zivilen Leben aber Jurist ist, empfiehlt uns das butterweich gekochte Gulasch. Bei einem Viertel Roten und einer Kante vom Nussstrudel blicken wir noch lange auf den Mond und die Sterne, die ihr Licht auf die Zinnen werfen.

National Geographic Traveler 4/23

Foto von National Geographic

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