Die andere Ölkrise

Die Welt giert nach Palmöl aus Asien – Das hat dramatische Folgen für Umwelt und Wildtiere. In Afrika will das kleine Land Gabun nun beweisen, dass es auch anders geht.

Bilder Von David Guttenfelder und Pascal Maitre
Published 23. Nov. 2018, 12:37 MEZ, Updated 5. Nov. 2020, 06:20 MEZ
Palmöl
Eine Plantage mit Ölpalmen in Malaysia. Das Land ist neben Indonesien der größte Palmölproduzent der Welt. Die wachsende Nachfrage nach dem Pflanzenöl steigert die Exporterlöse – und befeuert den Raubbau an der Natur: Wälder werden abgeholzt, Wildtiere vertrieben.
Bild Pascal Maitre

Eine Plantage mit Ölpalmen in Malaysia. Das Land ist neben Indonesien der größte Palmölproduzent der Welt. Die wachsende Nachfrage nach dem Pflanzenöl steigert die Exporterlöse – und befeuert den Raubbau an der Natur: Wälder werden abgeholzt, Wildtiere vertrieben.

In einer Ölmühle in
der Demokratischen Republik Kongo holen Arbeiter Palmfrüchte aus dem Dampfgarer. Die Ölpalme, Elaeis guineensis, ist in West und Zentralafrika heimisch. Auch dort wird sie nun immer häufiger kommerziell angepflanzt – was langfristig eine Gefahr für Menschenaffen, Waldelefanten und andere bedrohte Arten bedeuten könnte.


Dieser auf kohlenstoffreichem Torfboden wachsende Wald auf der Insel Borneo wurde 2015 brandgerodet, um Land für Ölpalmen zu gewinnen. Im selben Jahr war Luftverschmutzung durch Rauchentwicklung in Indonesien die Ursache für 12000 Todesfälle. Abholzen und Brandroden von Wäldern verursachen fast die Hälfte der indonesischen Treibhausgasemissionen.

In Westafrika ist Palmöl ein altes Grundnahrungsmittel, das
– wie hier von einer Frau in Benin – noch häufig in mühevoller Handarbeit hergestellt wird. Die Früchte werden gekocht und Fasern und Schalen danach von der öligen Mischung getrennt. Zum Schluss wird der Sud nochmals gekocht, um das Öl zu klären.

Auf Borneo und Sumatra sind schon flächendeckend Wälder und Moorlandschaften abgeholzt und brandgerodet worden, um Platz für Ölpalmenplantagen
zu schaffen. Ein Teil dieser neuen Pflanzungen in der Provinz Papua in Westneuguinea verstößt laut Greenpeace gegen ein indonesisches Moratorium zur Rodung von Torflandschaften.

Mitarbeiter der Borneo Orangutan Survival Foundation entlassen einen Menschenaffen auf einer geschützten Insel in die Wildnis. Nachdem er aus seiner Dschungelheimat vertrieben worden war, wuchs der Affe in der Rettungsstation Nyaru Menteng auf. Zwischen 1999 und 2015 verloren fast 150 000 Borneo-Orang-Utans durch Entwaldung und Jagd ihr Leben.

Ein Bagger lädt Palmfruchtstände auf ein Fließband, das sie zu einem Dampfgarer befördert. Diese malaysische Ölmühle im Bundesstaat Perak verarbeitet stündlich bis zu 40 Tonnen Früchte zu zwei Tonnen Rohpalmöl. Die Mühle ist rund um die Uhr in Betrieb.

Gabun hat einen nationalen Flächennutzungsplan entwickelt, der ein Gleichgewicht zwischen Ölpalmen, Landwirtschaft und Walderhaltung wahren soll. Auf der von
Olam betriebenen Mouila-Plantage werden Jungbäume gepflanzt. Mehr als die Hälfte der Plantage liegt in einer Savanne
– um zusätzliche Entwaldung zu vermeiden.

Diese Gärtnerinnen in einer Ölpalmenbaumschule pflegen Setzlinge. Gabuns Wirtschaft beruht vor allem auf Erdöl; ein Großteil der Nahrungsmittel wird importiert. Die Regierung sieht die Zukunft des Landes deshalb unter anderem in der industriellen Landwirtschaft.

An einem Januarmorgen steigen die Mitarbeiter von Olam, einem Agrarunternehmen aus Singapur, am Ufer des Flusses Ngounié im Südwesten Gabuns aus einem schmalen Boot. Sie sind auf einer Expedition in einen unberührten Wald, sie folgen Elefantenpfaden, oben auf den Bäumen huschen Affen durch die Blätter. Ein junger Ranger klettert barfuß einen Baumstamm hinauf. Mit pinkfarbenen, pflaumenartigen Früchten kehrt er zurück.

Es gibt hier auch wilde Mangos, Kolanüsse und Bäume, deren Rinde nach Knoblauch duftet. Auf einer Lichtung tummeln sich Fische in einem Wasserloch. Wer dieses Wunder der Natur je gesehen hat, mag nicht daran denken, dass all das zerstört werden könnte.

Dabei ist das Gebiet hier kein Nationalpark, sondern gehört zu einem geschützten Areal auf der von Olam betriebenen Mouila-Ölpalmenplantage. In Indonesien oder Malaysia – den beiden weltgrößten Lieferanten von Palmöl – wären jetzt vielleicht schon Holzfäller und Bulldozer dabei, den Dschungel abzuholzen, um Platz zu schaffen für in Reih und Glied wachsende Ölpalmen.

Die roten Früchte der Ölpalmen, die in riesigen Fruchtständen unter zerzausten Palmwedeln wachsen, sind ein uraltes Grundnahrungsmittel. Seit Jahrtausenden gewinnen die Menschen daraus Speiseöl, verbrennen die Samenhülsen, um damit zu heizen, und decken mit den Blättern die Dächer ihrer Hütten und Häuser. Doch in den vergangenen 20 bis 30 Jahren ist der Verbrauch geradezu explodiert – einerseits wegen der Vielseitigkeit des Öls und seiner cremigen Konsistenz, andererseits wegen der hohen Produktivität der Bäume.

Palmöl deckt schon jetzt ein Drittel des globalen Pflanzenölkonsums ab. In Indien und anderen Ländern wird es zum Kochen verwendet. Es weltweit steckt in Keksen, Pizzateig, Brot, Lippenstift, Körperlotion und sogar im Biodiesel: 45 Prozent des EU-Verbrauchs von Palmöl im Jahr 2017 entfielen auf die Herstellung von Kraftstoff. Indien führt die Liste der Verbraucher mit 17 Prozent des globalen Konsums an, gefolgt von Indonesien, der EU und China. Die USA liegen derzeit an achter Stelle. Der für 2018 erwartete globale Verbrauch liegt bei 65,5 Millionen Tonnen, das entspricht etwa neun Kilo Palmöl pro Person.

Diesen Bedarf zu decken fordert einen hohen Preis. Seit 1973 sind auf Borneo, der Insel, die sich Malaysia, Indonesien und Brunei teilen, 41000 Quadratkilometer Regenwald – eine Fläche fast so groß wie Niedersachsen – abgeholzt, brandgerodet und planiert worden, um Platz für Ölpalmen zu schaffen. Die Palmölproduktion ist die Ursache für knapp die Hälfte der gesamten Entwaldung auf Borneo seit dem Jahr 2000.

Zwischen 1999 und 2015 starben fast 150000 Borneo-Orang-Utans an den Folgen der Abholzung und durch Jagd. Der Palmölanbau befeuert auch den Klimawandel: Für fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen Indonesiens sind Entwaldung und andere Landnutzungsänderungen verantwortlich. Zudem führt die Rauchentwicklung bei Brandrodungen zu extremer Luftverschmutzung mit tödlichen Folgen für Tausende Bewohner.

In Westafrika ist Palmöl ein altes Grundnahrungsmittel, das
– wie hier von einer Frau in Benin – noch häufig in mühevoller Handarbeit hergestellt wird. Die Früchte werden gekocht und Fasern und Schalen danach von der öligen Mischung getrennt. Zum Schluss wird der Sud nochmals gekocht, um das Öl zu klären.
Bild Pascal Maitre

Das es auch anders geht, versucht Gabun zu beweisen. Der Garten Eden am Ufer des Ngounié wird nicht planiert: „Wir hier in Gabun versuchen, einen neuen Weg zu finden, indem wir eben nicht unseren gesamten Wald abholzen, sondern ein Gleichgewicht zwischen Ölpalmen, Landwirtschaft und dem Schutz des Waldes aufrechterhalten“, sagt der Naturschutzbiologe Lee White, Leiter der Nationalparkagentur in Gabun. Die Regierung entscheidet anhand von wissenschaftlichen Analysen, welche Teile der ausgedehnten Wälder unbedingt erhalten werden sollten und welche für Ölpalmen geöffnet werden können.

In Afrika und in Südostasien sind die Ölpalmen so schnell nicht mehr wegzudenken. Die Länder sind auf die Einnahmen angewiesen. Und auch wenn Verbraucher weltweit das Produkt aus Umweltschutzgründen boykottieren würden, wäre wenig gewonnen: Der Anbau alternativer Ölpflanzen würde noch mehr Land in Anspruch nehmen. Die beste Möglichkeit besteht im Moment daher darin, Palmöl umweltschonender als bislang herzustellen.

Noch bis in die Siebzigerjahre standen auf drei Vierteln der Fläche Borneos üppige Regenwälder. Doch angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Palmöl wurden einige davon von Firmen, die schnell welches liefern wollten, brandgerodet und planiert. Gesundheitliche Bedenken gegen „Transfette“ (das sind unerwünschte Fettsäuren aus der Fetthärtung, die durch Palmöl ersetzt werden konnten) befeuerten den Boom genauso wie die steigende Nachfrage nach Biodiesel. Anfang des Jahrtausends wurden auf Borneo dann Tausende Quadratkilometer Tieflandwaldflächen und Torflandschaft mit Ölpalmen bepflanzt.

Nordborneo, Malaysia. An einem schwülen Nachmittag grasen mehr als 50 Elefanten an einem trüben Fluss. Als sich die Sonne über die Baumspitzen senkt, schwimmen sie in geordneter Formation über den breiten, schnellfließenden Kinabatangan. Während ihr großer Kopf auf- und abwippt, stoßen sie aus ihrem Rüssel Wasser aus.

Am Kinabatangan im malaysischen Bundesstaat Sabah können Touristen von Schiffen aus seltene und bekannte Arten beobachten – Borneo-Zwergelefanten, Nasenaffen, Rhinozerosvögel und sogar Orang-Utans. Dass es diesen Hotspot gibt, liegt daran, dass die Tiere nirgendwo anders hinkönnen. Im Umland des Flusses wurden in großem Stil Bäume gerodet und durch Ölpalmen ersetzt. Man kann stundenlang fahren, fast ohne eine andere Baumart zu sehen. Heute ist ein Fünftel des Bundesstaats mit Ölpalmen bewachsen. Aus Sabah kommen mehr als sieben Prozent der globalen Palmölproduktion.

Sumatra sind schon flächendeckend Wälder und Moorlandschaften abgeholzt und brandgerodet worden, um Platz für Ölpalmenplantagen
zu schaffen. Ein Teil dieser neuen Pflanzungen in der Provinz Papua in Westneuguinea verstößt laut Greenpeace gegen ein indonesisches Moratorium zur Rodung von Torflandschaften.
Bild Ulet Ifansasti, Greenpeace

Dem Boom verdankt der Bundesstaat einiges: gepflasterte Straßen, bessere Schulen, Satellitenfernsehen. In der Hauptstadt Kota Kinabalu führen moderne Einkaufszentren westliche und asiatische Luxusmarken. Doch der ökologische Preis dafür ist hoch. Viele noch bestehende Waldfragmente sind nicht miteinander verbunden – Dschungelinseln, fast ohne Tiere. „Wo früher die höchste Dichte an Orang-Utans war, stehen jetzt Ölpalmen“, sagt John Payne, ein Biologe, der seit 1979 in Sabah lebt.

Die Forstbehörde des Bundesstaats unterstand bis vor Kurzem Sam Mannan, dem obersten Waldschützer. Unter seiner Führung erweiterte Sabah seine geschützten Gebiete von zwölf auf 26 Prozent seiner Fläche – mehr als 1,9 Millionen Hektar. Mannans Ziel war es, diese Fläche bis 2025 auf 30 Prozent zu erweitern und Parks, Wildschutzgebiete und andere Waldabschnitte durch neu gepflanzte Korridore zu verbinden, damit die Tiere wandern können.

Mannan glaubte an die Zusammenarbeit mit den Palmölherstellern. „Ohne Palmöl wäre es mit dem Naturschutz in Sabah nicht weit her“, sagt er. Er sitzt in seinem Büro in der Küstenstadt Sandakan, der früheren Nutzholzhauptstadt der Insel. „Das Geld geht zurück in den Naturschutz“, sagt der Waldschützer. Ja, aber ohne Ölpalmen würde man gar nicht so viel Geld für den Naturschutz benötigen. „Das stimmt“, sagt Mannan, „aber man wäre arm.“

Im Sommer wurde Mannan durch Sabahs neue Regierung entlassen. In seiner fast 20-jährigen Amtszeit war es ihm gelungen, fast alle Interessenten rund um das Palmöl in Malaysia gegen sich aufzubringen. Doch viele Umweltschützer hielten ihn für jemanden, der die Branche in die Schranken wies. „Er war ein visionärer, kühner und effektiver Regierungsvertreter“, sagt Payne.

Die Palmindustrie muss ihre Kultur ändern. So sieht das zumindest RSPO-Geschäftsführer Darrel Webber, der in Sabah aufgewachsen ist. Mit Mannans Unterstützung starteten Webber und die malaysische Aktivistin Cynthia Ong ein ambitioniertes Programm, das bis 2025 die gesamte Produktion des Bundesstaats als nachhaltig zertifizieren will. Nestlé, ein großer Palmölabnehmer ohne eigene Plantagen, hilft bei der Finanzierung des Projekts. Die Bauern erhalten bessere Preise, im Gegenzug bekommen RSPO-Händler die Möglichkeit, die Herkunft ihres Öls nachzuweisen.

Kritikern ist die Zusammenarbeit mit genau jenen Firmen, die für den Waldverlust verantwortlich sind, suspekt. Sie finden, dass die Hauptanforderung für die Zertizierung von Öl eines Erzeugers – keine weitere Entwaldung – zu kurz greift. Als Antwort darauf vergleicht Webber, der früher beim WWF gearbeitet hat, die Palmölindustrie mit dem biblischen Paulus auf dem Weg nach Damaskus. „Soll man einem großen Sünder vergeben, weil er dein bester Missionar werden könnte?“, fragt Webber. „Oder wollen wir alle Sünder fernhalten? Was hätten wir dann gewonnen? Wir müssen doch eine Möglichkeit finden, alle an Bord zu holen.“

In Gabun kehrt mit der Firma Olam das Palmöl jetzt zu seinen Wurzeln zurück. An der Westküste Afrikas am Äquator gelegen, ist das Land fast so groß wie Italien, hat aber nur zwei Millionen Einwohner. Mehr als drei Viertel der Fläche sind von Wald bedeckt, elf Prozent der Landfläche als Nationalparks geschützt. Ein Paradies für Wildtiere.

Aber jetzt setzt Gabun auch auf das Palmöl. Die frühere französische Kolonie hat das vierthöchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf aller afrikanischen Länder südlich der Sahara, ein Großteil der Einnahmen stammt aus Erdöl. Die Regierung von Präsident Ali Bongo Ondimba will die kommerzielle Landwirtschaft – darunter auch den Ölpalmenanbau – als Wirtschaftszweig entwickeln. Und dafür müssen Bäume weichen.

Um die unterschiedlichen Forderungen in den Griff zu bekommen, hat die Regierung ein Projekt in Angriff genommen, an dem sich kaum ein anderes Land je versucht hat: einen nationalen Flächennutzungsplan. Die Regierung vergab zwei neue Ölpalmenkonzessionen an Olam und verkaufte dem Konzern später zudem noch eine bestehende Plantage. Olam bewirtschaftet jetzt 130000 Hektar, 0,5 Prozent der Landfläche Gabuns. Aber nur knapp die Hälfte ist mit Ölpalmen bepflanzt.

Mitarbeiter der Borneo Orangutan Survival Foundation entlassen einen Menschenaffen auf einer geschützten Insel in die Wildnis. Nachdem er aus seiner Dschungelheimat vertrieben worden war, wuchs der Affe in der Rettungsstation Nyaru Menteng auf. Zwischen 1999 und 2015 verloren fast 150 000 Borneo-Orang-Utans durch Entwaldung und Jagd ihr Leben.
Bild Ulet Ifansasti, Geenpeace

An einem strahlenden Morgen fährt Christopher Stewart, Olams Nachhaltigskeitsmanager, in einem Geländewagen eine mit Schlaglöchern übersäte Straße südwestlich der Hauptstadt Libreville entlang. Zweieinhalb Stunden von Libreville entfernt, biegt Stewart auf einen roten Feldweg zur Awala- Plantage ab. Das hier ist Sekundärwald, es ist eines der Gebiete, die in Gabun zuerst abgeholzt wurden. Die Regierung hat Olam 20000 Hektar überlassen – wovon der Konzern nur etwa ein Drittel mit Ölpalmen bepflanzt hat. Ein weiteres Drittel wird als zusammenhängendes Waldstück geschützt, was für die Tiere wichtig ist, der Rest bleibt in kleineren Parzellen stehen, einige an steilen Hängen.

Die Palmenreihen der Plantage werden von ununterscheidbaren Feldwegen durchzogen, man kann leicht die Orientierung verlieren. Am Ende jeder Reihe haben Arbeiter frische Palmfrüchte aufgetürmt. Am Nachmittag werden sie auf Kipper geladen und zur plantageneigenen Mühle gebracht werden. 50 Tonnen Öl pro Stunde entstehen dort.

Auf einer kleinen Anhöhe innerhalb der Plantage klettert Stewart auf das Dach seines Wagens. Die Ölpalmenreihen erstrecken sich fast bis zum Horizont. In der brennenden Sonne ist dieser gleichförmige Anblick schwindelerregend. Die Karte in Stewarts Händen macht die Dimensionen deutlicher. Dieser Teil der Plantage umfasst etwa 16000 Hektar. Was hier zu sehen ist, sind weniger als sieben Prozent davon.

Als Ökologe hasst Stewart die Vorstellung, dass Bäume abgeholzt werden. „Aber“, sagt er, „ich weiß, langfristig ist es in Gabuns Interesse, dass wir den richtigen Ort für diese Projekte finden und sie vernünftig umsetzen. Das Land kann damit zeigen, was gut geplante, gut organisierte Landwirtschaft zu leisten imstande ist.“ Lee White stimmt ihm zu. Olam vergreife sich nicht an geschützten Gebieten, sagt er: „Mithilfe des Unternehmens kann ich sogar weitere Nationalparks einrichten.“

Wenn man einmal anfängt, Wälder für landwirtschaftliche Zwecke zu roden, dann fällt es nicht schwer, immer weiterzumachen. Bereitet das White Sorgen? Er lächelt. „Ich bin eigentlich kein Bedenkenträger“, sagt er. „Aber wenn wir in 50 Jahren die Zahl der Menschen, die wir dann auf dem Planeten haben werden, nicht ernähren können, werden feucht-tropische Gegenden, wo man große Mengen Nahrungsmittel anbauen kann, gefährdet sein.“

Auf Hügeln unweit der westlichen Grenze von Lopé hat der französische Archäologe Richard Oslisly Beweise für Steinzeit- und Eisenzeitsiedlungen entdeckt – Quarzspäne aus der Herstellung von Pfeilspitzen, Eisenwerkzeuge, Feuerstätten. Vor 3000 Jahren waren Bantuvölker entlang der Atlantikküste von Kamerun nach Gabun migriert und hatten Ölpalmen mitgebracht. Später überzogen Bauern große Teile von Gabun und Nordkongo mit Palmenhainen.

„Wahrscheinlich“, sagt White, „sah Zentralafrika früher so aus wie Indonesien heute.“ Bei einem drastischen Bevölkerungseinbruch, vielleicht durch eine Epidemie, kamen die Eisenzeitmenschen ums Leben. Danach breitete sich der Regenwald wieder ungehindert aus. „Jetzt beginnen wir den Kreislauf von vorn“, sagt White. „Und es wird sich zeigen, ob wir mit unseren Managemententscheidungen die Wälder wieder zerstören oder ein Gleichgewicht erhalten bleibt.“

Dieser Artikel wurde gekürzt. Lesen Sie die ganze Geschichte in Heft 12/2018 des National Geographic-Magazins. Jetzt ein Abo abschließen!

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