Fünf Möglichkeiten für eine nachhaltigere Beschaffung

Globale Marken haben die Verantwortung und die Mittel, dringende soziale und ökologische Herausforderungen der Welt anzugehen. Internationale Lieferketten müssen genau geprüft werden, um sie so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Von Jon Heggie
Veröffentlicht am 1. Aug. 2022, 16:07 MESZ
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Die Welt steht vor ernsthaften sozialen und ökologischen Herausforderungen. Zehn Prozent der Menschen leben in extremer Armut, während alles, was der Mensch tut, den Klimawandel beschleunigt und die Biodiversität beeinträchtigt. Einzelpersonen, Organisationen und Regierungen auf der ganzen Welt stellen sich diesen Herausforderungen und arbeiten für eine bessere und nachhaltigere Zukunft.

Alles, was globale Marken unternehmen, hat weitreichende soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen. Deshalb bedeutet Nachhaltigkeit für sie, sich um Menschen und den Planeten zu kümmern. Die Themen Ethik und Umweltschutz fließen in die Kaufentscheidungen der heutigen Verbraucher ein. Sie bevorzugen Produkte, deren gesamte Lieferkette nachvollziehbar ist. Wir zeigen fünf Wege für große Marken, Rohstoffe nachhaltiger zu beschaffen:

Kampf gegen den Klimawandel

Die neuesten Berichte deuten darauf hin, dass der Klimawandel noch schlimmere Auswirkungen hat als befürchtet: 40 % der Weltbevölkerung sind „extrem gefährdet“ von Dürren, Überschwemmungen, Stürmen und dem steigenden Meeresspiegel. Die Auswirkungen auf Entwicklungsländer sind dabei überproportional hoch.

CO2-Emissionen zu reduzieren, ist eine dringende Priorität. Globale Marken können einen großen Beitrag leisten, indem sie Rohstoffe nachhaltiger beziehen. Durch ihren großen Einfluss können globale Marken Lieferanten – von Kleinbauern bis hin zu großen Bergbaubetrieben – dabei helfen, Anbaumethoden anzuwenden, die Treibhausgasemissionen reduzieren. Wenn die Abholzung – ob illegale Holzgewinnung oder Rodungen für die Landwirtschaft – aus der Lieferkette verschwindet, können Wälder als wichtige Ressourcen für die Reduzierung von Kohlenstoff erhalten werden. Am Ende der Lieferkette sollten Werke und Fabriken, in denen Rohstoffe verarbeitet werden, dazu angeregt werden, auf CO2-Neutralität hinzuarbeiten: mit einer deutlichen Reduzierung des Energieverbrauchs und der Nutzung von erneuerbaren Energien. Die globale Marke Garnier arbeitet eng mit ihren Lieferanten zusammen und minimiert damit ihre unmittelbare CO2-Bilanz. Das Unternehmen entwickelt darüberhinaus Produkte für einen effizienteren Transport und strebt die CO2-Neutralität aller seiner Industriestandorte bis 2025 an.

Bewahrung der Biodiversität

Über den Klimawandel hinaus hat die Rohstoffgewinnung einen enormen Einfluss auf die Umwelt: Seitdem die Menschen Bäume fällen und Bergbau und Landwirtschaft betreiben, ist die weltweite Biodiversität auf knapp 85 % ihres ursprünglichen Bestands gefallen. Diese Zahl steigt auf 88 %, wenn neue Arten einbezogen werden. Besonders auffällig ist die Entwaldung. Jede Minute wird im Regenwald eine Fläche von etwa der Größe eines Fußballfeldes abgeholzt. Verantwortungsbewusste globale Marken nutzen die Verifizierung durch Dritte, beispielsweise das Forest Stewardship Council und die Rainforest Alliance, um sicherzustellen, dass ihre Rohstoffe nicht auf Kosten der Tierwelt gewonnen wurden.

Es gibt auch zunehmende Bedenken über eine rückläufige Bodengesundheit, die durch schlechte landwirtschaftliche Nutzung verursacht und durch Pestizide und Düngemittel noch verschärft wird: Bis 2050 könnten etwa 90 % der weltweiten Böden geschädigt sein. Einige globale Marken bieten Lieferanten Anreize, Rohstoffe im Einklang mit der Natur anzubauen und regenerative Landwirtschaft zu betreiben, die den Boden erhält und wiederherstellt. So bezieht Garnier seine Avocados von Lieferanten, die ihre Pflanzen biologisch anbauen und keine Pestizide oder Herbizide verwenden. Dabei werden agrarforstwirtschaftliche Methoden eingesetzt, die die Bodengesundheit unterstützen und den Bedarf an Bewässerung reduzieren.

Flächen üppiger Regenwälder werden jährlich für die Industrie abgeholzt. Dabei werden Lebensräume für die wertvolle Artenvielfalt zerstört. Verantwortungsbewusste Marken dulden keine Entwaldung mehr in ihren Lieferketten und verwenden zur Überprüfung eine Zertifizierung durch Dritte wie die Rainforest Alliance.

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Economic Empowerment

Die Armut in all ihren Formen zu beenden, ist ein zentrales Ziel für nachhaltige Entwicklung, das von den Vereinten Nationen festgelegt wurde. Entscheidend für den Erfolg ist, dass Arbeiter fair bezahlt werden. Viele Mitarbeiter in der Lieferkette verdienen weniger als das Existenzminimum erfordert. Aber wenn Marken aktiv sicherstellen, dass ihre Lieferanten einen Lohn zahlen, der die realistischen Lebenshaltungskosten deckt, befähigen sie Menschen und Gemeinschaften, sich aus der Armut zu befreien. Für viele Menschen bedeutet dies, mehr als nur genug zu essen zu haben. Kinder könnten länger die Schule besuchen – sogar der Besuch einer Universität könnte finanziell im Bereich des Möglichen sein. So könnten Familien den Teufelskreis der Armut durchbrechen.

In Tansania liefern rund 3.000 Landwirte Avocadoöl für Garnier im Rahmen einer Fair for Life-Zertifizierung. Somit verpflichtet sich Garnier, bestimmte Mengen Avocadoöl zu einem fairen Preis zu kaufen und im Voraus zu bezahlen, um diesen Kleinbauern bei der Finanzplanung und der Finanzierung von Bildung und Gesundheitsversorgung zu helfen.

Gute Arbeitsbedingungen

Seit der industriellen Revolution wurden wegen schlechter Arbeitsbedingungen zahlreiche Gesetze erlassen und Best Practices aufgestellt. Weltweit werden jedoch Arbeitsvorschriften missachtet – von unsicheren Arbeitsbedingungen bis hin zu exzessiven Arbeitszeiten. Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten führen täglich zu mehr als 6000 Todesfällen.

Selbst verantwortungsbewusste Marken haben Schwierigkeiten, Missstände zu erkennen, die tief in ihren Lieferketten verborgen sind. Dieses Problem wird noch verstärkt durch stark wechselnde regulatorische Standards und kulturelle Normen. Viele Marken stellen sich jedoch der Herausforderung, indem sie ihre Lieferketten aktiv abbilden, um herauszufinden, wo sie nach potenziellen Problemen suchen müssen. Dazu werden Inspektionen durchgeführt, bei denen direkte Gespräche mit Arbeitern geführt werden. Wettbewerbsvorteile werden bei branchenübergreifenden Kooperationen ausgeblendet, um die Standards zum Nutzen aller zu erhöhen.

Für Garnier geht das Engagement für gute Arbeitsbedingungen über die Herstellung seiner Produkte hinaus und umfasst das Recycling seiner Verpackungen. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Plastics for Change zusammen, dem weltweit größten Vertreiber von fair-trade-verifiziertem recycelten Kunststoff, der Bildung, Gesundheitswesen und Empowerment für Abfallsammler in Indien unterstützt.

Mehr Inklusion, keine Ausbeutung

Ausbeutung zeigt sich in vielen Formen – von der Diskriminierung von Frauen über moderne Sklaverei bis hin zur Kinderarbeit: 160 Mio. Kinder zwischen fünf und 17 Jahren auf der Welt werden als Kinderarbeiter ausgebeutet, fast die Hälfte dieser Kinder arbeitet unter gefährlichen Bedingungen.

Ausbeutung in Lieferketten lässt sich nur bedingt ermitteln. Zugleich sind existierende strenge Vorschriften schwer durchsetzbar. Verantwortungsbewusste Marken versuchen, hier Licht ins Dunkle zu bringen. Der erste Schritt dabei: Sie gehen davon aus, dass Ausbeutung stattfindet, und richten durchgreifende Mechanismen ein, um sie zu finden und zu stoppen. Eine transparente Lieferkette erfordert eine unabhängige Zertifizierung von Lieferanten durch Dritte, Investitionen in regelmäßige Kontrollen von Farmen und Fabriken und die Einrichtung von Spezialteams, um Lieferanten bei der Lösung von Ausbeutungsproblemen zu unterstützen.

Trotz zahlreicher Gesetze und Best Practices lassen sich unsichere und unfaire Arbeitsbedingungen weltweit schwer aufdecken. Aber viele Marken stellen sich der Herausforderung, indem sie ihre Lieferketten umfassend abbilden, um ein gutes Arbeitsumfeld für alle zu gewährleisten.

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Da Frauen die Mehrheit der Arbeitnehmer in vielen Lieferketten ausmachen, fördern einige Marken aktiv Inklusion, um sie innerhalb ihrer Gesellschaft zu stärken. In Marokko bezieht Garnier sein Arganöl von einem Netzwerk von Genossenschaften, die mehr als 500 ethnisch marginalisierten Berberinnen faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen bieten und sie in die Lage versetzen, wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit zu erreichen.

Für globale Marken liegt der Schlüssel zu einer nachhaltigen Beschaffung darin, zu wissen, woher jede Komponente kommt und welche Prozesse sie durchläuft, bevor sie das Werk erreicht. Für Verbraucher ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Wahl, sich zu informieren. 2017 war Garnier Vorreiter bei der Transparenz, indem das Unternehmen die Herkunft seiner Inhaltsstoffe auf der Produktverpackung auflistete. Auf dieser Grundlage arbeitet Garnier nun mit unabhängigen Experten zusammen, um Produktkennzeichnungen für ökologische und soziale Auswirkungen einzuführen, die den Verbrauchern sichtbare und leicht verständliche Nachhaltigkeitsbewertungen vermitteln. Diese Transparenz ist unerlässlich, um Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Nur so können globale Marken effektiv ihren Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten.

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