Natürliche Wasserfilter: Warum Schilfgürtel überlebenswichtig sind

Ob an Seen, Flüssen oder in Feuchtgebieten: Schilfgürtel sind wichtige Lebensräume für vielfältige Tier- und Pflanzenarten und haben eine buchstäblich reinigende Wirkung. Ein Besuch am Dümmer See.

Von Jon Heggie
Veröffentlicht am 14. Okt. 2022, 10:59 MESZ
WARUM SCHILFGÜRTEL ÜBERLEBENSWICHTIG SIND
Schilfgürtel stellen wichtige natürliche Filter für Süßwasser-Ökosysteme dar. Im Rahmen der FinishspartWasser-Kampagne unterstützt Finish das Living Lakes Netzwerk bei der Wiederherstellung von Schilfgürteln rund um den Dümmer See in Deutschland und hilft so, dieses wichtige Ökosystem zu erhalten.

Seit Tausenden von Jahren nutzen die Menschen Schilf: zum Bauen von Reetdächern, zum Korbflechten, sogar zur Herstellung von Musikinstrumenten. Doch viel zu lange wurden Schilfröhrichte wenig bedacht, wenn es um den Naturschutz ging – dabei tragen sie zur Reinigung unserer Gewässer bei und stellen einen wichtigen Lebensraum zum Erhalt der Artenvielfalt dar.

Die Schilfgürtel des Dümmer Sees

Schilfgürtel sind überall auf der Welt ein fester Bestandteil von Feuchtgebieten, Flüssen, Bächen, Sümpfen, Teichen und Seen. Als Übergang zwischen Land und Wasser bieten sie vielen Vogel- und anderen Tierarten Schutz und Lebensraum. So auch am Dümmer, dem zweitgrößten See in Niedersachsen. Die Röhrichte dort stellen wichtige Bruthabitate für Vögel wie Rohrweihe, Rohrdommel und Rohrschwirl dar. 

„Röhrichte sind Lebensraum für unzählige Arten, darunter auch viele bedrohte“, sagt Nina Maurer, Biologin und Umweltpädagogin am Dümmer, und deutet auf einen Schilfgürtel. Er ist mit Bojen markiert, die ihn vor Booten schützen sollen, denn das Schilf ist aus vielen Gründen sehr wertvoll. Unter Wasser bietet es wichtige Laichplätze für Süßwasserfischarten. Und die Röhrichte helfen, Erosion durch Wind, Wasser und Wellen zu mindern.

Nicht nur deswegen sind sie für das Gleichgewicht der Natur von extremer Bedeutung. Sie haben auch noch eine weitere wichtige Funktion: „Sie helfen buchstäblich dabei, das Wasser in dem sie wachsen, zu reinigen“, erklärt Maurer. Doch nach ihren Angaben ist das Schilf in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr verschwunden – eine gefährliche Entwicklung.

Die Röhrichte des Dümmer Sees sind wichtige Bruthabitate für Vogelarten wie Rohrweihen (Foto) und damit eine beliebte Anlaufstelle für Vogelbeobachter.

Foto von Shutterstock

Schilf schwindet weltweit

Die Notlage der Schilfgürtel des Sees spiegelt im Kleinen die Bedrohung wider, die weltweit für diese Pflanzen besteht. Ein globales Verzeichnis von Schilfgebieten gibt es zwar nicht, doch zahlreiche Studien haben das Schilfsterben dokumentiert: Baggerarbeiten, Bauarbeiten und intensive Landwirtschaft fordern ihren Tribut. Das Phänomen des Schilfsterbens ist dabei eng mit dem Verlust von Feuchtgebieten verbunden, und dieser ist enorm: In den vergangenen 300 Jahren sind bis zu 87 Prozent der Feuchtgebiete der Welt verschwunden, schätzen die Autoren einer neuen Studie.

Eine der Hauptbedrohungen für die Röhrichte des Dümmer Sees sind landwirtschaftliche Einträge. „Die Landwirtschaft hat einen erheblichen Einfluss“, sagt Thomas Schaefer, Biologe und Leiter der Abteilung Naturschutz & Living Lakes beim Global Nature Fund (GNF). „Einerseits aufgrund von Nährstoffen aus der Ausbringung von Gülle und Mist, die über Flüsse und Grundwasser in den See gelangen; andererseits durch Sedimentation.“ Auch der Tourismus strapaziert die Schilfgebiete: Zwar werden touristische Aktivitäten rund um den See heute durch Vorschriften und geschützte Zonen gut verwaltet, in der Vergangenheit haben sie jedoch zu einer erheblichen Verschlechterung der Biotope geführt. „In manchen Bereichen des Sees sind bis zu 50 Prozent der Schilfflächen verloren gegangen“, sagt Schaefer.

Das Schilf rund um den Dümmer hat auch unter dem Tourismus stark gelitten. Teilweise gingen bis zu 50 Prozent der Flächen verloren. In den vergangenen Jahren wurden  Schutzzonen eingeführt, die die Situation verbessert haben.

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Neben der Bereitstellung von Lebensräumen für Hunderte von Vogel- und Fischarten sowie zahllose Wirbellose, filtern Schilfflächen Wasser und fangen Mikroorganismen in ihren Wurzelsystemen ein. Sie bieten Süßwasser-Ökosystemen eine Schutzbarriere, die potenziell schädliche Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie herausfiltern kann. Das haben auch Landwirte erkannt: Viele nutzen heute künstlich angebaute Schilfbeete als Filtersysteme auf ihren Höfen.

Initiativen zum Schutz

„Das Schilf hat mehrere Eigenschaften, die das Wasser reinigen“, sagt Maurer. „Eine davon ist die Fähigkeit der Pflanzen, Phosphate aus dem Wasser aufzunehmen. Das ist am Dümmer sehr wichtig, weil viel zu viel Phosphat im Wasser ist, das wiederum das Planktonwachstum fördert.“ Darüber hinaus beruhige Schilf das Wasser: „Schwebstoffe, die auch Nährstoffe enthalten, setzen sich ab, und nach einer Weile kommt das Wasser gereinigt heraus.“

Naturschutzgruppen, darunter der GNF mit seiner Living Lakes-Initiative, haben sich zusammengeschlossen, um bei der Wiederherstellung der Röhrichte am Dümmer See zu helfen. Dafür pflanzen sie neues Schilf an. Nina Maurer ist an dem Projekt beteiligt. „Das Wichtigste ist, dass die Schilfgürtel wieder größer werden und wir neues Schilf pflanzen“, sagt sie. „Damit die Pflanzen gut gedeihen, arbeiten wir mit verschiedenen Schutzmaßnahmen. Wellen werden durch Holzpfähle abgehalten und wir bauen Zäune um junge Pflanzen, damit sie nicht gefressen werden.“

Das Pflanzen von Röhricht ist ein wesentlicher Bestandteil der Wiederherstellung von Feuchtgebieten rund um den Dümmer. Die gemeinsame Anstrengung von Naturschutzorganisationen unterstützt diese Initiative.

Foto von Shutterstock

Finish setzt sich für Biotope ein

Das Programm am Dümmer wird von der Geschirrspülmittelmarke Finish des Herstellers Reckitt unterstützt – als Teil der weltweiten Initiative des Unternehmens zum Schutz und Erhalt von Süßwasserökosystemen und zur Bekämpfung der Wasserknappheit. Erhöhte Nachfrage, Umweltzerstörung und Klimawandel tragen zu einer Verschärfung der Wasserkrise bei, mit tiefgreifenden Auswirkungen für Mensch und Natur. Das gerät in unseren Breiten leicht in Vergessenheit, wenn zu Hause scheinbar unbegrenzt frisches Trinkwasser aus den Wasserhähnen fließt. Doch unser Wasser kommt nicht einfach so aus dem Wasserhahn, sondern aus der Natur. Einfache Verhaltensänderungen in unserem Alltag haben einen spürbar positiven Einfluss auf die Wasserressourcen unseres Planten – und damit auf die Natur. Finish setzt sich für einen bewussteren Umgang mit der Ressource Wasser ein und regt dazu an, Wasser zu sparen.

Wir alle können zu Hause unseren Beitrag dazu leisten: indem wir kürzer duschen, Wasser nicht unnötig lange laufen lassen oder Lecks im Haushalt schnell beheben. Außerdem können wir bis zu 24 Liter Wasser sparen, wenn wir das Geschirr nicht vorspülen, bevor wir es in die Spülmaschine räumen. Innerhalb eines Jahres können so über 25 Milliarden Liter Wasser eingespart werden, ergab eine Studie von The Lifesights Company aus dem Jahr 2019. „Wir können immer noch mehr tun“, weiß auch Maurer.

Heute entwickelt sich der Dümmer wieder zu einem gesunden, natürlichen Ökosystem. Die neuen Röhrichte spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn mit ihrer Hilfe schützt sich der See selbst. Gleichzeitig bieten sie uns Menschen die Möglichkeit, seltene Vögel zu beobachten und durch Führungen mehr über die Natur zu lernen und uns mit ihr zu verbinden.

„Ich liebe diesen Ort sehr“, sagt Maurer. „Das Faszinierende für mich ist, dass man hier am Dümmer die Entwicklung erfolgreicher Naturschutzmaßnahmen beobachten kann. Arten, die verschwunden sind, kehren zurück.“

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