Wissenschaft

Videos von Sturmjägern zeigen Zerstörungskraft von Tornados

Der National Geographic-Tornadowissenschaftler Anton Seimon filmt die Naturphänomene, um mehr über die Schäden zu erfahren, die sie anrichten. Dienstag, 7 November

Von Casey Smith

Wie genau richten Tornados verheerende Schäden an Häusern, Geschäften und der Natur an? Das ist die Frage, auf die der National Geographic Explorer Anton Seimon mit Hilfe neuer Technologie eine Antwort sucht.

Seimon und sein erfahrenes Team von Sturmjägern haben ihre Ausrüstung kürzlich in Carpenter im US-Bundesstaat Wyoming zum Einsatz gebracht. Dort braute sich am 12. Juni ein heftiger Sturm zusammen, aus dem eine Reihe von Tornados hervorgingen, die Seimon und sein Team mit der Kamera einfangen konnten.

„Wir versuchen herauszufinden, was Tornados auf dem Boden anrichten, weil sie dort auch die größten Auswirkungen auf die Menschheit haben. Aber dort sind sie auch am schwierigsten zu messen“, sagte Seimon.

Obwohl ihre mobilen Radare nützlich sind, können sie die Tornados nur in gewisser Distanz über dem Boden scannen und somit nicht genau sehen, was passiert, wenn das Phänomen seinen Schaden anrichtet. Laut Seimon ermöglicht ein hochauflösendes Video es ihnen jedoch, „direkt in die problematische Zone des Tornados zu blicken.“ Und genau das hoffen er und sein Team während ihrer Sturmjagden zu erreichen.

„Man braucht wirklich deutliche Aufnahmen. Das ist es, was wir zu bekommen versuchen, damit wir die Interaktion eines Tornados mit der Oberfläche so bildlich wie möglich dokumentieren können“, sagte er.

Seimons Team sucht momentan nach Möglichkeiten, die Werkzeuge und Techniken ihres letzten Projekts, der El Reno Survey, auf Tornados anzuwenden, um mehr darüber lernen, wie die Windhosen sich auf die Oberfläche auswirken.

Bei der El Reno Survey nutzten sie von verschiedenen Quellen Bildmaterial des Sturms in El Reno, der am 31. Mai 2013 in Oklahoma tobte. Dadurch konnten Seimon und andere Forscher eine dreidimensionale Karte der Merkmale des Haupttornados zu einem beliebigen Zeitpunkt an einem beliebigen Ort seines Weges erstellen. Dieser Tornado – einer der stärksten, die je aufgezeichnet wurden – hat acht Todesopfer gefordert, darunter der langjährige National Geographic-Sturmjäger Tim Samaras und sein Forscherteam.

Seimon sagte, dass sie sich nun im Prozess befänden, neue Fälle für eine ähnliche Datenanalyse und Rekonstruktionen auszusuchen. Der Carpenter-Tornado ist ein möglicher Kandidat für neue Forschungsarbeit. Er war ein starker und gut sichtbarer Tornado, in dessen Nähe sich viele Sturmjäger aufhielten.

„Das Tolle ist, dass wir [die Aufnahmen anderer Jäger] mit unseren eigenen Aufnahmen vergleichen können. So erhalten wir mehr und unterschiedliche Perspektiven, die uns helfen werden, das Windfeld dieses Tornados zu kartieren, als er über die Landschaft zog“, sagte Seimon.

Die nachträgliche Dokumentation des Tornadowegs ist ebenfalls ein wichtiger Fokus für Seimon und sein Team. Sie sprechen mit Anwohnern, deren Grundstücke sich im Weg des Tornados – oder in dessen Nähe – befanden. Auf diese Weise, sagte Seimon, können sie wertvolle Daten sammeln, mit denen Forscher mehr Details über die Windstärken aufzeichnen können, die den Schaden verursachten. „Wir können mit Anwohnern sprechen und exakt aufzeichnen, was, wann und wo genau der Schaden passierte.“

Seimon will seine Arbeit weiter voranbringen und sagte, dass er auch über die Möglichkeiten nachdenkt, die Drohnenaufnahmen bieten können. Momentan gibt es bei Drohnen jedoch noch Bedenken wegen der Privatsphäre, und Richtlinien für ihren Einsatz über Eigenheimen sind noch in Arbeit.

„Wenn [ein Tornado] über ein Feld hinwegzieht, könnte eine Drohne über dessen Schneise hinwegfliegen und nach Indikatoren suchen, die man mit anderen Dingen kombinieren kann, die wir ausmachen“, sagte er.

Auch wenn die Tornadosaison traditionell vorbei ist, ist Seimon noch einsatzbereit, wie er sagt. Es könnte auch später im Jahr noch die Möglichkeit für beträchtliche Tornadoaktivität geben.

„Es ist wirklich, wirklich spannend und erstaunlich, wenn man da draußen ist und sieht, wie die Natur ihr Ding durchzieht“, sagte Seimon. „Was auch immer wir tun können, um uns für bessere Aufnahmen um den Sturm herum zu positionieren – und dabei sicher zu bleiben –, ist das, was wir weiterhin tun werden.“

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