Fotografie

12 Fotos zeigen eine unbekannte Seite Nordkoreas

Die preisgekrönten Fotografien von David Guttenfelder zeigen, welche Rolle Sport und Freizeit im nordkoreanischen Alltag spielen.

Von Melody Rowell
Laut Guttenfelder wird der darstellenden Kunst für kleine Kinder in Nordkorea große Bedeutung beigemessen. Auf diesem Foto ist ein Kindergartenkind bereit für seinen Einsatz bei der Realisierung eines beliebten Märchens.

Der Fotograf David Guttenfelder ist einer der wenigen westlichen Besucher, die eine längere Zeit in Nordkorea verbracht haben. Im Jahr 2000 reiste er zum ersten Mal in das Land, und 2012 half er beim Aufbau des Presseamts Associated Press Bureau in Pjöngjang. Über die Jahre hat er eine kulturelle Veränderung in der Hauptstadt beobachtet. Eine Änderung, die sozusagen angerollt kommt.

„Inliner und Nordkorea – das sind zwei Dinge, die man nicht automatisch miteinander verknüpft.“

Seit Kim Jong-un 2011 zum obersten Führer ausgerufen wurde, gab es laut Guttenfelder verstärkte Bemühungen, Pjöngjang auf internationale Standards zu bringen. Eine wichtige Rolle dabei spielen Sport und Freizeit. Genauer gesagt: Inlineskates.

„Es gibt in der Hauptstadt und anderswo unzählige Skateparks“, berichtet Guttenfelder. „Früher fuhr hier hauptsächlich die Elite, aber mittlerweile folgt das ganze Land dem plötzlichen Aufruf, rauszugehen, zu spielen und sich aktiv zu erholen.“

Nach der Eröffnung des Presseamts kehrte Guttenfelder über einen Zeitraum von drei Jahren immer wieder nach Nordkorea zurück. Sein Auftrag war es, nicht nur Nachrichtenbilder aufzunehmen, sondern auch den Alltag festzuhalten. „Bei meiner Arbeit kam es auf einen kritischen Blick an“, erklärt er. „Gleichzeitig musste ich aber auch Humanist sein und zeigen, dass dort ganz normale Menschen leben, die versuchen, irgendwie zurechtzukommen und ihr Leben zu leben.“ Sein jahrelanger Einsatz hat sich ausgezahlt: Diese Woche erhielt Guttenfelder den dritten Preis in der Kategorie für langfristige Projekte beim World Press Photo Contest 2016.

Nordkoreaner haben sehr wenig Freizeit, sie arbeiten meist sechs Tage die Woche. Und sie haben wenig Einfluss darauf, wie sie ihre Zeit außerhalb der Arbeit gestalten. Doch Guttenfelders Bilder zeigen, dass Nordkoreaner nicht nur Inliner fahren: Sie tanzen, spielen Basketball, versuchen ihr Glück an Spielautomaten, springen von Klippen und führen Theaterstücke auf. „Viele von ihnen gehören der obersten Schicht an“, betont Guttenberg. „Aber sie sind nicht die einzigen. Man sieht das Phänomen mittlerweile eigentlich überall.“

Artikel in englischer Sprache veröffentlicht am 21. Februar 2016

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