Fotografie

Faszinierende Aufnahmen pulsierender Metropolen

Vincent Laforets "Citylights“ zeigt Bilder, die noch niemand zuvor gesehen hat. Montag, 30 Oktober

Von National Geographic

Schlaflos in New York

„New York. Ich lehne mich in über zwei Kilometern Höhe aus einem Hubschrauber, gehalten nur von einem an zwei Stellen befestigten Sicherheitsgurt. Die Nacht ist tiefschwarz, unter mir die Stadt.

Meine Kamera halte ich in der Hand, ohne auf den Auslöser zu drücken. Ich frage mich, WARUM? Warum tue ich das? Was mache ich in dieser Höhe? Wessen Idee war das? Ich denke an meine Kinder und daran, was passieren würde, wenn das hier schiefgeht. Schließlich halte ich mir doch wieder die Kamera vors Auge. Das, was ich sehe und was ich mit anderen teilen können werde, ist so atemberaubend, dass Faszination und Freude die Angst besiegen. Ich drücke auf den Auslöser.

In dieser Stadt habe ich fast mein gesamtes Erwachsenenleben verbracht. Sie ist meine Heimat. Ich liebe sie, doch während ich mich über den Abgrund lehne, das Gesicht starr vor Kälte, treibt mir der über 100 Stundenkilometer schnell an mir vorbeiwehende Wind die Tränen in die Augen. Ich zerre an den Haltegurten, um an den Kufen des Helikopters vorbei möglichst gerade nach unten fotografieren zu können, und erblicke ein New York, das ich so noch nie zuvor gesehen habe.

Ich weiß, dass es nur wenigen vergönnt ist, die Stadt aus dieser Perspektive zu sehen. Der Wind wird stärker, sodass ich vor Tränen kaum noch etwas erkenne. Das Dröhnen der Rotorblätter schwillt an, während der Pilot gegen den Wind ankämpft, um die Position zu halten. Ich bete zu Gott, dass meine Kamera auch tatsächlich das einfängt, was ich gerade sehe.

Bilder, die noch niemand zuvor gesehen hat

Ich bin schon immer überzeugt davon gewesen, dass Künstler in außergewöhnlichen Momenten dazu verpflichtet sind, bis an die Grenze zu gehen, indem sie beispielsweise Fotos machen, die so noch keiner gesehen hat. Dementsprechend bin ich mit einer klaren Vorgabe an dieses Projekt herangegangen: Hatte ich ein Motiv schon irgendwo einmal auf einem Foto gesehen oder es womöglich selbst schon abgelichtet, würde ich es nicht noch ein zweites Mal in derselben Weise fotografieren, sondern zumindest einen anderen Blickwinkel wählen. Aus diesem Grund hat jedes einzelne Foto in diesem Buch für mich eine ganz besondere Bedeutung, denn jedes Motiv habe ich im Moment der Aufnahme quasi neu entdeckt.

Man spürt das in den Städten pulsierende Leben, die ungeheure positive Energie und das immense Potenzial, das die Millionen von Menschen in sich tragen, die gemeinsam in dieser Stadt leben, arbeiten und atmen.

Ich hoffe, dass Sie an den Fotos in diesem Buch Gefallen finden. Mögen sie Ihnen helfen, wie sie mir geholfen haben, die Gemeinsamkeit zu entdecken, den Bezug zu spüren zu der Welt, in der wir leben, den Bezug zu anderen Menschen, selbst zu denen, die wir noch nie in unserem Leben getroffen haben.“

Die ganze Geschichte zu Vincent Laforets Citylights und die faszinierenden Aufnahmen pulsierender Metropolen erlebt ihr in „Vincent Laforet: Citylights“. Hier geht es zum Buch!

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